Blick auf Großstadt Bilbao, im Vordergrund das Guggenheim Museum

Bilbao, Getaria, Biosphärenreservat Urdaibai, San Juan de Gaztelugatxe

Stand: 24.07.2022, 20:15 Uhr

Bilbao ist mit rund 345.000 Einwohnern die größte Stadt in der Region und das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum. Die ehemals heruntergekommene Industriestadt hat sich seit dem Bau des Guggenheim Museums 1997 neu erfunden und gilt heute als Avantgarde-Metropole.

Mehr als eine Million Menschen besuchen jährlich das von dem US-amerikanischen Stararchitekten Frank O. Gehry entworfene Meisterwerk aus Titan, Glas und Kalkstein. In der ständigen Ausstellung sind Werke der wichtigsten internationalen Künstler der letzten vier Jahrzehnte zu sehen. Gehrys Architektenkollege Norman Foster entwarf eine ganze U-Bahn-Linie, zu erkennen an den muschelförmigen Eingängen; internationale Streetart-Künstler verschönten die Altstadt mit sogenannten Murales. Der Bilbao Effekt ist inzwischen ein feststehender Begriff für die gezielte Aufwertung von Orten durch spektakuläre Bauten von Architekten.

Aus dem riesigen ehemaligen Weinlager der Stadt wurde ein Zentrum für zeitgenössische Kunst und Freizeit, entworfen vom französischen Stardesigner Philippe Starck. Auffällig sind die 43 Säulen im Inneren, die für die vielfältigen Kulturen und Bauweisen der Menschheit stehen. Das Gebäude ist eine Begegnungsstätte für die Bilbainos, die Einwohner:innen von Bilbao. Es gibt Ausstellungen, ein Auditorium, eine Bibliothek und ein öffentliches Schwimmbad.

Seit 1893 verbindet die älteste Schwebefähre der Welt beide Uferseiten des Nervión miteinander. Sie funktioniert bis heute einwandfrei. An einem Ufer liegt der Mercado de la Ribera. Bekannt ist die 1929 im Art-déco-Stil erbaute Markthalle für ihr großes Angebot an frischem Fisch und Meeresfrüchten, direkt aus dem Golf von Biskaya. Die Altstadt wird "siete calles" genannt: die "sieben Straßen", auch wenn es weit mehr als sieben Straßen gibt. Mit ihren vielen Cafés, Restaurants und Läden bildet sie bis heute das Herz von Bilbao.

Anchovis aus Getaria

Wie eine gewaltige Maus soll der Hügel von Getaria aus der Ferne aussehen. Deswegen trägt er den Spitznamen "Mäusefelsen" – er ist das Wahrzeichen des kleinen Fischerortes. Auch wenn die Altstadt eigentlich nur aus drei Straßen besteht: Die schmalen Gassen und die mittelalterlichen Steinhäuser haben Charme. In dem traditionsreichen Fischerort wurde 1476 der Seefahrer Elcano geboren, der – nach dem gewaltsamen Tod von Magellan – als erster die Welt komplett umsegelte. An die Walfangflotten, die früher von Getaria aus in See stachen, erinnert das Stadtwappen. Heute ist der Küstenort berühmt für seine Sardellen. Direkt neben dem Hafen werden die kleinen Fische in einer kleinen Manufaktur weiterverarbeitet, filetiert und länger als ein Jahr in Salz eingelegt. Von Getaria aus werden die Anchovis in die ganze Welt exportiert.

Anne Willmes steht vor der Statue des Seefahrers Elcano, im Hintergrund Stadthäuser

In Getaria wurde 1476 der Seefahrer Elcano geboren, der als erster die Welt komplett umsegelte.


Biosphärenreservat
Urdaibai: Residenz der Zugvögel

Das Biosphärenreservat Urdaibai zwischen der Stadt Gernika-Lumo und dem Golf von Biskaya gilt als Residenz der Zugvögel. Der Fluss Oca, der bei Mundaka ins Meer mündet, ist das Herzstück des Naturreservats. Das Marschland ist umgeben von wilden Stränden, schroffen Steilküsten und knorrigen Steineichenwäldern. Durch die Gezeiten verändert sich die Landschaft stündlich. Mit der Ebbe sinkt das Wasser bis zu sechs Meter ab und es entsteht ein beeindruckendes Mosaik aus Sandbänken und kleinen Kanälen. Wer möchte, kann Kanus ausleihen und den Weg durch die Wasserkanäle suchen. Man muss allerdings aufpassen, dass man nicht auf einer Sandbank aufläuft. Die Sümpfe und das Marschland sind voller Leben und ein Paradies für Vögel. Wegen der reichen Natur- und Artenvielfalt wurde das Gebiet 1984 von der UNESCO zum Biosphärenreservat erklärt.

Mehrere Kanus paddeln auf einem breiten Fluss in Richtung Meer

Mit dem Kanu durch die Wasserläufe des Biosphärenreservat Urdaibai zu paddeln, ist ein Erlebnis.


San Juan de Gaztelugatxe: die Einsiedlerkapelle

Die Felseninsel Gaztelugatxe liegt im sturmumtosten Atlantik unmittelbar vor der Felsenküste der Costa Vasca zwischen den Orten Bakio und Bermeo. Auf ihrem höchsten Punkt thront seit 1053 die Einsiedlerkapelle "San Juan der Gaztelugatxe". Der Weg vom Festland führt über eine schmale Brücke mit 241 Steinstufen. Die Kapelle wurde zu Ehren von Johannes dem Täufer, dem Schutzheiligen der Seefahrer und Fischer, errichtet und ist ein heiliger Ort für die Basken. Der Legende nach sollte man, nachdem man den Gipfel erklommen hat, dreimal die Glocke an der vorderen Fassade der Kirche läuten und sich etwas wünschen. Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Kirche mehrfach durch Feuer und Kriege zerstört und musste immer wieder neu aufgebaut werden. Die pittoreske Felseninsel wird gerne als Filmkulisse benutzt: Für die Serie "Game of Thrones" wurde aus der Einsiedlerkapelle San Juan de Gaztelugatxe die Burg Dragonstone.

Kleine Kapelle auf einem schroffen Felsen an der Küste

241 Stufen führen bis zur Einsiedlerkapelle San Juan der Gaztelugatxe.

Lesetipps für das Baskenland

Verschiedene Autoren
Vis-à-Vis Reiseführer Nordspanien
Dorling Kindersley Reiseführer, 5. akt. Aufl. 2021
ISBN ‎978-3734202810
Preis: 22,95 Euro

Andreas Drouve
Baskenland. Bilbao
MairDumont, 6. Aufl. 2019
ISBN ‎978-3829727136
Preis: 12,99 Euro

Franz Halbartschlager, Gerhard Ruß
Baskenland. Euskadi, Navarra und Französisches Baskenland. Wanderführer mit 50 Touren
Rother Bergverlag, 2. akt. Aufl. 2022
ISBN ‎978-3763345137
Preis: 16,90 Euro

Hans-Jürgen Fründt
CityTrip San Sebastián und Bilbao: Reiseführer mit Stadtplan
Reise Know-How Verlag, 3. akt. Aufl. 2019
ISBN 978-3831732166
Preis: 11,95 Euro