Grünenthal zahlt 50 Millionen

Contergangeschädigte demonstrieren

Entschädigungszahlung für die Opfer

Grünenthal zahlt 50 Millionen

Mehr als 50 Jahre nach der Markteinführung des Schlafmittels Contergan will der Aachener Hersteller Grünenthal den Geschädigten noch einmal 50 Millionen Euro zahlen. Betroffene begrüßten die Entscheidung.

Margit Hudelmaier, die Vorsitzende des Bundesverbands der Contergangeschädigten, sprach von einem "wichtigen Schritt in die richtige Richtung". "Für mich ist das ein absolut historisches Ereignis." Die Forderungen für mehr Lebensqualität seien aber noch nicht alle erfüllt. "Unser Ziel haben wir noch nicht erreicht." Die Betroffenen forderten weiterhin eine Einmalzahlung von je 100 000 Euro, eine Verdreifachung der Entschädigungsrente und eine Regelung der Rente. Viele müssten wegen ihrer Behinderung früher in Rente gehen und hätten dadurch finanzielle Einbußen.

Eine Sprecherin des Interessenverbands Contergangeschädigter Nordrhein-Westfalen erklärte, es sei bekannt gewesen, dass das Unternehmen einen weiteren Betrag an die Stiftung geben wolle. Lediglich die Höhe der Summe sei noch nicht klar gewesen. Die Landesverbände wollen laut der Sprecherin jetzt beraten, ob sie mit der Form der Auszahlung und möglichen Bedingungen, die daran geknüpft seien könnten, einverstanden sind.

Zahlung in mehreren Schritten

Grünenthal plant, die 50 Millionen Euro in mehreren Schritten in die Conterganstiftung einzuzahlen. Damit soll deren Kapitalstock verdoppelt werden, teilte der Aachener Pharmahersteller am Donnerstag (08.05.08) in einer Erklärung mit. Mit den Geldern soll einmal pro Jahr ein zusätzlicher, persönlicher Betrag für die Geschädigten ermöglicht werden. Die Gespräche hierzu mit den Regierungsfraktionen und dem Bundesfamilienministerium seien auf einem "sehr guten Wege", hieß es. Darüber hinaus werde sich Grünenthal für eine spezielle medizinische Versorgung der Betroffenen einsetzen.

Wirkstoff Thalidomid führte zu Missbildungen

Grünenthal hatte das Medikament Contergan 1957 auf den Markt gebracht. Dessen Wirkstoff Thalidomid führte dazu, dass weltweit etwa 10.000 Kinder mit Missbildungen zur Welt kamen. Nach einem Vergleich mit den Opfern hatte der Aachener Hersteller Grünenthal 1971 rund 56 Millionen Euro (110 Millionen Mark) in eine Conterganstiftung eingezahlt, der Bund steuerte weitere 51 Millionen Euro bei. Seit 1997 ist das Geld aufgebraucht. Der Fonds wird seither allein vom Bund finanziert.

Im Dezember 2007 hatten sich erstmals Vertreter des Bundesverbandes der Contergangeschädigten mit dem Grünenthal-Geschäftsführer Sebastian Wirtz getroffen, um über weitere Entschädigungen zu verhandeln. In Deutschland leben derzeit noch etwa 2.700 Geschädigte. Sie erhalten derzeit eine Rente von maximal 545 Euro. Die Bundesregierung hat inzwischen eine Verdoppelung der Entschädigungsrenten zum 1. Juli 2008 auf den Weg gebracht.

Stand: 08.05.2008, 14:04