Das Baskenland – Spaniens raue Atlantikküste

Wunderschön! 24.07.2022 01:28:23 Std. UT Verfügbar bis 24.07.2023 WDR

Das Baskenland – Spaniens raue Atlantikküste

Stand: 24.07.2022, 20:15 Uhr

Das Baskenland ist anders als der Rest von Spanien: Die Küste ist wilder und rauer, das grüne Hinterland mit Gipfeln über 1.000 Meter erinnert an das Allgäu, und die Menschen sprechen eine eigene Sprache. Anne Willmes reist vom mondänen Seebad San Sebastian durch kleine Fischerdörfer, in denen die Seefahrervergangenheit lebendig ist, bis in die Avantgarde-Metropole Bilbao.

Das Baskenland ist voller Traditionen. Dazu gehören Pelota, das schnellste Ballspiel der Welt, Ruderwettbewerbe auf dem Atlantik und Männerkochklubs. Anne Willmes probiert sich durch die köstlichen Pinxtos, die baskischen Tapas, bestaunt die archaische Natur im Geopark von Zumaia und pilgert auf dem Jakobsweg zwischen Küste und Weinbergen. Und sie besucht das Wahrzeichen des Baskenlands: die Felseninsel San Juan de Gaztelugatxe, mitten im Golf von Biskaya.

Das Baskenland ist eine aus drei Provinzen bestehende, autonome Region im Nordosten Spaniens und liegt in der Bucht von Biskaya. Die über 180 Kilometer lange Atlantikküste verläuft vom Urlaubsort Hondarribia im Osten an der Grenze zu Frankreich bis zur Stadt Bilbao im Westen. Die Landschaft ist grüner und bergiger, die Küste wilder und rauer. Auf kleinstem Raum gibt es hier kosmopolitische Städte, Berge bis über 1.500 Meter, Traumstrände, Weinlandschaften, beeindruckende Küstenabschnitte – und wenig Pauschaltourismus. Perfekt für einen Individualtrip. Die beste Reisezeit ist von Juni bis September mit angenehm sommerlichen Temperaturen. Die maximale Durchschnittstemperatur im August beträgt 26 Grad Celsius. Doch sollte bei einem Urlaub nie die Regenjacke fehlen. Denn der berühmte Txirimiri, der typische feine Regen, ist der Grund, warum das Baskenland so satt grün ist.

Die baskische Identität

Die Basken bilden eine eigene Bevölkerungsgruppe mit einem starken Zusammengehörigkeitsgefühl und einer tief verwurzelten Identität. Sie haben eine eigene Sprache, eine eigene Kultur, Geschichte und Politik. "Euskara" ist die älteste lebende Sprache Europas und mit keiner anderen Sprache der Welt verwandt. Euskadi nennen die Basken ihre Heimat. Viele Jahrzehnte gab es im Baskenland starke Autonomiebestrebungen, auch gewaltsam. Die dafür verantwortliche Untergrundorganisation ETA stellte 2011 den bewaffneten Kampf ein. Seither ist es friedlich.

Guernica

Wie kein anderer Ort steht Guernica in der Region Bizkaia für die baskische Identität und Eigenständigkeit der autonomen Region. Vor dem Sitz des Parlaments befindet sich der "Arból de Gernica", eine uralte Eiche, die für die Basken Freiheit und Unabhängigkeit symbolisiert. Unter dem Baum schworen seit dem Mittelalter die Könige, später ihre Stellvertreter im Beisein der baskischen Volksvertreter den Eid, die in den Fueros festgehaltenen Sonderrechte zu achten und zu bewahren. Noch heute muss der Ministerpräsident der Autonomen Gemeinschaft Baskenland hierhin kommen, um seinen Eid abzulegen. Am 26. April 1937 erlangte Guernica weltweit traurige Berühmtheit. Die deutsche Legion Condor unterstützte in den Wirren des spanischen Bürgerkrieges die Franco-Truppen und bombardierte die Stadt. In wenigen Stunden wurde sie in Schutt und Asche gelegt. Dieses Kriegsverbrechen war der Anlass zu Pablo Picassos weltberühmtem Gemälde, ohne das die Welt diese Gräueltat vielleicht vergessen hätte. Bis heute ist das 3,50 × 7,80 Meter große, schwarz-weiße Ölgemälde ein Symbol gegen die Barbarei des Krieges.

Anne Willmes steht vor einer Wand mit der Abbildung des Gemäldes Guernica

In Guernica erinnert eine Nachbildung von Picassos berühmten, gleichnamigen Bild an die Gräuel des spanischen Bürgerkriegs.

Gutes Essen

Typisch für das Baskenland ist gutes Essen. Nirgendwo sonst in Europa gibt es eine so große Dichte an Michelin-Sternen wie in San Sebastian. Pintxos heißen die kleinen Appetithäppchen, die im restlichen Spanien Tapas heißen. In vielen Bars sind dies regelrechte kulinarische Kunstwerke. Man nimmt sich einfach so viel, wie man will und rechnet später die Stäbchen zusammen, die in den Pintxos stecken.

Anne Willmes und eine weitere Frau sitzen in einer Bar an einem Tisch mit mehreren Tellern

In vielen Bars sind die Pintxos (Tapas) regelrechte kulinarische Kunstwerke.

Surfen und Pelota

Surfer aus aller Welt zieht es ins Baskenland. Ihr Mekka ist Mundaka, direkt am Mündungsdelta des Flusses Oca. Das uralte Fischerörtchen ist berühmt für die längste Welle Europas. Wenn die Bedingungen günstig sind, wird sie bis zu sechs Meter hoch und schiebt sich auf einer Breite von 400 Metern in die Flussmündung. Die Welle bricht nach links über einer Sandbank und ist bekannt für ihre Tubes. Auch der 2,5 Kilometer lange und 80 Meter breite Strand von Zarautz ist bei Surfern beliebt. Hier lebt Aitor Francesena, ehemals spanischer Nationaltrainer. Aitor wurde mit einem Glaukom geboren und kämpfte sein ganzes Leben gegen die Erblindung. Sein rechtes Augenlicht verlor er bereits als Jugendlicher. 2011 hatte er einen Surfunfall und war nach einem heftigen Schlag gegen sein linkes Auge von einem Tag auf den anderen komplett blind. Doch er gab nicht auf und wurde 2016 in den USA Weltmeister im Surfen mit Handicap.

Aitor Francesena steht im Surfanzug auf einem Surfbrett inmitten der Wellen

Aitor Francesena ist blind – und Weltmeister im Surfen mit Handicap.

Pelota ist der baskische Nationalsport. Er funktioniert ähnlich wie Squash, wird mit riesigen Löffelschlägern gespielt und ist das schnellste Ballspiel der Welt. Mindestens genauso spannend wie das Spiel selbst sind die Wetten, die die Zuschauer auf den Rängen abschließen. Seit Jahrhunderten wird dieser Sport im Baskenland betrieben – nicht nur als Wettkampf. Ein Frontón, das Spielfeld mit der charakteristischen hohen Prallwand aus Stein, stellt in jedem noch so kleinen Dorf den Mittelpunkt dar, und die Kinder werden groß damit.

Lesetipps für das Baskenland

Verschiedene Autoren
Vis-à-Vis Reiseführer Nordspanien
Dorling Kindersley Reiseführer, 5. akt. Aufl. 2021
ISBN ‎978-3734202810
Preis: 22,95 Euro

Andreas Drouve
Baskenland. Bilbao
MairDumont, 6. Aufl. 2019
ISBN ‎978-3829727136
Preis: 12,99 Euro

Franz Halbartschlager, Gerhard Ruß
Baskenland. Euskadi, Navarra und Französisches Baskenland. Wanderführer mit 50 Touren
Rother Bergverlag, 2. akt. Aufl. 2022
ISBN ‎978-3763345137
Preis: 16,90 Euro

Hans-Jürgen Fründt
CityTrip San Sebastián und Bilbao: Reiseführer mit Stadtplan
Reise Know-How Verlag, 3. akt. Aufl. 2019
ISBN 978-3831732166
Preis: 11,95 Euro

Moderation: Anne Willmes

Redaktion: Iris Möller-Grätz

Autorin: Carolin Wagner

Internettext: Petra Berthold