São Miguel: Blaugrüne Kraterseen, Wasserfälle und heiße Quellen

Blick von einem Berg auf die Küste der Insel Sao Miguel mit Hafenort und Atlantik

São Miguel: Blaugrüne Kraterseen, Wasserfälle und heiße Quellen

São Miguel ist die größte Insel des Archipels, 62,1 Kilometer lang und mit einer maximalen Breite von 15,8 Kilometern. Zwei Bergketten, verbunden durch eine ebene Landbrücke, blaugrüne Kraterseen und dschungelähnliche Wälder prägen die Landschaft. Die Bezeichnung "Grüne Insel" verdankt sie den ausgedehnten Weiden und Waldflächen, den Nationalparks und den vielen endemischen Pflanzen wie Baumheide oder Lorbeerhecke. Der großflächige Anbau von japanischen Sicheltannen bestimmt die Forstwirtschaft auf São Miguel. Farbige Akzente setzen – neben den vielen bunten Blumen – die Herz-Gemälde von Yves Decoster: auf Häuserfassaden, Ruinen und alten Straßenschildern. Im Laufe der Jahre hat der belgische Künstler über 400 Bilder gemalt – zur Freude der Einheimischen und der Touristen.

Tamina Kallert und der Künstler Yves Decoster stehen zu beiden Seiten eines Wandgemäldes mit einem roten Herz

Tamina Kallert und der Künstler Yves Decoster neben einem seiner Herz-Gemälde.

Die Hauptstadt Ponta Delgada

Dreh- und Angelpunkt für Reisende ist Ponta Delgada, Hauptstadt und Regierungssitz des Archipels. Hier landen die Flugzeuge, im Hafen ankern die Kreuzfahrtschiffe. Die malerische Altstadt lässt sich gut zu Fuß erkunden, aber Achtung: Das charakteristische schwarz-weiße Kopfsteinpflaster eignet sich nicht für Stöckelschuhe. Rund um den zentralen Platz liegen nette Straßencafés, das Rathaus, ein typisch azorianischer Renaissancebau aus dem 16. Jahrhundert, und viele imposante Kirchen. Rund 90 Prozent der Azorianer sind katholisch.

Altstadtansicht mit Brunnen und Rathaus

Das Rathaus von Ponta Delgado ist ein Renaissancebau aus dem 16. Jahrhundert.

Ein besonderes Juwel findet sich etwas abseits der Touristenmeile: die Igreja de Colegio de todos os Santos. Der geschnitzte Barockaltar im Chor der Kirche zählt zu den eindrucksvollsten Kulturschätzen der Azoren. Typisch auch die Verbindung mit den für Portugal so typischen blau-weißen Fliesen, den Azulejos.
In der überdachten Markthalle Mercado da Graca werden seit 1848 vor allem lokale Produkte verkauft: Obst, Gemüse, frischer Fisch direkt aus dem Atlantik sowie Ananas. Zum Ananaskuchen passt ein Galao, die portugiesische Variante des Latte Macchiato: viel Milch mit kräftigem Espresso.
Sehenswert ist der "Jardim Antonio Borges", nur wenige Kilometer vom Zentrum entfernt. Angelegt hat ihn ein reicher Ananaszüchter Mitte des 19. Jahrhunderts als Privatgarten mit seltenen und exotischen Pflanzen aus aller Welt. Die hohe Luftfeuchtigkeit ließ eine dschungelähnliche Oase entstehen.

Sete Cidades: Zwei Kraterseen und ein Königsblick

Im Westen von São Miguel liegen in der atemberaubenden Vulkankraterlandschaft Sete Cidades die größten Seen der Azoren: der "Lagoa Verde" und der "Lagoa Azul". Der Legende nach sind das grüne und das blaue Wasser die Tränen einer verbotenen Liebe: Eine Prinzessin musste von ihrem Geliebten, einem Schäfer, Abschied nehmen, weil er nicht standesgemäß war. Beim letzten Treffen flossen die Abschiedstränen – genau an der Stelle, wo heute eine Bogenbrücke über den schmalen Durchlass führt, der die Seen verbindet. Aus den Tränen der grünäugigen Prinzessin entstand der grüne See, aus den Tränen des blauäugigen Schäfers der blaue See. Einen spektakulären Rundblick auf die Seen und die grünen Kraterwände bietet der Aussichtspunkt "Vista do Rei", der "Königsblick". Seinen Namen verdankt er dem damaligen portugiesischen König D. Carlos, der Anfang des letzten Jahrhunderts gerne hier verweilte. Im Gebiet der Sete Cidades gibt es mehrere Wanderwege; ein besonderes Naturerlebnis ist eine Kanutour auf den Seen.

Naturpark Ribeira dos Caldeirões: Canyoning im Dschungel

Abseilen am Wasserfall mitten im Dschungel und ein Sprung in acht Meter tiefe Naturpools: Canyoning im Naturpark Ribeira dos Caldeirões im Osten von São Miguel ist ein erfrischendes Abenteuer. Und in der Gruppe und mit fachkundiger Anleitung auch ein sicherer Spaß. Der Regen, der hier besonders häufig runterkommt, hat eine grüne Oase geschaffen mit Palmen, Farnen und Hortensien, die in diesem Naturpark noch üppiger blühen als anderswo.

Tamina Kallert im Neoprenanzug und mit Helm steht auf einem Felsen inmitten eines Wasserfalls

Tamina Kallert beim Canyoning im Naturpark Ribeira dos Caldeirões

Eine halbe Autostunde vom Canyoning-Park liegen die beiden letzten Teeplantagen Europas. Tee war auf den Azoren lange Zeit eines der wichtigsten Exportgüter. Ende des 19. Jahrhundert soll es an der Nordküste von São Miguel mehr als 60 Teeplantagen gegeben haben. Nur eine auf der Insel hat die wachsende Konkurrenz aus Fernost ohne Unterbrechung überlebt: Auf der Plantações de Chá Gorreana werden jährlich ca. 40 Tonnen Tee angebaut. Und in der Fabrik stehen Maschinen wie aus einer anderen Zeit, in denen die Blätter zu grünem und schwarzem Tee verarbeitet werden.

Die heißen Quellen von Furnas

In Furnas, direkt am gleichnamigen See, brodelt die Erde. Heiße Quellen, deren Wasser aus über 100 Meter Tiefe an die Oberfläche dringen, bilden blubbernde Löcher, aus denen schwefelhaltige Dämpfe steigen. Schwefelwasserstoff, den man nicht zu intensiv einatmen sollte, quillt unter Blasenbildung aus diversen Schlammlöchern. Die Naturgewalten auf den Azoren kann man hier spüren – und riechen.
Die schwefelhaltigen sogenannten Sulfatare prägen die gesamte Region, die zu einem Kurgebiet geworden ist. Die Schlämme werden zum Beispiel für Fangopackungen genutzt. In den dampfenden Erdlöchern wird ein ganz besonderer Eintopf gegart: Cozido à Portuguesa, mit Fleisch, Würstchen, Kartoffeln und Gemüse.
Nur einige Kilometer weiter liegt eine der schönsten Parkanlagen der Azoren: der Terra-Nostra-Park. Der mit Seen, Blumen, Bäumen und einem gigantischen Thermalbecken gestaltete Park ist mehr als 200 Jahre alt und gehört heute zu einem noblen Hotel. Gegen eine Eintrittsgebühr ist er tagsüber für jedermann zugänglich. Das Thermalbecken im Terra-Nostra-Park ist konstant 38 Grad warm und angeblich das größte Europas. An zwei Stellen fließt ständig ca. 60 Grad heißes Wasser in das Riesenbecken.

Tamina Kallert sitzt in freier Natur an einem Tisch und isst ein Eintopfgericht

Tamina genießt den in einem Erdloch gegarten Eintopf Cozido à Portuguesa.

Lesetipps für die Azoren

Michael Bussmann
Azoren. Reiseführer
Michael Müller Verlag, 7. Aufl. 2019
ISBN 978-3956545689
Preis: 22,90 Euro

Roman Martin
Azoren. 86 Küsten- und Bergwanderungen mit GPS-Tracks
Bergverlag Rother, 6. akt. Aufl. 2019
ISBN 978-3763343676
Preis: 14,90 Euro

Susanne Lipps
Azoren. Reiseführer plus Reisekarte
DuMont Reiseverlag, 2019
ISBN 978-3616020075
Preis: 18,90 Euro

Susanne Lipps
Azoren on Tour. 18 individuelle Touren über die Inseln
Polyglott, 2019
ISBN 978-3846403877
Preis: 13,90 Euro

Paul Bernhardt
Top 10 Reiseführer Azoren mit Extra-Karte und kulinarischem Sprachführer
Dorling Kindersley Reiseführer, 2018
ISBN 978-3734205705
Preis: 11,90 Euro

Stand: 19.04.2020, 20:15