Familie als Kraftquelle

05:51 Min. Verfügbar bis 30.06.2023

Familie als Kraftquelle

Stand: 30.06.2022, 09:02 Uhr

Ein Unfall, ein Schicksal - Momente, die aus Alltag Chaos werden lassen. Gleichzeitig sind das Momente, in denen „Familie“ plötzlich an Bedeutung gewinnt.

Von Elisabeth Konstantinidis

Genau das haben Myriam Blum und ihre Familie erlebt. Vor fünf Jahren verunglückt ihr 16-jähriger Sohn Justin bei einem schweren Motorradunfall. Ein Moment, der die Familie auf eine harte Probe stellt. Was Myriam Blum seitdem weiß - Familie ist mehr als nur ein Wort.

WDR: Frau Blum, was bedeutet Familie für sie? 

Myriam Blum

Myriam Blum und ihre Familie halten zusammen.

Myriam Blum: Es gibt so viele Wörter, die Familie umschreiben. Glück, Vertrauen, Kraft, Mut, Team, Liebe, Herz. Es sind Worte, deren Bedeutung ich gerade in den vergangenen Jahren noch intensiver erfahren habe. Vor allem die Kraft, die von einer Familie ausgeht. Eine starke Familie ist fähig, alles zu meistern. Das habe ich gelernt.

WDR: Am 27.09.2016 ist ihr 16 jähriger Sohn bei einem Motorradunfall verunglückt. Schnell stand fest - er ist querschnittsgelähmt. Wie haben Sie diesen Moment erlebt? 

Blum: In dem Moment habe ich nur gedacht, hoffentlich stehen wir das durch. Hoffentlich bleibt alles also abgesehen jetzt von dem Unfall, aber bleiben wir als Familie stark, bleiben zusammen. Es nimmt keiner weiteren Schaden, dass irgendjemand vielleicht so da drunter leidet, dass er das überhaupt nicht mehr verkraften kann, dass so ein schrecklicher Unfall jetzt passiert ist.

Unfallort

Ein Motorradunfall veränderte das Leben von Sohn Justin.

Man macht sich einfach ganz viele Sorge um sein Familienleben, um sich selber in dem Moment eigentlich nicht, weil man weiß ja okay, ich bin stark, ich weiß, was ich fühle, aber man weiß ja nicht, wie fühlt sich das zweite Kind, wie fühlen sich Angehörige. 

WDR: Wie haben sie Familie in dieser Zeit erlebt? 

Blum: Nach dem ersten Schock hat sich jeder intuitiv seinen Platz gesucht. Jeder hatte eine Aufgabe, jeder hat den anderen unterstützt. Egal auf welche Art und Weise. Gemeinsam haben wir versucht, das Rad am Laufen zu halten. Für Justin, für uns. 

Ein Familienfoto

Die Familie ist durch den Unfall stärker zusammengewachsen.

In dieser Zeit habe ich gelernt, dass ich mich auf meine Familie verlassen kann, wenn es darauf ankommt. Und da meine ich jetzt nicht nur den engsten Familienkreis, sondern Familie. Familie sind Onkel, Tanten, Bruder, Schwägerin, Oma, Opa. Jeder in einer Familie hat ja eine Rolle und die gut auszufüllen, das ist Familie.

WDR: Gab es Momente in denen Sie gezweifelt haben ?

Blum: Natürlich. Es war eine Zeit, die einen als Familie mehr als alles andere gefordert hat, und ich kann auch verstehen, wenn Familien durch solche Situationen auseinanderbrechen. Es ist ein Balanceakt. Ein Kampf, den man nur gewinnen kann, wenn man sich auch mal zurücknimmt. Was uns in dieser Zeit besonders geholfen hat, war uns nicht unter Druck zu setzen. Traurigkeit, Glück - alles zuzulassen. Jedem den Raum geben, den man braucht. Nur dann haben alle genug Kraft, gemeinsam füreinander da zu sein.

WDR: Wie geht es Justin, wie geht es Ihnen heute ? 

Myriam Blum und ihr Sohn Justin im Garten

Justin hat sein Abitur gemacht und studiert heute.

Blum: Wir haben als Familie wieder zurück ins Leben gefunden. Justin hat sein Abitur gemacht, studiert heute. Unser Familienleben ist zum Alltag zurückgekehrt. Was sich jedoch verändert hat - unser Zusammenhalt ist enger, vertrauter. Wir wissen, wie stark wir sein können, das gibt Kraft für alles, was noch kommen mag. Ein schönes Gefühl.

Das Interview führte Elisabeth Konstantinidis.