25.02.2018 - Heinrich Marschner, "Hans Heiling" in Essen

Heinrich Marschner, "Hans Heiling", 3. Akt am Aalto-Theater Essen

25.02.2018 - Heinrich Marschner, "Hans Heiling" in Essen

Der Erdgeist-König Hans Heiling will sein Schattenreich verlassen, um Mensch zu werden und das Mädchen Anna zu heiraten. Die liebt ihn aber nicht, sondern den Burschen Konrad. Als Hans Heiling das einsieht, ist er erst verzweifelt, dann rachsüchtig. Man kann in Essen am Ort der Zeche Zollverein schon auf die Idee kommen, das Erdreich als Bergwerk und den König als Haupt der Krupp-Dynastie zu sehen, nach dem Motto, dass wahre Menschlichkeit sich nur im einfachen Leben der Bergarbeiter zuträgt und auch ein Krupp Sehnsucht danach hat.


hat der Bühnenbildner Harald B. Thor am Essener Aalto-Theater ein Panoptikum an lokalen Erkennungsorten geschaffen, die Villa Hügel von innen, den Gruga-Park, eine Zechenkathedrale von außen, an der Parolen aus vergangenen Jahrzehnten gegen das Zechensterben angebracht sind.

Jede Menge Ruhrgebietsromantik also, die der Regisseur Andreas Baesler noch durch eine echte Bergmannskapelle, die das Steigerlied spielt und Ruhrgebietsslang in den Dialogen ergänzt.

Auf die Dauer wirkt das allerdings ein bisschen eindimensional, weil die eigentliche Geschichte, die Zerrissenheit des zwielichtigen Helden Hans Heiling in den Hintergrund gerät und auch das romantische Sujet der Polarität von Natur und Welt keine Rolle spielt. An Heiko Trinsinger liegt es nicht. Er ist an diesem Abend der einzige, bei dem eine innere Dramatik sich in seiner Darstellung und vor allem in seinem schwarzen Heldentenor Ausdruck verschafft, während die anderen Protagonisten immer irgendwie in dem Ruhrgebietsboulevard verharren.

Heinrich Marschners selten gespielte Oper ist stilistisch angesiedelt zwischen Webers "Freischütz" und Wagners "Holländer". Man hört "Wolfsschlucht"-Klänge genauso wie die große Verzweiflungsgeste eines Erlösungsbedürftigen. Der Dirigent Frank Beermann lässt diese spezifisch deutsch-romantische Idiom immer wieder aufklingen, insgesamt aber wirkt die Musik im Essener Aalto-Theater doch sehr flächig. Mehr, als dass man ahnt, dass Marschner als Komponist auf der Höhe seiner Zeit war, leistet die Essener Aufführung nicht.

Die Rache übrigens, die der Erdgeist Hans Heiling am Schluss nimmt, wenn er sieht, dass Anna und Konrad glücklich geheiratet haben, besteht darin, dass er die ganze Zeche in die Luft sprengt. Die Zeche Zollverein steht Gott-sei-Dank noch und ist Weltkulturerbe.

Premiere: 24.02.2018, noch bis zum 22.06.2018

und am 01.04.2018, 20.04 Uhr im Radio in WDR 3 Oper

Besetzung:

Die Königin der Erdgeister:Rebecca Teem
Hans Heiling, ihr Sohn: Heiko Trinsinger
Anna, seine Braut: Jessica Muirhead
Gertrude, ihre Mutter: Bettina Ranch
Konrad, burggräflicher Leibschütz: Jeffrey Dowd
Stephan, ein Schmied: Karel Martin Ludvik
Nicklas, ein Bauer: Hans-Günter Papirnik

Opernchor des Aalto-Theaters
Essener Philharmoniker
Bergwerksorchester Consolidation

Musikalische Leitung: Frank Beermann
Inszenierung:Andreas Baesler
Bühne. Harald B. Thor
Kostüme: Gabriele Heimann
Licht: Stefan Bolliger
Choreinstudierung: Jens Bingert
Dramaturgie: Christian Schröder

Stand: 25.02.2018, 13:50