Mehr Sprengungen von Geldautomaten: Jetzt soll eine Soko helfen

Stand: 04.05.2022, 13:51 Uhr

Die Zahl der Geldautomatensprengungen nimmt in NRW zu. Das Land ruft deshalb nun eine Sonderkommission ins Leben. Die SPD kritisiert "Aktionismus" vor der Wahl.

Von Christian Wolf

Seit Jahren gibt es in NRW massive Probleme mit Kriminellen, die nachts Geldautomaten sprengen, um sich dann das Bargeld zu erbeuten. Der finanzielle Verlust für die Banken ist dabei eine Sache. Oftmals kommt es durch die Sprengungen aber auch zu großen Zerstörungen. Anwohner im direkten Umfeld der Automaten sorgen sich, dass auch sie getroffen werden können.

Fünfköpfige Sonderkommission soll helfen

Das Land will nun versuchen, mehr Täter zu erwischen und Sprengungen schon im Vorfeld zu verhindern. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) präsentierte dafür am Mittwoch - wenige Tage vor der Landtagswahl - eine bereits im April gegründete Sonderkommission seines Hauses. Die fünf Mitglieder würden sich anschauen, was bislang von Seiten der Polizei getan werde und gegebenenfalls neue Vorschläge für die Ermittlungsarbeit machen.

Mehr Fälle, andere Sprengungen

Als Grund, weshalb die Sonderkommission nun ins Leben gerufen wurde, obwohl das Problem bereits seit Jahren besteht, sagte Reul, dass es sich um ein Phänomen handele, "dass uns seit Jahresanfang Wort wörtlich um die Ohren fliegt". Bislang habe es 2022 bereits 73 Sprengungen gegeben, während es im vergangenen Jahr insgesamt 152 gewesen wären. Auch die Brutalität der Täter habe zugenommen. Statt Gas werde für die Sprengungen inzwischen Sprengstoff genutzt. Die Folge: Die Zerstörung sei größer.

Laut Reul gab es bereits Ende Februar ein Treffen mit Vertretern der Banken. Ein Ergebnis sei gewesen, dass für jeden der 11.000 Geldautomaten in NRW eine "Risikoanalyse" erstellt werde. Damit solle geklärt werden, welche Automaten stehen bleiben, nachgerüstet oder abgebaut werden sollten.

Herbert Reul gestikuliert beim Reden

NRW-Innenminister Herbert Reul

Eine erste Erkenntnis der Sonderkommission präsentierte Reul am Mittwoch: Nach Automatensprengungen sollen künftig nicht mehr die einzelnen Polizeibehörden vor Ort die Tatortarbeit erledigen, sondern Behörden, die auch über Spezialisten für Spurensicherung verfügen. Zudem soll es "mehr internationale Zusammenarbeit" geben. Denn: Oftmals handelt es um Täterbanden aus den Niederlanden.

SPD beklagt "kurzfristigen Aktionismus"

Aus den Reihen der Opposition kam am Mittwoch Kritik auf. SPD-Fraktionsvize Sven Wolf merkte an, dass es schon "seit längerer Zeit" eine "deutliche Verschärfung" der Lage gebe. "Doch Minister Reul hat bei den Machenschaften krimineller Banden bislang weggeschaut. Nun möchte er wenige Tage vor der Landtagswahl prüfen, wie man mit einem Problem umgehen soll, das seit langem bekannt ist." Wolf sprach von "kurzfristigem Aktionismus". Es reiche nicht, "wenn der Innenminister wenige Tage kurz vor Ende der Legislaturperiode plötzlich ein Polizeikonzept ankündigt."

Dazu, dass die Vorstellung der Sonderkommission so kurz vor der Landtagswahl erfolgte, sagte Reul: "Kann ich nicht ändern. Es tut mir leid. Alle, die mich kennen, fünf Jahre gesehen haben: Ich habe nie aufgehört zu arbeiten und tue ich auch jetzt nicht." Schon in den vergangenen Wochen fiel auf, dass der Innenminister auffällig viele Pressetermine im Vorfeld der Landtagswahl ansetzte.

Über dieses Thema berichten wir heute im Westblick auf WDR 5 ab 17.05 Uhr.

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