Dire Straits: Aus dem Pub ins Stadion

Dire Straits: Aus dem Pub ins Stadion

Von Ingo Neumayer

In acht Jahren vom kleinen Londoner Pub auf die größten Bühnen der Welt: Für die Dire Straits ging es schnell und steil nach ganz oben. Vor 40 Jahren erschien ihre erste Platte.

Dire Straits live

Tagsüber normalen Jobs nachgehen, abends ein bisschen in der Kneipe rocken: Nach diesem Prinzip funktionieren tausende Bands, die nie über die Grenzen ihres Viertels hinaus bekannt werden. Auch der Pub Rock der Dire Straits ist 1977 nur ein netter Zeitvertreib. Gitarrist und Sänger Mark Knopfler (Mi.) ist Dozent an einer Londoner Kunsthochschule, sein Bruder David (re.) arbeitet als Sozialarbeiter, Bassist John Illsley (li.) studiert noch.

Tagsüber normalen Jobs nachgehen, abends ein bisschen in der Kneipe rocken: Nach diesem Prinzip funktionieren tausende Bands, die nie über die Grenzen ihres Viertels hinaus bekannt werden. Auch der Pub Rock der Dire Straits ist 1977 nur ein netter Zeitvertreib. Gitarrist und Sänger Mark Knopfler (Mi.) ist Dozent an einer Londoner Kunsthochschule, sein Bruder David (re.) arbeitet als Sozialarbeiter, Bassist John Illsley (li.) studiert noch.

Doch das ändert sich, als sie dem Radio-DJ Charlie Gillett ein Demotape in die Hand drücken. Eigentlich soll er ihnen nur ein paar Tipps geben. Doch Gillett gefällt vor allem der Song "Sultans Of Swing" so gut, dass er ihn in seiner BBC-Radioshow spielt. Danach geht es schnell: Ein Plattenvertrag wird unterzeichnet, die Karriere nimmt Schwung auf.

Am 7. Oktober 1978 erscheint das Debütalbum "Dire Straits", und es zeigt sich, dass Charlie Gillett ein wirklich gutes Näschen hatte: Die Singleauskopplung "Sultans Of Swing" wird ein weltweiter Hit. Der entspannt-filigrane Gitarrenrock der Band setzt einen musikalischen Gegenpol zum damals populären Punk und New Wave.

Auch in den USA werden die Dire Straits Stars und begeistern auf einer Tournee 1979 viele tausend Fans - und einen gewissen Bob Dylan. Der sieht die Band live in Los Angeles und ist so begeistert, dass er Mark Knopfler und Drummer Pick Withers einlädt, auf seinem kommenden Album "Slow Train Coming" mitzuspielen.

In den folgenden Jahren schreiben die Dire Straits ihre Erfolgsgeschichte stetig fort: Hits wie "Romeo And Juliet", "Tunnel Of Love" oder "Private Investigations" zeigen, dass die Band mehr auf dem Kasten hat, als nach dem bewährtem Konzept vorzugehen. Das Instrumentarium wird um Orgel, Keyboards und Saxophon erweitert, und auch der Sound wird üppiger und mehr auf Stadien als auf Pubs zugeschnitten. Kein Wunder: Als Produzent stößt Jimmy Iovine zur Band, der schon Bruce Springsteens Karriere beschleunigt hat.

Das passt allerdings nicht jedem in der Band. David Knopfler ist mit der musikalischen Ausrichtung unzufrieden. Zudem gerät er immer öfter mit seinem Bruder Mark aneinander, der die Geschicke der Band zunehmend diktatorisch bestimmt. 1980 verlässt David die Band, um eine Solokarriere zu starten.

Für das Album "Love Over Gold", das 1982 erscheint, schreibt Knopfler einen Song namens "Private Dancer". Die Band spielt den Song komplett ein, bis Knopfler auffällt, dass der Songtext schlecht von einem Mann gesungen werden kann. Also gibt er den Song an Tina Turner weiter - die zwei Jahre später damit ein fulminantes Comeback feiert.

Mit dem Album "Brothers In Arms", das 1985 erscheint, erklimmen die Dire Straits endgültig den Rock-Olymp der 80er Jahre. Songs wie "Money For Nothing", "Walk Of Life", "So Far Away" oder der Titelsong laufen im Radio und auf den Musikvideosendern rauf und runter, und das weltweit.

Das Album bricht Rekord um Rekord und verkauft sich insgesamt über 30 Millionen Mal. Mark Knopfler als einziger Songwriter der Band hat da angesichts sprudelnder Einnahmen gut lachen und kann sich auch optische Extravaganzen leisten. Mit dicken Frotteeschweißbändern an Handgelenken und Stirn versucht er, den damals angesagten Tennis-Look auf den Rockbühnen zu etablieren. Das gelingt allerdings nur so mittel...

Klar, dass die Dire Straits auch 1985 beim globalen Charity-Spektakel "Live Aid" mit dabei sind: Zusammen mit Sting, der auch im Studio die zweite Stimme singt ("I want my MTV"), spielen sie "Money For Nothing" vor einem weltweiten Milliardenpublikum.

Doch die "Brothers In Arms"-Phase markiert auch den finalen Höhepunkt der Dire Straits. 1988 erklärt Knopfler, erschöpft von der Popularität, das Ende der Band. Zwei Jahre später trommelt er die Kollegen zwar noch einmal zusammen für das Album "On Every Street", doch 1995 ist dann endgültig Schluss.

Knopfler ist fortan als Solokünstler aktiv und muss sich nicht mehr mit unliebsamen Bandmitgliedern herum ärgern. Er macht Soundtracks, spielt mit Emmylou Harris, und auch der ein oder andere Dire-Straits-Song findet live den Weg in sein Repertoire.

Von den alten Kollegen will er allerdings auch 22 Jahre nach der Trennung nichts wissen. Als die Dire Straits 2017 in die "Rock and Roll Hall of Fame" aufgenommen werden, bleibt er der Zeremonie fern. Ein Comeback scheint also nach wie vor mehr als unwahrscheinlich.

Stand: 09.10.2018, 12:36 Uhr