Chanukka: Lichterfest im Krieg

Aktuelle Stunde 07.12.2023 UT Verfügbar bis 07.12.2025 WDR Von Susanna Zdrzalek

Chanukka: Das wird am jüdischen Lichterfest gefeiert

Stand: 07.12.2023, 17:29 Uhr

Seit Donnerstag feiern Juden und Jüdinnen auf der ganzen Welt das Lichterfest Chanukka. Acht Tage lang zünden sie je eine Kerze mehr an. Was genau wird aber an Chanukka gefeiert? Und wie wird das Fest begangen - auch in Kriegszeiten wie diesen?

Jeden Tag nach Einbruch der Dunkelheit entzünden Jüdinnen und Juden eine Kerze mehr an der Chanukkia, dem neunarmigen "Chanukka-Leuchter" - bis am Ende alle Lichter brennen. In diesem Jahr findet das Fest vom 7. bis zum 15. Dezember statt. Der Tradition nach stellt man den Leuchter ans Fenster und zeigt offen: Hier wird ein jüdisches Fest gefeiert. Damit erinnern die Feiernden an die Wiedereinweihung des Jerusalemer Tempels im zweiten Jahrhundert vor Christus.

Der jüdische Tempel in Jerusalem wurde mit Zeus-Altar entweiht

Die Altstadt von Jerusalem.

Vom Jerusalemer Tempel steht heute nur noch ein kleiner Teil - die sogenannte Klagemauer


Damals hielt das antike Griechenland Judäa besetzt und zwang der jüdischen Bevölkerung, die an einen Gott glaubt, die polytheistische Glaubensausübung auf. Juden und Jüdinnen sollten fortan die griechischen Götter anbeten, der Tempel in Jerusalem wurde mit einem Zeus-Altar entweiht. Nach einer Zeit der Unterdrückung tat sich eine Gruppe zum Aufstand zusammen - die so genannten Makkabäer.

Jüdischer Aufstand gegen die Griechen

Sie lehnten sich gegen die Griechen auf - mit Erfolg. Im Jahr 164 vor Christus eroberten sie den Tempel zurück und weihten ihn wieder. So heißt auch Chanukka aus dem Hebräischen übersetzt "Einweihung". Die Aufständischen entfernten die griechischen Götterstatuen und wollten daraufhin die siebenarmige Öllampe (hebr. Menora) zünden, die zum Inventar des allerheiligsten Teils im Tempel gehörte.

Warum Chanukka acht Tage lang gefeiert wird

Laut einer Erzählung im Talmud, der mündlichen Überlieferung des Judentums, war aber zum Zeitpunkt der Wiedereroberung nicht genug koscheres Öl für die Menora vorhanden. Die Griechen hatten bis auf einen kleinen Krug alles vernichtet. Das wenige Bisschen, das übrig geblieben war, hätte eigentlich nur für einen Tag gereicht. Wie durch ein Wunder, so die Erzählung, brannte der Leuchter aber ganze acht Tage lang. Deshalb wird Chanukka auch acht Tage lang gefeiert.

Alles steht im Zeichen der Freude und guten Laune

Krapfen und Leuchter

Sufganiot gehören zu den typischen Speisen an Chanukka

Die Chanukka-Geschichte steht nicht in der Bibel, Chanukka ist kein streng religiöses Fest. Gläubige und Nichtgläubige erfreuen sich daran gleichermaßen. Die Familie oder der Freundeskreis kommt zusammen, es gibt neben den Lichtern in Öl gebratenes Essen, z.B. Latkes (Kartoffelpuffer) oder Sufganiot (Berliner).

Beliebt ist auch das Spiel mit dem Sewiwon, einem Kreisel, auf dessen vier Seiten jeweils ein hebräischer Buchstabe steht. Zusammen genommen stehen sie als Abkürzung für folgenden Spruch: "Ein großes Wunder geschah hier." In der Diaspora wird einer der Buchstaben ersetzt und man liest: "Ein großes Wunder geschah dort". Auch gibt es viele fröhliche Chanukka-Lieder. Alles steht im Zeichen der Freunde und guten Laune.

Wie in Kriegszeiten feiern?

Aber wie kann man ein so fröhliches Fest in so schlimmen Zeiten überhaupt feiern? Die aktuelle politische Lage sei kein Grund, nicht zu feiern, meint Renate Wagner Redding, Vorsitzende der Braunschweiger Jüdischen Gemeinde. Im Gegenteil, man solle feiern: "Aus Trotz schon allein, weil es zur jüdischen Identität dazuzählt, dass man eben auch Chanukka feiert und sich nicht davon abhalten lässt", sagte sie dem NDR . Insgesamt sei die Stimmung aber gedämpfter als sonst.

Hebräischer Dreidel

Der Dreidel ist ein Chanukka-Kreisel

Auch WDR-Religionsjournalist Gerald Beyrodt ist jüdisch und feiert trotz des Kriegs Chanukka. Dass am 07. Oktober, also vor genau zwei Monaten, der Krieg ausgebrochen ist, beeinflusse das Fest sehr, sagt er. "Bring them home now" – "Bringt sie jetzt nach Hause" stehe etwa auf Chanukka-Kreiseln, anstelle von "Ein großes Wunder geschah dort". Manche aus der jüdischen Gemeinde wären zudem der Meinung, "kein Fest würde jetzt besser passen, weil Chanukka ist ein Fest jüdischer Selbstermächtigung" und das sei in dieser Zeit sehr wichtig.

Chanukka beginnt: Das Licht scheint

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