Lügde-U-Ausschuss: Fragen zu verschwundenem Koffer

Ein Polizeiauto steht vor einem abgesperrten Wohnwagen auf dem Campingplatz Eichwald in Lügde

Lügde-U-Ausschuss: Fragen zu verschwundenem Koffer

Von Arne Hell und Marc Steinhäuser

Im Lügde-Untersuchungsausschuss rückt der verschwundene Koffer in den Fokus. Nach Recherchen von WDR und NDR gab es weitere Fehler und Ungereimtheiten am Anfang der Ermittlungen.

Wie konnten bei den Ermittlungen zum Kindesmissbrauch in Lügde Beweismittel verschwinden? Diese Frage ist bis heute ungeklärt. Die Abgeordneten im Untersuchungsausschuss des Landtags in Düsseldorf wollen heute mehr Licht ins Dunkel bringen. Sie haben Beamte der Kriminalpolizei in Lippe als Zeugen geladen. Aus deren Gebäude in Detmold waren ein Koffer und eine Mappe mit mehr als 150 DVDs in der Anfangsphase der Ermittlungen verschwunden.

Interne Dokumente zeigen Ungereimtheiten

Wie groß das Ausmaß der Fehler und Ungereimtheiten damals war, zeigen interne Dokumente der Kreispolizeibehörde Lippe und Berichte des Innenministeriums aus dem vergangenen Jahr, die WDR und NDR einsehen konnten. So soll es im Gebäude der Kripo in Detmold erst fast zwei Monate nach der ersten Durchsuchung einen geeigneten Raum gegeben haben, um die vielen Beweisstücke überhaupt vernünftig zu lagern. Außerdem hatten Ermittler des Innenministeriums Zweifel, ob Beamte, die direkt mit dem Koffer zu tun hatten, immer die Wahrheit sagten.

Gefunden wurden der Koffer und die Mappe bei der ersten Durchsuchung bei Andreas V. in Lügde Anfang Dezember 2018. Bemerkenswert: Der Koffer befand sich nicht in dessen Behausung auf dem Campingplatz, sondern in einer angemieteten Wohnung im Ort. Dort hatte Andreas V. offensichtlich nie gewohnt. In der fast leeren Wohnung wurden neben dem DVD-Koffer noch eine Kamera, ein Stativ und eine Gasflasche mit möglichen Betäubungsmitteln gefunden – ein Setting, das Ermittler damals spontan an die Produktion von kinderpornographischem Material denken ließ.

Einige Tage später bekam bei der Polizei in Detmold ein junger Mann, ein Kommissaranwärter in Ausbildung, den Koffer anvertraut, zusammen mit der Mappe. Er sollte die insgesamt mehr als 150 DVDs sichten, also feststellen, ob dort Bilder oder Videos gespeichert waren, die sich erfahrene Beamte danach hätten anschauen sollen. Aufbewahrt wurde beides danach offenbar nicht wie vorgeschrieben im Asservatenraum, sondern einfach in dem Büro, in dem gesichtet worden war.

Dort soll den Koffer etwas später eine Mitarbeiterin bemerkt haben. Es ist das letzte Mal, dass er laut den Unterlagen gesehen wurde. Erst gut 40 Tage später fiel auf, dass er weg war, Ende Januar 2019. Danach begann in Detmold eine hektische Suche, auch die Mülltonnen auf dem Gelände und die Einsatzfahrzeuge sollen durchforstet worden sein. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) machte den Verlust der Asservate öffentlich und schickte Sonderermittler des LKA nach Lippe, die "keinen Stein auf dem anderen" lassen sollten.

Stand: 21.08.2020, 06:00