Live hören
Jetzt läuft: Menuett A-Dur mit Trio E-Dur, D 334 für Klavier von Schubert, Franz

01.04.2020 - Die Bayreuther Festspiele fallen wegen Corona aus.

Das Festspielhaus in Bayreuth

01.04.2020 - Die Bayreuther Festspiele fallen wegen Corona aus.

Das hat es seit dem Krieg nicht gegeben. Das ist ein Fanal für die deutsche Kultur. Kein anderes Ereignis, keine Buchmesse, nicht einmal die Berlinale stehen so sehr für die jährliche Selbstvergewisserung unserer Kulturnation. Bayreuth ist eine Pilgerstätte. Kein Bayreuth ist für Musikdeutschland wie Karfreitag ohne Kreuzwegprozession.

Doch halt: Bayreuth ist auch ein Musikfestspiel wie hundert andere auch, die jetzt darniederliegen. Und die Mechanik ist am Ende eine ganz einfache: Der Probenbeginn für die Neuinszenierung des "Ring des Nibelungen" mit dem Regisseur Valentin Schwarz und dem Dirigenten Pietari Inkinen sollten am 1. April beginnen. Das ist unmöglich. Hinzu kommt, dass es in München eine heftige Diskussion gegeben hat, weil die Bayerische Staatsoper angeblich zu lax mit Corona-Regeln umgegangen sei. Eine Verschiebung des Probenbeginns bei dem vierteiligen "Ring des Nibelungen" mit 15 Stunden Musik wäre künstlerisch nicht zu vertreten gewesen. Außerdem erging der Auftrag an den Jungregisseur Schwarz sowieso schon sehr kurzfristig. Das geschah vor noch nicht einmal einem Jahr aus heiterem Himmel, weil Tatjana Gürbaca plötzlich abgesagt hatte. Da hatten die Experten schon damals die Stirn gerunzelt. Im Interview mit dem BR klang die Festspielleiterin Katharina Wagner gestern auch etwas einsilbig, so als handele sich bei dem ganzen Prozess der Absage vor allem um ein Dispositionsproblem (der "Ring" soll erst 2022 stattfinden), vielleicht war es aber auch nur der Versuch, in der Schocksituation die Fassung zu wahren. Rumpffestspiele mit einigen Wiederaufnahmen wollte man offenbar nicht in Betracht ziehen. Hier hätte man auf jeden Fall noch einige Wochen Zeit gewonnen, bis zu einer Entscheidung.

So zwangsläufig die Absage der Festspiele aus der Perspektive einer betrieblichen Mechanik ist, so ist hier doch etwas passiert, was anders ist, als die Theaterschließungen überall, weil man da immer die Hoffnung aus den Mitteilungen auf den Webseiten herausliest, dass es demnächst – hoffentlich – bald weitergeht.

Die Salzburger Sommerfestspiele, die zur gleichen Zeit wie Bayreuth stattfinden und ihr Jubiläum zum 100jährigen Bestehen feiern wollen, haben sich noch nicht geäußert. Dort hat man sich – noch – eine Entscheidungsfrist bis 30. Mai gegeben.

Stand: 01.04.2020, 12:25