24.03.2020 – Die New Yorker MET stellt den Spielbetrieb ein - Die Lage der Künstler in Deutschland

Die Metropolitan Opera in New York

24.03.2020 – Die New Yorker MET stellt den Spielbetrieb ein - Die Lage der Künstler in Deutschland

Die Metropolitan Opera New York hat ihren Spielbetrieb wegen der Corona-Krise bis zum Ende der Spielzeit, die bis 9. Mai dauern sollte, eingestellt. Überraschend kam das nicht, auch die anderen großen Kulturinstitutionen wie das Metropolitan Museum of Arts bis mindestens Mitte Juli oder die Carnegie Hall bis 10. Mai haben geschlossen. Wie lange die Theater und Opernhäuser in NRW und Deutschland nicht spielen, wissen wir heute nicht.

Aber anders als hierzulande werden die Musiker und Bühnenarbeiter der Metropolitan Opera ab April nicht mehr bezahlt. Aufrechterhalten bleibt die Krankenversicherung - nicht unwichtig in den USA. Die Gewerkschaften würdigen das. Aber es gibt kein Protest gegen die unbezahlte Freistellung. "Wir entlassen die Menschen nicht", sagt Peter Gelb, der General Manager der MET, aber da die "Geschäftstätigkeit eingestellt" werde, könne man keine Gehälter bezahlen. Es gebe in den Verträgen die sogenannten force majeure Klauseln.

Peter Gelb, Chef der New Yorker Metropolitan Opera

In Deutschland werden keine angestellten Musiker unbezahlt freigestellt. Aber viele Kulturschaffende sind Freiberufler auf Honorarbasis. Sie haben keinerlei Absicherungen gegen Verdienstausfälle und arbeiten auch sonst oft unter prekären Bedingungen. 13000 Euro beträgt der Durchschnittsverdienst laut Künstlersozialkasse. Die Bühnenarbeiter und Musiker der MET verdienen unter normalen Umständen ganz andere Gehälter. Als es dort im Jahr 2014 eine Tarifauseinandersetzung gab, stand in der New York Times, dass es dort Bühnenarbeiter mit einem Jahresgehalt von 450000 Dollar gebe, deutlich mehr der Konzertmeister mit 394652 Dollar. Der Generaldirektor verdiene knapp 1,4 Millionen.

Die Arbeitsbedingungen an der MET, der Freelancer bei uns, ob man das vergleichen kann, sei dahingestellt. Die aktuelle Misere bei den Kreativschaffenden ist jedenfalls der Politik bewusst geworden. Das NRW-Kulturministerium hat ein Soforthilfeprogramm für Freiberufler beschlossen. Bis zu 2000 Euro als nicht rückzahlbarer Zuschuss können beantragt werden. Von der Bundesregierung gibt es ein Sozialschutzpaket und eine Corona-Soforthilfe mit Liquiditätshilfen. Der Deutsche Musikrat fordert ein befristetes Grundeinkommen von 1000 Euro für diese Berufe und die Deutsche Orchesterstiftung hat eine Spendenkampagne gestartet.

Beleuchtetes Aalto-Theater am Abend

Wie verfahren die Opernhäuser im Land mit den Gastengagements? Eine Kurzumfrage in Köln, Düsseldorf und Essen ergibt folgendes Bild: Köln bemüht sich um individuelle, sozialverträgliche Lösungen und versucht Vorstellungen auf einen späteren Zeitpunkt zu verlegen, die Deutsche Oper am Rhein in Düsseldorf will zusammen mit den Rechtsträgern und dem Deutschen Bühnenverein eine Lösung entwickeln, und das Aalto-Theater Essen hat vom Kämmerer der Stadt die Mitteilung erhalten, dass "keine Zahlungen für nicht erbrachte Leistungen" ausgeführt werden können. Die Situation ist für diese Kulturveranstalter dieselbe wie für alle anderen in Deutschland auch. Sie würden gerne helfen, können oder dürfen aber nicht.

Hoffentlich lehrt uns die Krise wenigstens, dass wir in Zukunft mit den freiberuflichen Kreativen anders umgehen müssen.

Stand: 24.03.2020, 12:25