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24.02.2018 – Christina C. Messner/Georg Beck, "Ein Zimmer für sie allein" in Köln

24.02.2018 – Christina C. Messner/Georg Beck, "Ein Zimmer für sie allein" in Köln

Francesca Caccini war die erste Komponistin, die es zu Ansehen gebracht hat, 200 Jahre vor Clara Schumann oder Fanny Mendelssohn. Und sie war die erste Frau, die eine Oper geschrieben hat, die neuerdings häufiger aufgeführt wird, zuletzt im November 2017 bei den Tagen Alter Musik in Herne.

Das Musiktheater "Ein Zimmer für sie allein", das im Kölner Zentrum für Alte Musik zu sehen war, betreibt keine Werkschau dieser Komponistin, sondern ist eine Art psychologisch-biographische Annährung an diese Frau aus unserer Zeit.

Der Autor Georg Beck und der Regisseur Andreas Falentin haben dazu ein intimes Vierpersonenstück entworfen aus Gesang, Tanz, Schauspiel und Musik für Chitarrone.

Georg Beck, "Ein Zimmer für sie allein" Köln

Irene Kurka in "Ein Zimmer für sie allein"

Man hört Ausschnitte aus Caccinis erstem Madrigalbuch, das schon zu ihren Lebzeiten im Druck erschien, man hört etwas aus ihrer Oper "La liberazione di Ruggiero dall'isola d'Alcina", ein Stück, dem der man durchaus feministische Untertöne entnehmen kann, und man hört Klänge der Kölner Komponistin Christina C. Messner, die in ihrer "Monodie für eine sich selbst begleitende Sängerin" die Musik von Caccini weiter gesponnen hat, wo die Sängerin Irene Kurka verschiedene kleine Hand-Perkussionsinstrumente spielt:

Dieses Musiktheater kommt mit ganz wenigen Requisiten aus. Der Regisseur Andreas Falentin hat Francesca Caccini an ein Pult gestellt. Man stellt sich vor, dass sie hier komponiert, schreibt und nachdenkt.

In der Mitte steht ein kleines Podest, darauf eine Schneiderpuppe, auf die ein barockes Kleid aufgezogen ist. Von dort aus agiert der schon etwas ältere Tänzer Stephan Reschke mit nacktem, drahtigem Oberkörper, den er in fließenden kraftvollen Bewegungen biegt. Später hat er das Kleid an.

Welche Rolle er spielt, wird in der Schwebe gehalten, vielleicht ist er Francescas Vater, der Komponist Giulio Caccini, vielleicht auch der emotionale Schatten von Francesca. Vielleicht ist auch der Chitarronespieler Klaus Mader, der so etwas wie den musikalisch ruhenden Pol abgibt, der Vater. Auch die Schauspielerin Heidrun Grote changiert in ihrer Rolle. Sie ist Erzählerin, sie ist Besucherin in Caccinis Zimmer, vielleicht auch ihre Mutter.

Der Titel "Ein Zimmer für sie allein" geht zurück auf den fast gleichlautenden feministischen Basistext von Virginia Woolf, und dementsprechend wird in diesem Musiktheater nicht nur ein Stück Musikgeschichte über diese erstaunliche Komponistin des Frühbarock verhandelt, sondern auch wie sich in eine Frau als Künstlerin in dieser Zeit in Adels-und Musikerkreisen behaupten kann.

Sie selbst konnte sich Anerkennung verschaffen, aber ihrer Tochter verbot sie später als Sängerin aufzutreten, um deren sozialen Status nicht zu gefährden.

Die 70minütige Aufführung ist durchaus vielschichtig gedacht und erreicht trotz der bescheidenen Bühnenmittel theatralische Dichte und verzichtet vor allem ohne moralisierende Untertöne.

Kölner Aufführung: 23.02.2018

Mitwirkende:

Irene Kurka, Sängerin
Heidrun Grote, Schauspielerin
Klaus Mader, Chitarrone
Stephan Reschke, Tanz
Trixy Royeck, Kostüm & Bühne
Andreas Falentin, Regie
Georg Beck, Buch und Dramaturgie
Christina C. Messner, Komposition 


Stand: 24.02.2018, 13:50