Ein Korb mit Geld für Spenden

Richtig spenden

Das Gesamtvolumen an Spenden ist im Vergleich zum Vorjahr erneut gestiegen: von 11,7 Milliarden auf mehr als 12 Milliarden Euro. Worauf aber sollte ich beim Spenden achten? Das erklärt Burkhard Wilke, Geschäftsführer des Deutschen Instituts für soziale Fragen (DZI).

Gerade rund um die Weihnachtstage wird gerne und häufig gespendet. Dass das Spendenvolumen in diesem Jahr so hoch ausfalle, liege zum einen an den großzügigen Spenden für die Betroffenen der Flut im Sommer: „Dadurch hatten wir die größte innerdeutsche Spendensammlung, die es seit Beginn der Aufzeichnungen gegeben hat“, so Burkhard Wilke, Geschäftsführer des DZI.

Richtig spenden: Tipps vom Experten

Hier und heute 22.12.2021 07:15 Min. Verfügbar bis 22.12.2022 WDR

Neben der Flut: „Spenden-Booster“ Corona

Doch die Menschen würden in diesem Jahr darüber hinaus auch grundsätzlich viel spenden, sagt Wilke. Das sei ein Trend, der sich seit dem Beginn der Pandemie fortsetze.

 Eine Frau hält eine Geldbörse mit zahlreichen Banknoten und Bankkarten in der Hand.

Während der Corona-Zeit spenden Menschen zum Teil bewusster.

Corona habe offenkundig als „Spenden-Booster“ gewirkt. „Zum einen, weil die Menschen bewusst Solidarität zeigen wollen“, sagt Wilke. „Zum anderen, weil viele durch den mitunter gezwungenen Verzicht auf Konsum und Reisen mehr Geld übrig haben – und einen Teil davon spenden.“

Gespendet werde zum größten Teil für soziale, humanitäre oder caritative Maßnahmen im In- und Ausland, erklärt Wilke. Dies mache 75 Prozent aller Spenden aus. Die übrigen 25 Prozent gingen an Organisationen und Projekte in Bereichen wie Umwelt, Tierschutz, Bildung und Sport. 

Darauf sollte man achten

Beim Spenden sollte man allerdings nicht jeder Organisation blind vertrauen – das hat gerade wieder einmal eine gemeinsame Untersuchung von DZI und Stiftung Warentest gezeigt. Für das Januar-Heft haben diese Tierschutz-Organisationen unter die Lupe genommen.

Geld wird in Spendendose gesteckt

Viele Menschen spenden gerne für den Tierschutz und die Kinderhilfe.

Mit dem Ergebnis: „Die Bereitschaft zu Transparenz und die Fähigkeit zur Wirtschaftlichkeit sind in diesem Bereich eine Katastrophe“, sagt Burkhard Wilke. Das sei besonders gravierend, da der Tierschutz gemeinsam mit der Kinderhilfe „die beiden emotionalsten und für viele Menschen populärsten Spendenzwecke sind.“

Doch auch im Bereich Tierschutz gebe es selbstverständlich vertrauenswürdige Organisationen – bei denen eine Spende auch sinnvoll sei. Und im Gegenzug gebt es auch in den anderen Bereichen unseriöse und sogar betrügerische Spendensammler. So warnen Verbraucherschützer, Polizei und Politik jedes Jahr insbesondere zur Weihnachtszeit vor Betrügern, die die Spendenbereitschaft der Menschen ausnutzen möchten.

Spenden an seriöse Projekte

DZI-Geschäftsführer Burkhard Wilke

DZI-Geschäftsführer Burkhard Wilke hat Tipps rund um das Thema Spenden.

Wie man seriöse von unseriösen Spenden-Organisationen unterscheiden kann, erklärt Burkhard Wilke: „Wenn mit extremen Fotos oder zeitlichen Fristen emotionaler Druck aufgebaut wird, dann ist das immer ein schlechtes Zeichen.“ Ein Zeichen für seriöse Organisationen sei zudem das DZI-Spendensiegel: Dieses bekomme nur, wer unter anderem seine Finanzen transparent macht und bei der Werbung „nicht zu sehr auf die Tränendrüse drückt“.

Zudem führt das DZI auf seiner Internetseite eine Negativ-Liste – mit Organisationen, bei denen Sie von einer Spende abrät.

Grundsätzlich aber seien die meisten Spendenorganisationen in Deutschland vertrauenswürdig, sagt Wilke. Und es gebe inzwischen viele Möglichkeiten, sich im Vorfeld zu informieren. Schließlich habe sich auch die Transparenz der Organisationen selbst deutlich verbessert – mit entsprechenden Infos auf deren Internetseiten. Wer das wolle, könne daher besser denn je mit gutem Gewissen spenden.

Was fällt unter „Spende“?

Kleidung hängt an einem Kleiderständer

Nicht nur Geld fällt unter den Spendenbegriff.

Neben einer Geldspende für eine Hilfsorganisation könne das auch die Kleiderspende sein, das Kleingeld für den Obdachlosen oder auch Zeit, die man ehrenamtlich für einen guten Zweck arbeitet, so Wilke. Im Grunde sei die Spende einfach eine „Gabe ohne Gegenleistung“.

Bei den Berechnungen des jährlichen Spendenvolumens werden in der Regel allerdings nur die klassischen Geldspenden berücksichtigt. 

Spenden ist wichtig – gerade jetzt

„Jede Spende ist eine Geste der Zuwendung und der Wertschätzung“, sagt Burkhard Wilke. So zeige man damit etwa dem Obdachlosen: „Ich nehme Dich wahr.“ Auch wenn das Kleingeld kein substanzieller Betrag sei, sei dieser trotzdem ein Zeichen der Solidarität, „als Kitt in der Gesellschaft.“ 

Rat und Tat bei Hier und heute

Weitere Themen