2021: Ein (kleiner) Schritt Richtung Kohleausstieg

Symbolbild Kohleausstieg: Kohlekraftwerke im Sonnenaufgang

2021: Ein (kleiner) Schritt Richtung Kohleausstieg

Spätestens im Jahr 2038 soll in Deutschland der letzte Kohlestrom erzeugt werden. Mehrere Kraftwerke stellen 2021 die Produktion ein - auch in NRW. Doch Umweltschützer sagen, die Meiler waren ohnehin nicht ausgelastet.

Der schrittweise Abschied vom Kohlestrom in Deutschland beginnt: 2021 stellen nach dem Fahrplan des Kohleausstiegsgesetzes die ersten Kraftwerke die Produktion ein.

Bei der besonders klimaschädlichen Braunkohle ist zunächst nur ein kleiner Kraftwerksblock dabei. Schneller erfolgt der Einstieg in den Ausstieg bei der Steinkohle, denn bundesweit sechs leistungsstarke Kraftwerksblöcke (darunter vier größere in NRW) werden heruntergefahren - insgesamt 4,7 Gigawatt. Die Betreiber der Steinkohlekraftwerke hatten bei einer Auktion der Bundesnetzagentur den Zuschlag für die Stilllegung erhalten - und kassieren Entschädigungen.

Nur eine Braunkohleanlage wird stillgelegt

Kraftwerk Niederaußem

Kraftwerk Niederaußem

Die einzige Braunkohleanlage, die in der ersten Stilllegungsrunde dabei ist, steht im Rheinischen Revier. Der Block D des RWE-Braunkohlekraftwerks Niederaußem ist schon seit 1968 im Betrieb. Die letzte Kilowattstunde Strom hat der 300-Megawatt-Block bereits am 18. Dezember produziert.

Für die Abschaltung von Braunkohlekraftwerken und die Schließung der Tagebaue gibt es feste Entschädigungen, die ohne Auktionen verteilt werden. RWE erhält insgesamt 2,6 Milliarden Euro, für die ostdeutsche Leag sind 1,75 Milliarden Euro vorgesehen.

Ab Juli Verbot, Kohle zu verfeuern

Zum 31. Dezember 2020 stellen die Steinkohlekraftwerke Walsum 9 in Duisburg, Ibbenbüren im Kreis Steinfurt, Westfalen in Hamm und Heyden im Kreis Minden-Lübbecke den Stromverkauf ein. Das ist aber keine sofortige Stilllegung. Erst ab Juli 2021 gilt für die Anlagen dann ein Verbot, Kohle zu verfeuern, wie das NRW-Wirtschaftsministerium auf Anfrage bestätigte.

Außerdem prüfen die Übertragungsnetzbetreiber und die Bundesnetzagentur, ob die Kraftwerke für die Stabilität des deutschen Stromnetzes systemrelevant sind. Ist das der Fall, müssen sie für kritische Situationen in Bereitschaft bleiben.

Die Karte zeigt, dass zahlreiche Kohlekraftwerke in NRW weiter in Betrieb bleiben:

Kohlekraftwerke in NRW

Die Meinungen darüber, wie bedeutsam der Ausstiegsschritt 2021 ist, gehen deshalb auch auseinander. Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) sieht NRW in einer Vorreiterrolle. Und mit dem Kohleausstieg werde gleichzeitig etwa die Windenergie ausgebaut. 2020 seien 79 Windräder mit einer Leistung von 268 Megawatt in NRW gebaut worden.

Kritik: Kraftwerke waren kaum ausgelastet

Skeptischer bewertet Patrick Graichen, Direktor des Energie-Thinktanks Agora Energiewende, die Abschaltungen. Die fünf Gigawatt sähen "zunächst nach viel aus". Der Klimaeffekt werde aber überschaubar sein, "denn viele der Kraftwerke waren zuletzt gar nicht mehr oft in Betrieb". Allein RWE enthält eine Entschädigung für seine Steinkohlekraftwerke in Ibbenbüren und Hamm von 216 Millionen Euro.

Dirk Jansen vom Umweltverband BUND sagt: "Die jetzt jetzt gegen Entschädigung zur Abschaltung vorgesehenen Steinkohlemeiler waren in den letzten Jahren wegen der massiven Überkapazitäten am Markt kaum noch ausgelastet."

Stand: 31.12.2020, 06:00