"Mr. Sportschau" Ernst Huberty gestorben

Stand: 25.04.2023, 10:55 Uhr

Der langjährige Hauptmoderator der ARD-Sportschau, Ernst Huberty, ist tot. Er starb im Alter von 96 Jahren, wie seine Familie dem WDR mitteilte.

Er war Sportmoderator aus Leidenschaft: Ernst Huberty war der Mann, der am 4. Juni 1961 in der ARD die erste "Sportschau" moderierte. Als renommierter Fußballkommentator und "Mr. Sportschau", wie ihn das Publikum liebevoll nannte, wird er in die Geschichte eingehen. Am Montag ist Huberty 96-jährig gestorben.

In den 1970er Jahren war die "Sportschau" Kult. Bis zu 15 Millionen Zuschauer schalteten jedes Mal ein. Das samstägliche Ritual für Millionen deutscher Nachwuchshoffnungen sah damals so aus: Erstens Fußballplatz. Zweitens "Sportschau". Drittens Badewanne.  

 

Unvergessen bleibt Ernst Huberty als Kommentator des Jahrhundertspiels Deutschland gegen Italien beim Weltmeisterschafts-Halbfinale 1970 in Mexiko, der legendären Wasserschlacht von Frankfurt bei der WM 1974 und der nicht minder geschichtsträchtigen Nacht von Belgrad beim Finale der Fußball-Europameisterschaft 1976.

Das Leben des "Mr. Sportschau" Ernst Huberty

Der langjährige Hauptmoderator der ARD-Sportschau, Ernst Huberty, ist am 24. April 2023 im Alter von 96 Jahren gestorben. Rückblick auf eine einzigartige Karriere.

Der langjährige Moderator der ARD-Sportschau, Ernst Huberty.

Der gebürtige Trierer wird Ende der 1950er Jahre von Werner Höfer zum WDR geholt.

Der gebürtige Trierer wird Ende der 1950er Jahre von Werner Höfer zum WDR geholt.

Am 4. Juni 1961 moderiert Ernst Huberty die erste "Sportschau"-Sendung.

Im Laufe der Jahrzehnte wird er mit seiner seriösen Berichterstattung zur Fernsehlegende.

Zusammen mit den Moderatoren Dieter Adler (li.) und Addi Furler (re.) prägt er die Sendung wie kein anderer.

Fußball-Größen wie Fritz Walter (li.) und Pierre Littbarksi (re.) sind gern gesehene Sportschau-Gäste.

"Ausgerechnet Schnellinger": Unvergessen sein Kommentar des Spiels Deutschland gegen Italien im Halbfinale der Fußball-WM 1970 in Mexiko.

Legendär auch das "Tor des Monats": Ernst Huberty und seine Kollegen müssen dafür viel Post auswerten.

Nach seiner Fernsehkarriere bildet Huberty Generationen von neuen Sportmoderatoren wie Reinhold Beckmann aus.

Er coacht auch Anne Will - die erste Frau, die 1999 die Sportschau moderiert.

Zeit seines Lebens geht Ernst Huberty gerne ins Stadion, hier in Köln.

"Als Sportreporter-Legende wird er uns allen ewig in Erinnerung bleiben", würdigt WDR-Intendant Tom Buhrow. 

Buhrow würdigt Huberty als Sportreporter-Legende

WDR-Intendant Tom Buhrow würdigte die Moderation von Huberty als "wohltuend unaufgeregt und mit großer Seriosität". Huberty bleibe allen auch als Sportreporter-Legende "ewig in Erinnerung", so Buhrow.

Geboren wurde Ernst Huberty am 22. Februar 1927 in Trier. Nachdem er zunächst beim Südwestfunk in Baden-Baden als Sportreporter und Moderator gearbeitet hatte, kam er 1957 zum WDR, wo er Mitglied der Redaktion "Hier und Heute" wurde.

Drei Jahre später wechselte er zur Sportredaktion, moderierte von 1961 bis 1982 die "Sportschau“ und kommentierte Live-Spiele. 1970 übernahm er zudem die Leitung der Abteilung Sport im WDR. Später gab er sein Wissen an jüngere Kolleginnen und Kollegen weiter; unter anderem coachte er Reinhold Beckmann und Monica Lierhaus.

Unglaubliche Begebenheit bei einem Coaching-Termin

Bis zum 87. Lebensjahr bildete er noch Moderatoren aus. Eine geradezu unglaubliche Begebenheit schilderte Oliver Welke in einer WDR-Hommage zu Hubertys Neunzigstem: "Ich hatte mal einen Coaching-Termin mit ihm, und er kam 'n kleinen Tick zu spät, was sehr ungewöhnlich ist, weil Ernst Huberty kommt immer superpünktlich. Mir fiel auf, dass es auf einmal ein bisschen nach Rauch roch in dem Zimmer. Und dann sagte er in seiner formvollendeten Art, er müsse sich entschuldigen, er würde ein bisschen nach Rauch riechen, sein Haus sei gestern abgebrannt."

Zusammen mit seiner Frau Inge hatte er sich gerade noch retten können. Aber das war natürlich kein Grund für ihn, den Termin abzusagen. 

Über dieses Thema berichten wir auch am 24. und 25. April im Radio und im WDR Fernsehen.

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