Geständnisse im Prozess um Missbrauch in Lügde

Der Hauptbeschuldigte im Lügde-Prozess

Geständnisse im Prozess um Missbrauch in Lügde

  • Drei Angeklagte geständig
  • Andreas V. will sich nicht weiter äußern
  • Zeugenvernehmungen ab Freitag

Im Prozess um den Missbrauchsskandal von Lügde haben die drei Angeklagten zum Prozessauftakt am Donnerstag (27.06.2019) Geständnisse abgelegt. Die Angeklagten Andreas V. und Mario S. räumten die ihnen zur Last gelegten Missbrauchstaten mit wenigen Ausnahmen ein.

Andreas V. will sich aber nicht weiter zu den Vorwürfen äußern. Er ist des schweren sexuellen Missbrauchs angeklagt. Vorausgegangen war ein Rechtsgespräch der Anwälte mit dem Gericht.

Der Anwalt des Angeklagten Heiko V.

Der dritte Angeklagte Heiko V. hat ebenfalls gestanden. Er gab die Erklärung jedoch unter Ausschluss der Öffentlichkeit ab.

Angeklagte verstecken sich hinter Aktenordnern

Der Prozess hatte am Donnerstag vor dem Landgericht Detmold begonnen. Während sich Andreas V. und Heiko V. Aktenordner vor das Gesicht hielten und Andreas V. einen Kapuzenpulli tief ins Gesicht gezogen hatte, betrat Mario S. sichtlich ungerührt im schwarzen T-Shirt den Gerichtssaal.

Anklageverlesung unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Richterin Anke Grudda im Lügde-Prozess

Richterin Anke Grudda beim Prozessauftakt

Richterin Anke Grudda eröffnete die Verhandlung mit der Feststellung der Personalien und einer persönlichen Aussage: "Die Taten sind abscheulich und erschreckend (...) Schon die Anzahl der Opfer macht einen fassungslos." Trotzdem gelte für die Angeklagten das Grundprinzip der Unschuldsvermutung. Anschließend gab Grudda einem Antrag der Nebenkläger statt: Von der Verlesung der rund 80 Seiten starken Anklage wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Die Gefahr, dass zu viele Informationen über die Opfer bekannt würden, sei zu groß, so das Gericht.

Geständnisse könnten Kindern Aussage ersparen

Ob wegen der Geständnisse den Geschädigten möglicherweise eine Aussage erspart bleibt, darüber muss noch das Gericht im Rahmen der Beweisaufnahme entscheiden. Bisher ist es vorgesehen, dass die Befragungen am Freitag (28.06.2019), dem zweiten Verhandlungstag, beginnen. Vier Zeugen, darunter zwei Opfer, sollen dann vor Gericht aussagen. Insgesamt sind es 53 Zeugen.

Kinder sind Zeugen und Nebenkläger

Anwalt Peter Wüller ist einer von 19 Anwälten der Nebenkläger. Er vertritt zwei Kinder im Alter von fünf und sechs Jahren: "Die Kinder werden psychologisch betreut. Wir versuchen, sie ganz behutsam dahin zu bringen, dass sie aussagen müssen."

Prozessauftakt im Fall Lügde WDR aktuell 27.06.2019 Verfügbar bis 30.12.2099 WDR Von Thorsten Knape

Stand: 27.06.2019, 12:29