Fußbälle aus der Bundesliga auf einem Trainingsplatz

NRW: Meldestelle für Diskriminierung im Fußball startet

Stand: 01.07.2022, 14:40 Uhr

Wer beim Fußball Rassismus oder Queerfeindlichkeit erlebt, kann das jetzt melden. Eine vom Land geförderte Meldestelle hat ihre Arbeit aufgenommen.

Von Benjamin Sartory

Grölende Fans am Rande des Spielfeldes oder auf der Tribüne. Plötzlich ertönen zwischen den Fangesängen lautstarke Beleidigungen. Wer so was erlebt - als Spieler oder Zuschauer - kann sich nun an die neue Meldestelle für Diskriminierung im Fußball der Landesarbeitsgemeinschaft Fanprojekte NRW wenden. Sie wird vom Land gefördert und wird dringend gebraucht, sagt David Berchem. "Diskriminierung findet alltäglich statt im Fußball". Er ist an der Ruhr-Universität Bochum (RUB) für die wissenschaftliche Begleitung des Projektes zuständig.

Kaum Daten zu Diskriminierung im Fußball

Dass es zum Beispiel rassistische, sexistische oder auch behindertenfeindliche Beleidigungen im Fußball gibt, steht außer Frage. "Diskriminierungen sind mit Sicherheit allgegenwärtig", sagt zum Beispiel auch Roland Leroi, Sprecher des Westdeutschen Fußballverbandes (WDFV). Denn Fußball sei schließlich Teil der Gesellschaft und bilde diese in allen ihren Facetten. Allerdings sei Diskriminierung auf dem Fußballplatz bisher kaum erfasst worden.

Es gibt zwar seit Anfang 2020 beim WDFV eine "Anlaufstelle für Gewalt-, Diskriminierungs- und Extremismusvorfälle", doch weil es wegen Corona seitdem viele Spielpausen gab, ist die Zahl der Eingaben bisher überschaubar.

Die Anlaufstelle wertet zwar auch Spielberichte der Schiedsrichter aus. Die erfassen aber oft eher Gewalt beim Spiel, diskriminierende Äußerungen von Zuschauern kriegt der Unparteiische im Zweifel gar nicht mit.

Homophobie im Fußball

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Vereine sollen bei Diskriminierung beraten werden

Die neue Meldestelle von den Fanprojekten und der RUB befasst sich ausschließlich mit diskriminierenden Äußerungen. Auf der dazu eingerichteten Internetseite können Betroffene ihre Beobachtungen melden, ganz egal ob im Profi- oder Amateurfußball.

"Dieses Wissen packen wir dann nicht nur in irgendwelche Publikationen", erklärt David Berchem. Ziel sei es, Beratungsangebote für Vereine zu entwickeln. "Wir wollen tiefer rein, auch in die Amateurbereiche", so Berchem.

Bewusstsein schaffen durch Informationen

Auf der Internetseite der Meldestelle gibt es außerdem Infos zu verschiedenen Arten von Diskriminierungen. Neun Begriffe werden dort erklärt, darunter Rassismus, Antisemitismus, Sexismus und Queerfeindlichkeit. Denn es geht bei dem Angebot auch darum, überhaupt ein Problembewusstsein für Diskriminierung im Fußball zu schaffen.

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"Manchmal läuft das total unter dem Wahrnehmungsradar", sagt David Berchem. Aber Diskriminierungen dürften auch im Fußball nicht bagatellisiert werden.