Faial: Vulkane, Erdbeben und ein Segler-Hotspot

Blick aus einem Flugzeug auf die bergige Insel Faial

Faial: Vulkane, Erdbeben und ein Segler-Hotspot

Faial liegt ca. 1.500 Kilometer vom portugiesischen Festland entfernt. Die fünftgrößte Insel der Azoren ist rund 20 Kilometer lang und 14 Kilometer breit. Die unzähligen Hortensienhecken haben ihr den Beinamen "Ilha Azul" – "Blaue Insel" – gegeben. Denn im Sommer blühen diese Hecken in einem intensiven Blau.

Dass die Azoren vulkanischen Ursprungs sind und in einem Erdbebengebiet liegen, zeigt sich auf Faial besonders deutlich. Die Westküste gleicht einer Mondlandschaft. Hier entstand Ende der 50er-Jahre des letzten Jahrhunderts nach einem Vulkanausbruch eine neue Halbinsel. Das letzte Erdbeben erschütterte die Insel 1998 und richtete vor allem im Nordosten bei Ribeirinha große Schäden an.

Die hübsche Hafenstadt Horta ist die Hauptstadt von Faial. Hier lebt rund die Hälfte der insgesamt ca. 15.000 Einwohner. Alte Häuser im Kolonialstil, ein paar hübsche Kirchen und mit viel Grün angelegte Plätze sorgen in Horta für eine entspannte Atmosphäre. Zentraler Platz ist die Praia de Republica. In einer ehemaligen Walfangfabrik befindet sich das "Observatório do Mar dos Açores". Und auf der anderen Seite des Vulkankegels Monte de Guia, auf den ein kleiner Wanderpfad führt, lockt der Stadtstrand Porto Pim – kein Traumstrand, aber selbst in der Hochsaison nicht überlaufen.

Hortas Jachthafen: Treffpunkt der Seefahrer und Weltenbummler

Herzstück von Horta ist der Yachthafen – ein Treffpunkt der Weltumsegler, die auf ihrer Reise zwischen Europa und Amerika hier oft für mehrere Wochen Station machen. Die Kaimauer ist eine riesige Gemäldegalerie: Hier haben sich Segler aus aller Welt mit Namen des Schiffs, der Crew und dem jeweiligen Heimatland verewigt. Hier werden Geschichten erzählt – mit viel Fantasie, Kreativität und Herz. Die Bilder sollen den Seefahrern Glück bringen für weitere Fahrten.

Tamina Kallert betrachtet die gemalten Bilder auf einer Kaimauer

Die Kaimauer von Horta ist eine riesige Gemäldegalerie, hier haben sich Segler aus aller Welt verewigt.

"Peter Café Sport" in Horta ist eine Institution: Treffpunkt, Postabholstelle und Service-Point für Segler aus aller Welt. 2018 feierte es sein 100-jähriges Jubiläum. José Henrique Azevado, der das Café in dritter Generation betreibt, kennt viele Geschichten und Anekdoten. Sein Sohn Joao mixt dazu einen Gin-Tonic, der speziell für "Café Sport" kreiert wurde: den "Gin o Mar" mit Maracujasaft. Sowohl im Café als auch im ersten Stock des Gebäudes gibt es viel zu sehen. Überall im Café hängen Flaggen und Wimpel, die Gäste mitgebracht haben. Im ersten Stock befindet sich das kleine "Scrimshaw Museum" mit einer interessanten Kollektion von geschnitzten und gravierten Walzähnen.

Ponta dos Capelinhos – Wie ein Vulkan eine neue Halbinsel erschuf

Die wohl spektakulärste Landschaft liegt an der Westküste von Faial. 1957/58 entstand hier nach mehreren Vulkanausbrüchen eine neue Halbinsel, die Ponta dos Capelinhos. Ein unterirdisches Besucherzentrum inmitten der kargen Landschaft erzählt ihre Geschichte: Aus dem Meer spuckte der Vulkan Capelinhos insgesamt 30 Tonnen Asche und Lava aus, die dann 2,4 Quadratkilometer neues Land bildeten und in mehreren Phasen als Halbinsel an die alte Küste heranwuchsen. Der Betonpfeiler in der Eingangshalle symbolisiert die Vulkaneruption. Der Ausbruch selbst wird in einer eindrucksvollen Animation erklärt. 1998 erschütterte ein schweres Erdbeben den Nordosten der Insel. Dabei wurde auch der 1919 errichtete Leuchtturm bei Ribeirinha so stark zerstört, dass er aufgegeben werden musste. Während die Kirche im Zentrum des Ortes noch immer eine Ruine ist, wurden die Wohnhäuser weitgehend wieder aufgebaut.

Tamina Kallert steht am Rand eines Vulkankraters

Spektakuläre Aussichten bietet eine Wanderung entlang des Kraterrands.

Wandern am Kraterrand und Baden im Naturschwimmbecken

Besonders gut zu erkennen ist die ursprüngliche Natur von Faial in der Caldeira, dem 450 Meter tiefen Krater eines erloschenen Vulkans im Zentrum Faials. Ein rund acht Kilometer langer Rundweg führt am Kraterrand entlang. Von hier aus kann man einen wunderschönen Rundumblick genießen – wenn nicht gerade Wolken die Sicht versperren. Bis zum sumpfigen Kraterboden zu wandern, wo sich vor dem Vulkanausbruch nach heftigen Regenfällen ein See bildete, ist allerdings verboten.

Das Naturschwimmbecken in Varadouro gehört zu den schönsten der Azoren. Der Weg ans Wasser geht mitten durch dicke Vulkanbrocken, ist aber einfach zu gehen. Einen Sandstrand kann man hier nicht erwarten. Aber Varadouro ist trotzdem einer der beliebtesten Badeplätze auf Faial. Hinter einem kleinen Kinderbecken liegt das eigentliche Becken. Hier schwappt das Meer immer wieder über die Mauern aus Lavagestein. Manch Wagemutige bevorzugen aber doch den direkten Sprung in den wilden Atlantik.

Blick von oben auf die felsige Küste mit einem natürlichen Pool mit betonierter Umrandung

Besonders schön gelegen ist das Naturschwimmbecken in Varadouro.

Lesetipps für die Azoren

Michael Bussmann
Azoren. Reiseführer
Michael Müller Verlag, 7. Aufl. 2019
ISBN 978-3956545689
Preis: 22,90 Euro

Roman Martin
Azoren. 86 Küsten- und Bergwanderungen mit GPS-Tracks
Bergverlag Rother, 6. akt. Aufl. 2019
ISBN 978-3763343676
Preis: 14,90 Euro

Susanne Lipps
Azoren. Reiseführer plus Reisekarte
DuMont Reiseverlag, 2019
ISBN 978-3616020075
Preis: 18,90 Euro

Susanne Lipps
Azoren on Tour. 18 individuelle Touren über die Inseln
Polyglott, 2019
ISBN 978-3846403877
Preis: 13,90 Euro

Paul Bernhardt
Top 10 Reiseführer Azoren mit Extra-Karte und kulinarischem Sprachführer
Dorling Kindersley Reiseführer, 2018
ISBN 978-3734205705
Preis: 11,90 Euro

Stand: 19.04.2020, 20:15