Pico: Wale, Wein und der höchste Berg der Azoren

Tamina Kallert (r) mit Wanderführerin Tanja Hausmann auf der Insel Pico

Pico: Wale, Wein und der höchste Berg der Azoren

Pico ist die zweitgrößte Insel der Azoren: 42 Kilometer lang und 15 Kilometer breit. Etwa 15.700 Einwohner leben hier. Ausgedehnte Lavafelder bestimmen das Bild der Landschaften, die eine Vielzahl von endemischen Pflanzen wie Wacholder, Heidelbeerbaum oder Baumheide (Erica azorica), die Ursprungsbepflanzung im 15. Jahrhundert, aufweist. Markantes Wahrzeichen ist der gleichnamige Berg Pico (2.351 m). Bei klarem Wetter lohnt sich der mühsame Aufstieg wegen der einzigartigen Aussicht. Aber auch sonst hat Pico für Naturfreunde viel zu bieten: die Hochebene mit den Kraterseen, raue Küstenlandschaft und Weinberge mit malerischen Häuschen. Jahrhundertelang war der Walfang die wichtigste Einnahmequelle der Inselbewohner. Heute kommen Touristen, um die großen Meeressäuger vom Boot aus zu beobachten – und lassen sich auch vom typischem Azorenwetter nicht abhalten.

Lajes: Walmuseum und Whalewatching

Lajes an der Südküste ist der traditionellste Ort zum Thema Wale auf den gesamten Azoren. Bis in die 80er-Jahre des letzten Jahrhunderts wurden hier die großen Meeressäuger gefangen und in der ehemaligen Walfabrik am Ortseingang verarbeitet. Seit 1988 befindet sich in drei ehemaligen Bootshäusern der Walfänger und einer Schlosserei aus dem 19. Jahrhundert das "Museu dos Beleeiros", das Walfangmuseum. Hier sind auch ein elf Meter langes Walfangboot sowie Harpunen und andere Gerätschaften ausgestellt, die man zur Jagd brauchte. Auf Walknochen sind Szenen des Walfangs festgehalten. Wie gefährlich, aber auch blutig und brutal der Walfang war, zeigt ein alter Dokumentarfilm.

Besucher in einem Ausstellungsraum im Museum in Lajes mit einem Walfängerboot

Die Geschichte des Walfangs ist im Museum von Lajes eindrucksvoll dargestellt.

Anderthalb Kilometer weiter östlich liegen links und rechts der Straße weiße, eckige Aussichtstürme – sogenannte Vigías (Wachttürme), die in Zeiten der Waljagd täglich besetzt waren. Sah der Wächter einen Wal, schoss er eine Rakete ab, und die Jäger machten die Boote flott. Heute sitzen in den Türmen die modernen Waljäger: Seriöse Anbieter von Whalewatching-Touren halten von Land Ausschau nach den Tieren und lotsen ihre Bootsführer per Handy oder Funk zu den entsprechenden Stellen. Mit Zodiaks und mit Regenkleidung geschützt vor Nässe von oben und von der Seite geht es raus aufs Meer. Und die Touristen machen "Jagd" auf Blauwale, Finnwale, Pottwale, Buckelwale und Delfine – mit der Kamera.

Wanderung auf den Ponta do Pico

Der Ponta do Pico ist nicht nur das Wahrzeichen der Insel, sondern auch der höchste Berg Portugals. Mit einer Höhe von 2.351 Metern, einem mittleren Durchmesser von 19 Kilometern und seiner steilen, spitzkegeligen Form ist der majestätische Vulkan auch von der Nachbarinsel Faial gut zu erkennen. Der Aufstieg auf den Pico gilt als Königsetappe für Wanderer auf den Azoren, erfordert aber eine gute Kondition sowie geeignete, regenfeste Kleidung und ein GPS. Empfehlenswert ist eine Wanderung mit einem Bergführer – aber nur bei gutem Wetter, da Wolken und Nebel die Orientierung erschweren. Im Winter kann sogar Schnee auf dem Gipfel liegen. Eine Straße führt zur Casa da Montanha auf 1.200 Meter Höhe, dann geht es zu Fuß weiter. Der Aufstieg auf den Gipfel ist anstrengend und anspruchsvoll. Die Dauer für Hin- und Rückweg beträgt etwa sechs Stunden.

Das Hochland im Landesinneren gleicht einer verwunschenen Landschaft, die an Schottland erinnert. In der Nachbarschaft des Pico reihen sich circa 200 kleinen Vulkankegel mit rund 800 Meter Höhe wie Perlen an einer Kette. Zwischen ihnen liegen malerische Seen wie der Lagao de Capitao, der Kapitänssee.

Weinreben in Lavagärten

Der Weinanbau auf Pico begann Ende des 15. Jahrhunderts, als sich die ersten Siedler auf der Insel niederließen. Der Verdelho ist die wichtigste und älteste Rebsorte und wurde im Laufe der Jahrhunderte immer weiter kultiviert. Seit dem 18. Jahrhundert wurden die Süßweine der Azoren berühmt und geschätzt – und sogar an den russischen Zarenhof geliefert.
Das gemäßigte Klima und der warme Regen sind ideal für den Weinanbau; der Mineralreichtum der Lavaböden gibt den Trauben eine besondere Note. Vor allem im Gebiet zwischen Santa Luzia und Madalena lassen sich die unzähligen mosaikähnlich angelegten Weinfelder bewundern – alle mit kleinen Mäuerchen aus rauen Lavabrocken abgegrenzt, die die Sonnenwärme speichern. 2004 wurden die Lavagärten von Pico als UNESCO Weltkulturerbe klassifiziert.
In Madalena auf der Westseite der Insel befindet sich das "Museu do Vinho". Das Weinmuseum wurde in einem alten Karmeliterkloster eingerichtet. Dort kann man Weingärten besichtigen, Weinproben machen und im September bei der Weinlese helfen.

Tamina Kallert stößt mit anderen Personen mit Weingläsern an

Tamina Kallert besucht ein Weinfest auf der Insel Pico.

Lesetipps für die Azoren

Michael Bussmann
Azoren. Reiseführer
Michael Müller Verlag, 7. Aufl. 2019
ISBN 978-3956545689
Preis: 22,90 Euro

Roman Martin
Azoren. 86 Küsten- und Bergwanderungen mit GPS-Tracks
Bergverlag Rother, 6. akt. Aufl. 2019
ISBN 978-3763343676
Preis: 14,90 Euro

Susanne Lipps
Azoren. Reiseführer plus Reisekarte
DuMont Reiseverlag, 2019
ISBN 978-3616020075
Preis: 18,90 Euro

Susanne Lipps
Azoren on Tour. 18 individuelle Touren über die Inseln
Polyglott, 2019
ISBN 978-3846403877
Preis: 13,90 Euro

Paul Bernhardt
Top 10 Reiseführer Azoren mit Extra-Karte und kulinarischem Sprachführer
Dorling Kindersley Reiseführer, 2018
ISBN 978-3734205705
Preis: 11,90 Euro

Stand: 19.04.2020, 20:15