Lieferstopp von Johnson & Johnson: Was das für die Impfstrategie bedeutet

Lieferstopp von Johnson & Johnson: Was das für die Impfstrategie bedeutet

Von Sabine Meuter

Impfen und testen – auf diese Strategie setzt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), um das Coronavirus Schachmatt zu setzen. Doch es hakt immer wieder gewaltig - besonders beim Impfen.

Es ist noch gar nicht lange her, da überwog landauf, landab die Zuversicht: Weil endlich Impfstoffe gegen das Coronavirus für wirkungsvoll befunden und zugelassen wurden, glaubten viele, dass es mit der Pandemie und den damit verbundenen Einschränkungen im Alltag auf kurz oder lang vorbei sei. Doch auf die Zuversicht ist inzwischen Ernüchterung gefolgt: Ganz so einfach läuft es nun doch nicht, das Coronavirus aus unserem Alltag zu verbannen.

Hannover: Ein Schild mit einem Pfeil weist den Weg zum Impfzentrum auf dem Messegelände

Die Zahl der Neuinfektionen steigt und steigt, die Intensivstationen in den Krankenhäusern geraten gefährlich nahe an den Rand ihrer Kapazitäten. "Wir müssen sagen, dass diese dritte Welle für uns vielleicht die härteste ist", hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erst vor wenigen Tagen kundgetan. Als Wellenbrecher sieht Merkel das Impfen. Und das Testen helfe dabei, eine Brücke zu bauen, bis das Impfen wirkt. Schöne Worte - theoretisch. Praktisch knirscht es im Getriebe. Und zwar gewaltig.

Johnson & Johnson stoppt Auslieferung seines Corona-Impfstoffs an die EU-Staaten

Eine "Johnson & Johnson"-Injektionsflasche mit Impfspritzen auf einer EU-Fahne

Immer wieder droht Deutschlands Impfstrategie zu scheitern. Die letzte Hiobsnachricht: Am Dienstag hatte der US-Hersteller Johnson & Johnson die Auslieferung seines Impfstoffes an die EU-Staaten - und damit auch an Deutschland - verschoben. Der Grund: Ähnlich wie schon beim Impfstoff von Astrazeneca sind auch bei Johnson & Johnson seltene Sinusvenenthrombosen aufgetreten. Der Konzern untersucht die Fälle, ebenso die Europäische Arzneimittelbehörde EMA. Wann die Lieferungen wieder aufgenommen werden? Unklar.

Johnson & Johnson sollte im zweiten Quartal 55 Millionen Dosen liefern, davon zehn Millionen Dosen für Deutschland. Und nun? Im ständigen Auf und Ab in Sachen Impfen gab es am Mittwoch aber auch eine positive Nachricht: Die Hersteller Biontech und Pfizer wollen bis Ende Juni zusätzlich 50 Millionen Dosen Corona-Impfstoff an Deutschland und die übrigen EU-Staaten liefern.

Deutschland bekommt gut neun Millionen Impfdosen zusätzlich von Biontech und Pfizer

Laut EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen wird die zusätzliche Lieferung nach Bevölkerungsanteil auf die 27 EU-Staaten verteilt. Dieser liegt für Deutschland bei 18,6 Prozent. Von der zusätzlichen Lieferung kann die Bundesrepublik also rechnerisch gut neun Millionen Dosen erwarten.

Kann dies mögliche Ausfälle beim Impfstoff von Johnson & Johnson zum Teil wettmachen? Vielleicht. Aber ein Vakuum bleibt. Und bei vielen auch ein Gefühl der Unsicherheit. Geht die Impfstrategie nun auf oder nicht?

Es ist ja nicht das erste Mal, dass sie zu scheitern drohte. Noch gar nicht lange her ist das Hickhack um den Impfstoff von Astrazeneca. Zunächst wurde das Vakzin fleißig verabreicht. Doch dann gab es immer wieder Meldungen von seltenen schwerwiegenden Thrombosen. Impfungen mit Astrazeneca wurden kurzzeitig ausgesetzt, dann wieder zugelassen - nachdem hierfür die EMA grünes Licht gegeben hatte.

Stand: 14.04.2021, 20:53

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