Warum Pflicht-Tests nach hinten losgehen

Ein Schild am Frankfurter Flughafen weist auf das Corona-Testzentrum hin.

Warum Pflicht-Tests nach hinten losgehen

Von Stefan Lauscher

Verpflichtende Corona-Tests? Wer verhindern will, dass das Virus massenweise eingeschleppt wird, der erreicht mit freiwilligen und kostenlosen Tests mehr, meint Stefan Lauscher in seinem Kommentar.

Sie haben ja Recht. Natürlich haben sie alle Recht. Die Söders, die Laumanns, die Lindners. Am besten wäre es: Jeder, der nach dem Urlaub aus einem Risikogebiet wieder einreist, wird automatisch auf Corona getestet. Verpflichtend!

Und klar: Warum denn kostenlos? Auf den Punkt gebracht: Wer meint, es sich leisten zu können, trotz Corona-Zeiten Urlaub in Risikoländern wie Ägypten, Marokko oder der Türkei zu machen, der soll die Tests gefälligst auch selbst bezahlen müssen.

Spahn will Testpflicht "prüfen"

Ja, das sehe ich im Grunde auch so. Und trotzdem habe ich erhebliche Zweifel, ob das am Ende auch so einfach sein wird wie es klingt. Minister Spahn hat jetzt angekündigt, eine Testpflicht rechtlich prüfen zu lassen. Das wird auch nötig sein. Denn schon das Wort "prüfen" ist ein ziemlich zuverlässiger Hinweis darauf, dass das rechtlich (und auch praktisch) so einfach eben nicht ist.

Stefan Lauscher

Stefan Lauscher kommentiert

Punkt 1: Eine Testpflicht mit Rachenabstrich ist ein Eingriff in die Grundrechte jedes Einzelnen. Ein tieferer Eingriff jedenfalls als eine 14-tägige Quarantänepflicht. Kann man trotzdem versuchen, natürlich. Aber nichts wäre peinlicher als eine mit Schmackes angekündigte Testpflicht, die eine Woche später von den Gerichten wieder gekippt wird.

"Das Geld spar ich mir, wird schon gut gehen."

Noch unschöner - Punkt 2 - wäre es, wenn eine Pflicht, die Tests selbst zu bezahlen, dazu führen würde, dass viele Urlaubsrückkehrer sich schlicht darum drücken. So nach dem Motto: Das Geld spar ich mir, es wird schon gut gehen. Und wer will das am Ende denn nachprüfen?

Das Verursacherprinzip in Ehren: Aber eine Test- und Bezahlpflicht birgt auch das Risiko, dass viele sie umgehen werden und viele Corona-Infektionen somit unentdeckt eingeschleppt werden. Das ist das Gegenteil von dem, was eigentlich erreicht werden soll. Solange Tests kostenlos sind (so wie es die Gesundheitsminister am Freitag beschlossen haben) darf man zumindest die Hoffnung haben, dass möglichst viele mitmachen.

Wollen wir eine Corona-Polizei?

Und dann noch das, Punkt 3: Wer einen Pflicht-Test will, der kann das nur glaubhaft durchsetzen, wenn er die Einhaltung dann auch kontrolliert. Wollen wir wirklich eine Corona-Polizei, die täglich tausende Bahn- und Flugpassagierlisten durchfilzt? Und bei der Einreise mit dem Auto an der Grenze peinliche Befragungen anstellt, wo man denn nun wirklich im Urlaub war? Oder sollen das die ohnehin überlasteten Gesundheitsämter auch noch zusätzlich stemmen?

Mein Fazit: Test- und Bezahlpflicht, ja das klingt erstmal gut fürs Bauchgefühl - und garantiert den Applaus an den Stammtischen. Aber wer wirksam verhindern will, dass das Virus wieder massenweise eingeschleppt wird, der erreicht mit freiwilligen und kostenlosen Tests wahrscheinlich mehr.

Stand: 27.07.2020, 16:24

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