Hügelige Wald-Wiesen-Landschaft, durch die der Camino del Norte führt. Pilger sollten eine Regenjacke nicht vergessen, denn der Txirimiri, der typische feine Regen, ist der Grund, warum das Baskenland so satt grün ist.

Jakobsweg Camino del Norte, Tolosa, Ruderhochburg Orio, Weinberge, Unterwasser-Weingut

Stand: 24.07.2022, 20:15 Uhr

Es gibt zwei Jakobswege durch das Baskenland. Beide enden in Santiago de Compostela. Der Camino del Norte verläuft entlang der Atlantikküste, ist sehr ausgefallen und mit vielen Höhenmetern sehr anspruchsvoll. Der Hauptweg (Camino Frances) führt durch das Landesinnere, ist ebenfalls ausgefallen, jedoch einfacher zu bewältigen und deshalb eher eine "Pilgerautobahn".

Der Camino del Norte ist die 850 Kilometer lange Nordroute nach Santiago de Compostela und führt dabei von der französischen Grenze bis Deba knapp 200 Kilometer durchs Baskenland immer am Golf von Biskaya entlang. Die Strecke führt durch traumhafte Natur und ist die Urvariante des Jakobsweges. Seine Geschichte geht direkt auf die Entdeckung des Apostelgrabes des heiligen Jakobus um 810 n. Chr. zurück.

Wochenmarkt in Tolosa

Der Markt von Tolosa hat eine lange Tradition und ist einer der beliebtesten Wochenmärkte im Baskenland. Selbst die Einwohner aus San Sebastian kommen samstags hierher, um einzukaufen. Angeboten werden ausschließlich regionale Produkte, die sich durch Frische und Qualität auszeichnen. Die sind den kochverrückten Basken einfach heilig. Gelegentlich sieht man auf dem Markt Touristen, die meisten Besucher aber sind Basken. Und so wird hier vor allem "Euskadi" gesprochen. Eine gute Gelegenheit, typisch baskische Atmosphäre zu erleben. Dass Tolosa einst ein wichtiger Handelsweg zwischen der Küste und den inneren Provinzen war, sieht man heute noch an den historischen Häusern der hübschen Altstadt. Das kleine Städtchen hat sich komplett der Kulinarik gewidmet. Feinschmeckerläden mit Spezialitäten und Restaurants gibt es an jeder Straßenecke.

Marktverkäufer an einem Stand mit Pilzen hält eine Flasche Wein hoch

Auf dem Wochenmarkt in Tolosa werden ausschließlich regionale Produkte verkauft.

Ruderhochburg Orio

Orio liegt an einem Fluss, der wenige 100 Meter später ins Meer mündet. Das Küstendorf gilt als Hochburg des Ruderns. Rudern ist eine der wichtigsten Sportarten im Baskenland und ein weiteres Beispiel für eine typische Sportart, die ursprünglich mit einem Beruf verbunden war: Früher war die Küstenfischerei auf die Ruderer angewiesen. Die erste Mannschaft, die am Hafen ankam, konnte ihre Fische zum besten Preis verkaufen. So war es ganz normal, dass an Bord Wettkampfstimmung aufkam. Als die Boote Motoren bekamen, wurde trotzdem weiter gerudert. Dann halt als Wettbewerb. Jedes Küstendorf hat sein Team, und diese treten gegeneinander an. Besonders erfolgreich ist das Frauenteam aus Orio.

Großes Ruderboot mit mehreren Frauen am Ruder und einer Steuerfrau auf dem Meer

Rudern ist eine der wichtigsten Sportarten im Baskenland, und das Frauenteam von Orio ist besonders erfolgreich.

Weinberge und ein Unterwasser-Weingut

Wenige Kilometer hinter Orio führt der Camino del Norte durch ein kleines Weinanbaugebiet. Die Weinberge ziehen sich zur Atlantikküste am Golf von Biskaya. Hier wächst die heimische Rebsorte Hondarrabi Zuri, aus der der Txakoli gemacht wird. Das ist in der Regel ein Weißwein mit einem Hauch von Kohlensäure und einem hohen Säuregehalt. Im Vergleich zu anderen Weißweinen ist er leichter und erfrischend. Der Txakoli wird zu 90 Prozent im Baskenland getrunken und nicht exportiert. Die meisten Weingüter sind kleine Familienbetriebe, und man kann überall probieren. Typisch ist das zielgenaue Einschenken in einem großen Bogen, das in allen baskischen Bars zu sehen ist.

In der Bucht von Plentzia gibt es ein Unterwasser-Weingut: Fast 10.000 Flaschen Rot- und Weißwein werden hier gelagert. Ein Käfig schützt das wertvolle Gut vor der rauen Strömung in 20 Meter Tiefe. Die U-Boot Winzer sind überzeugt, dass der Druck, die kühle Temperatur und die Bewegung des Meeres einen einmaligen Geschmack bei der Reifung des Weines erzeugen.

Anne Willmes (l) und Jone Karres auf einem Weg durch Weinfelder

Anne Willmes (l) wandert zusammen mit der Deutsch-Baskin Jone Karres auf dem Camino del Norte durch die Weinfelder.

Lesetipps für das Baskenland

Verschiedene Autoren
Vis-à-Vis Reiseführer Nordspanien
Dorling Kindersley Reiseführer, 5. akt. Aufl. 2021
ISBN ‎978-3734202810
Preis: 22,95 Euro

Andreas Drouve
Baskenland. Bilbao
MairDumont, 6. Aufl. 2019
ISBN ‎978-3829727136
Preis: 12,99 Euro

Franz Halbartschlager, Gerhard Ruß
Baskenland. Euskadi, Navarra und Französisches Baskenland. Wanderführer mit 50 Touren
Rother Bergverlag, 2. akt. Aufl. 2022
ISBN ‎978-3763345137
Preis: 16,90 Euro

Hans-Jürgen Fründt
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Reise Know-How Verlag, 3. akt. Aufl. 2019
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