NRW-Familienministerin fordert Recht auf Stillen in der Öffentlichkeit

Stand: 17.09.2022, 12:31 Uhr

Ein bundesweites Recht auf Stillen in der Öffentlichkeit - dafür wirbt NRWs Familienministerin Josefine Paul. Zuletzt hatte es in NRW mehrere Fälle gegeben, in denen stillende Mütter unerwünscht waren.

In einem Essener Hallenbad wird eine Mutter beschimpft, weil sie ihr Kind stillt. In Oberhausen wird eine Frau aus einem Geschäft geworfen. In Mönchengladbach untersagt der Hausverwalter während einer Eigentümerversammlung einer Mutter das Stillen ihres Kindes. Alles Fälle aus den vergangenen Monaten. Dass das legal ist, liegt am Hausrecht. Das will NRWs Familienministerin Paul (Grüne) angehen.

Es gehöre zu einer kinder- und familienfreundlichen Gesellschaft, "dass es Müttern möglich sein muss, in der Öffentlichkeit ihre Kinder zu stillen", sagte Paul am Donnerstag in Düsseldorf. Eine gesetzliche Klarstellung würde den Müttern den Rücken stärken. So würde deutlich, dass das Stillen von Kindern ein Grundrecht und gesellschaftlich erwünscht sei.

Gutachten: Hausrecht bricht Recht auf Stillen

Ein Gutachten des Bundestags aus dem Jahr 2016 stellt klar: Stillen in der Öffentlichkeit ist grundsätzlich zulässig. Allerdings kann zum Beispiel ein Gastwirt sein Hausrecht ausüben und ohne Verstoß gegen das Diskriminierungsverbot das Stillen untersagen bzw. der Mutter den Zugang zu seiner Wirtschaft untersagen, solange es noch keinen "Bewirtungsvertrag" gibt, also noch keine Bestellung aufgenommen wurde.

Paul fordert den Bund dazu auf, das gesetzlich zu ändern - und bekommt dabei Unterstützung aus der Opposition in NRW. Die stellvertretende SPD-Fraktionschefin Kapteinat wird dabei konkreter und fordert in der Rheinischen Post, das Antidiskriminierungsgesetz zu erweitern und dort das Stillen als Rechtsanspruch zu verankern.

Viele Mütter machen schlechte Erfahrungen beim Stillen

Dass Stillen in der Öffentlichkeit offenbar immer noch nicht selbstverständlich ist, zeigt eine Umfrage des Babyartikelherstellers "MAM" aus diesem Jahr unter 1.900 Müttern in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Demnach haben über 67 Prozent der Befragten negative Erfahrungen mit Stillen in der Öffentlichkeit gemacht, 39 Prozent ist es unangenehm.

"Wenn es in unserer Gesellschaft das Normalste von der Welt wäre, dann würde sich kein Mensch darüber aufregen, weil man es in seinem gesamten Umfeld dauernd sieht und kennt. Dann wäre es wirklich so normal, als wenn ich im Restaurant sitze und mit dem Löffel meine Suppe esse." Barbara Blomeier, Vorsitzende Hebammenverband NRW

Der Hebammenverband NRW findet gegenüber der dpa den Vorstoß Pauls daher "super" und zeigt sich "schwer begeistert". Die Stillquote in Deutschland sei mit 82 Prozent bei der Geburt gering, Wissenschaftler würden die Rahmenbedingungen für stillende Frauen in Deutschland nur als "moderat" bewerten. Stillen in der Öffentlichkeit solle aber normal sein, so der Hebammenverband.

Weitere Themen