Zu sehen ist ein Balkon mit Pflanzen. Am Balkon befestigt ist eine Solaranlage.

Solaranlage am Balkon: Den eigenen Strom in der Mietwohnung produzieren

Stand: 19.10.2022, 06:00 Uhr

Hohe Stromkosten lassen sich mit eigenen Solaranlagen senken. Das geht nicht nur für Hausbesitzer, sondern auch für Mieter, die einen Balkon haben. Fragen und Antworten, für wen sich das lohnt.

Von Nico Rau

Strom ist teuer wie noch nie. Deshalb setzen viele Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer mit Photovoltaik-Modulen auf kostenlosen Sonnenstrom. Doch auch wer nicht im eigenen Haus wohnt, hat dazu die Möglichkeit: mit Stecker-Solaranlagen für den Balkon.

Wie funktioniert eine Solaranlage für den Balkon?

Die Solarmodule sind im Set erhältlich. Mitgeliefert werden ein bis maximal zwei Module, eine Haltevorrichtung und der Wechselrichter. Die Anlage lässt sich mit ein paar Handgriffen am Balkon oder der Hauswand anbringen. Ein Modul reicht in der Regel aus. Es ist etwa einen Meter mal 1,70 Meter groß. Der Wechselrichter wandelt den Gleichstrom vom Solarmodul in Wechselstrom für das Stromnetz um. Per Kabel und Stecker wird die Anlage dann einfach an eine Steckdose angeschlossen und der Strom ins Hausnetz eingespeist. Die Haushaltsgeräte verbrauchen dann zuerst den kostenlosen Sonnenstrom. Reicht der nicht mehr aus, wird der Strom wieder regulär über den Stromanbieter bezogen.

Geht das auf jedem Balkon?

Entscheidend ist die Ausrichtung. Der Balkon sollte im Idealfall Richtung Süden zeigen und nicht durch Bäume verschattet werden. Auch Ausrichtungen nach Süd-Ost und Süd-West funktionieren. Wer sich unsicher ist: Für Smartphones gibt es Kompass-Apps, die die Himmelsrichtung anzeigen.

Praktisch ist der kostenlose Stecker-Solar-Simulator, den die Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin entwickelt hat. Online lässt sich damit ganz einfach berechnen, ob sich eine Solaranlage auf dem eigenen Balkon lohnt:

Wie viel Strom produziert eine Stecker-Solaranlage?

Geschätzt deckt so eine Anlage zwischen 10 und 15 Prozent des jährlichen Gesamt-Strombedarfs eines 2-Personen-Haushalts ab. Das ist in etwa so viel, wie zwei Haushaltsgeräte - zum Beispiel Spülmaschine und Waschmaschine - verbrauchen.

Muss ich den Vermieter fragen?

Ja, aber da sich die Solarmodule einfach entfernen lassen, sollte nichts dagegen sprechen. Wohnungseigentümer müssen die Eigentümergemeinschaft des Hauses um Erlaubnis fragen.

Muss ich die Solaranlage anmelden?

Ja, und zwar bei der Bundesnetzagentur, dem örtlichen Netzbetreiber und der Hausverwaltung. Sollte noch ein alter Stromzähler vorhanden sein, wird der Netzbetreiber diesen gegen einen modernen Smart Meter austauschen. Alte Zähler mit mechanischer Drehschreibe könnten bei der Einspeisung rückwärts laufen und so den Stromverbrauch verfälschen. Der Austausch alter Zähler ist in den nächsten Jahren vom Gesetzgeber bereits vorgeschrieben. Der Netzbetreiber darf dafür keine Rechnung stellen, aber die Kosten über den jährlichen Messpreis abrechnen - maximal 20 Euro pro Jahr.

Was kostet eine Stecker-Solaranlage?

Die Sets kosten zwischen 400 und 1.000 Euro. Die hohe Nachfrage treibt die Preise und die Lieferzeiten verlängern sich. Oft müssen Kunden einen Monat oder länger auf ihre Bestellung warten. Ein Standardmodul produziert rund 300 Kilowattstunden Strom im Jahr. Bei einem Strompreis von 40 Cent pro Kilowattstunde entspricht das einem Gegenwert von 120 Euro. In etwa fünf bis zehn Jahren hat sich also die Anlage rentiert. Die Hersteller geben lange Garantien von bis zu 25 Jahren. Beim Kauf sollte man darauf achten, dass der Hersteller des Geräts den Sicherheitsstandard der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie einhält (DGS 0001:2019-10).

Gibt es Förderungen?

Manche Städte, Kommunen und Regionalverbände fördern Stecker-Solaranlagen mit bis zu 200 Euro. Die Förderung ist manchmal an Bedingungen geknüpft wie den Einsatz einer speziellen Einspeisesteckdose oder die Überprüfung durch einen Elektriker.

Über dieses Thema berichtete am 08.09.2022 auch "Profit" bei WDR5.

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