Die Lange Anna, ein freistehender roter Felsen, ist das Wahrzeichen von Helgoland

Hummerfischer, Biologische Anstalt, Basstölpel am Lummenfelsen, Vogelwarte, Gallowayrinder und Heidschnucken

Stand: 04.07.2021, 20:15 Uhr

Der Lummenfelsen mit der Langen Anna ist das kleinste Naturschutzgebiet Deutschlands. Hier brüten neben Möwen und Eissturmvögeln vor allem Basstölpel und Trottellummen. Aber auch Gallowayrinder und Heidschnucken leben auf der Hochseeinsel.

Sven Köhn gehört zu den letzten Hummerfischern auf Helgoland, auch wenn der Börtebootkapitän nur noch im Nebenjob vor Sonnenaufgang die Körbe einholt. Bis in die 1930er-Jahre lebten viele Familien auf der Insel vom Hummerfang. Der Helgoländer Felssockel besteht aus Stein, und die vielen Höhlen sind ein idealer Lebensraum für die Meeresbewohner. Heute werfen nur noch drei Fischer ihre Körbe aus, die bis vor wenigen Jahren noch per Hand eingeholt werden mussten – eine zeitraubende und schwere Arbeit. In der mehrwöchigen Schonzeit im Sommer dürfen sie keine Hummer mit an Land nehmen – bis auf trächtige Hummer-Weibchen für die Biologische Anstalt. Dafür aber Knieper (Taschenkrebse), deren Scheren neben Seefisch und Hummer zu den Inselspezialitäten gehören.

Hummerfischer Sven Köhn steht auf einem Boot und hält einen Hummer in der Hand

Sven Köhn, einer der letzten Hummerfischer auf Helgoland, bei der Arbeit.

Biologische Anstalt: Babystube der Hummer

Die Biologische Anstalt Helgoland wurde 1892 gegründet und gehört seit 1998 zum Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung. Seit 2004 arbeitet hier die Wissenschaftlerin Dr. Isabel Schmalenbach. Sie sucht nach Möglichkeiten, die natürlichen Bestände der Hummer zu vermehren, um ein Aussterben des Edelkrebses in der Nordsee zu verhindern. Ihr Arbeitsplatz ist die Züchtungshalle. Die Hummerweibchen bleiben hier, bis sie ihre Larven abgegeben haben, dann dürfen sie zurück in die Nordsee. In der Kinderstube leben unzählige Mini-Hummer, die sich aus den Larven entwickelt haben. Kleine Röhrchen dienen ihnen als Höhlenersatz. Wenn die Junghummer vier Zentimeter groß sind, werden sie markiert und auf dem Helgoländer Felssockel ausgewildert. Hummer können bis zu 60 Jahre alt werden.

Lummenfelsen und Basstölpel

Der Lummenfelsen ist mit 1,1 Hektar das kleinste Naturschutzgebiet Deutschlands und hat die größte Brutvogeldichte. Neben Möwen und Eissturmvögeln finden sich vor allem Basstölpel und Trottellummen, die dem Felsen seinen Namen gaben. Sie sind gute Schwimmer und Taucher, aber an Land nicht gerade elegant, und sie brüten an den Felswänden. Der alljährliche Lummensprung im Juni ist zu einer Touristenattraktion geworden: Dabei stürzen sich die drei Wochen alten Küken rund 40 Meter in die Tiefe. Fliegen können sie noch nicht. Doch ihr weiches Skelett und die Daunenfedern puffern den Sturz ab, sodass die meisten den Sprung unbeschadet überstehen. Draußen lernen sie fliegen und fischen und kommen zum Brüten später wieder zurück zum roten Felsen.

Der Ornithologe Elmar Ballstaedt vom Verein Jordsand setzt sich für den Schutz der Basstölpel ein, die erst seit 1991 auf Helgoland brüten. Inzwischen umfasst die lautstarke Kolonie über 5.000 Paare. Die Hochseevögel haben eine Flügelspannweite von bis zu zwei Metern und sind ausgezeichnete Flieger und Taucher. Zur Nahrungssuche und außerhalb der Brutsaison sind sie überwiegend auf dem offenen Meer anzutreffen. In Deutschland brüten auf sie nur auf Helgoland. Die Lange Anna, einige Meter entfernt vom Lummenfelsen, ist ein Hotspot der Basstölpelkolonie.

Basstölpel und Trottellummen sitzen und stehen dicht an dicht an einem steilen roten Felsmassiv

Neben Möwen und Eissturmvögeln finden sich an den roten Felsen vor allem Basstölpel und Trottellummen.

Die zweitälteste Vogelwarte der Welt

Helgoland ist der Ort in Europa mit den meisten Vogelarten und ein wichtiger Trittstein für Zugvögel auf ihrer Reise von der Arktis bis nach Afrika. Zudem ein guter Notlandeplatz auf dem Flug über die Nordsee, vor allem bei schlechtem Wetter. Die Vogelwarte Helgoland, gegründet 1910, ist die zweitälteste Vogelwarte der Welt und ein Mekka der Vogelforschung. Seit 1960 werden im Fang-Garten mit drei sogenannten Helgoland-Reusen Vögel gefangen, mit Ringen versehen, vermessen und wieder freigelassen. In dieser weltweit längsten Datenreihe mit standardisiertem Fang wurden bis 2015 über 600.000 Vögel beringt. Die Daten bieten Jochen Dierschke, dem technischen Leiter des Instituts für Vogelforschung, und seinen Mitarbeitenden wichtige Erkenntnisse zu Veränderungen im Vogelzug.

Gallowayrinder und Heidschnucken

Galloways und Heidschnucken sorgen für einen Hauch Schottland und Lüneburger Heide auf der Hochseeinsel. Die zottigen Rinder werden in einem riesigen, mit einem Elektrozaun gesicherten Areal auf dem Oberland gehalten. Der Zaun ist so hoch, dass die Schafe unter dem Draht durchkommen, die größeren Galloways jedoch nicht. Ihre Aufgabe: Das Gras kurz zu halten, damit es nicht zu blühen beginnt und die Luft möglichst pollenarm bleibt. Gallowayrinder und Heidschnucken sind sehr widerstandsfähige Tierrassen und können ganzjährig im Freiland gehalten werden. Der Pony-Club Helgoland, der schon zwei Jahre nach seiner Gründung 1995 keine Ponys mehr hatte, kümmert sich um die Tiere. Zum Schafscheren reist auch schon mal Günter Garbers an: In seinen besten Zeiten brauchte der ehemalige deutsche Meister keine zwei Minuten, um ein Schaf von seinem dicken Fell zu befreien.

Mehrere Heidschnucken weiden auf einer Wiese

Die widerstandsfähigen Heidschnucken leben ganzjährig im Freien auf Helgoland.

Lesetipps für Helgoland

Reiseführer

Nicole Funck, Michael Narten
Reiseführer Helgoland
Reise Know-How Verlag, 9. akt. Aufl. 2020
ISBN 978-3831734511
Preis: 14,90 Euro

Zur Unterhaltung

Pamela Hansen
Die Inselpastorin. Mein Leben mitten in der Nordsee
Rowohlt, 2. Aufl. 2020
ISBN 978-3499000669
Preis: 15,00 Euro

Isabel Bogdan
Mein Helgoland
Mare Verlag, 2021
ISBN 978-3866486546
Preis: 18,00 Euro

Peter Andryszak
Helgoland maritim: Eine Insel in ihrem Element
Maximilian Verlag, 2018
ISBN 978-3782213141
Preis: 9,95 Euro

James Krüss
Mein Urgroßvater und ich
Verlag Friedrich Oetinger, 2009
ISBN 978-3789140433
Preis: 12,00 Euro