FAQ - Fragen und Antworten

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FAQ - Fragen und Antworten

Hier können Sie sich zu häufig gestellten Fragen informieren. Zu Angelegenheiten einzelner Mitarbeiter kann sich der WDR aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht öffentlich äußern. Im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten beantworten wir hier jedoch zentrale Fragen zu dem Thema.

Wie steht Intendant Tom Buhrow zu den Vorwürfen gegen Mitarbeiter des WDR?

„Wir gehen im WDR respektvoll miteinander um, Übergriffe und Machtmissbrauch – in welcher Form auch immer – dulde ich nicht.“

Grundsätzlich gilt: Wenn der WDR konkrete Hinweise auf mögliches Fehlverhalten erhält, werden diese sehr sorgfältig geprüft und im erwiesenen Fall auch arbeitsrechtlich geahndet, so wie es in der Vergangenheit auch der Fall war. Sexuelle Übergriffe werden im WDR nicht geduldet.

Wie viele Fälle sexueller Belästigung im WDR gibt es?

Wir möchten hierzu bis auf weiteres keine Zwischenstände abgeben. Im Fokus stehen derzeit die sorgfältige Aufarbeitung von aktuellen Verdachtsfällen und die unabhängige Prüfung durch Frau Dr. Wulf-Mathies (siehe Frage „Was tut der WDR jetzt?“). Zu gegebener Zeit werden wir selbstverständlich über den Sachstand informieren.

Über wie viele Fälle hat die Presse bislang berichtet?

Bisher wurde über entsprechende Vorwürfe gegen sechs Mitarbeiter des WDR und einer Person aus dem – wie der Stern schrieb – „WDR-Kosmos“ berichtet. Allen Hinweisen geht der WDR derzeit gründlich nach. Vorwürfe gegen einen dieser Mitarbeiter sind dem WDR seit 2016 bekannt und hatten auch entsprechende disziplinarische Konsequenzen. In einem weiteren Fall hat der WDR 2010 entsprechende Hinweise geprüft, etwaige Vorfälle konnten jedoch nicht aufgeklärt werden, da die möglicherweise Betroffenen anonym bleiben wollten. Alle anderen Vorwürfe sind neu.

Der WDR hat Ende April aufgrund von entsprechenden Hinweisen einen WDR-Mitarbeiter freigestellt. Prof. Gebhard Henke, Leiter des Programmbereichs Fernsehfilm, Kino und Serie, streitet in der Öffentlichkeit die Vorwürfe ab. Inzwischen hat der WDR Herrn Henke gekündigt. Auf welcher Grundlage?

In den vergangenen Wochen haben mehr als zehn Frauen dem WDR über sexuelle Belästigung und unangemessenes Verhalten durch den bisherigen Leiter des Programmbereichs Fernsehfilm, Kino und Serie berichtet, teils in Zusammenhang mit Machtmissbrauch.

Der WDR überprüfte die entsprechenden Schilderungen sorgfältig und hörte den Beschuldigten an. Henke wies die Vorwürfe zurück. Im Ergebnis hielt der WDR die von den Frauen geschilderten Vorfälle für schwerwiegend und glaubhaft.

Warum beschäftigt der WDR zur Aufklärung der Fälle eine Kanzlei, die den WDR in der Vergangenheit bereits arbeitsrechtlich vertreten hat?

Bei der Beauftragung der Kanzlei im April 2018 ging es in einem ersten Schritt zunächst darum, möglichen Betroffenen kurzfristig eine Anlaufstelle außerhalb des WDR anzubieten. Eine schnelle Reaktion ist in solchen Fällen besonders wichtig, da für arbeitsrechtliche Maßnahmen gegen Beschuldigte sehr kurze Fristen gelten. Ansprechpartnerinnen sind dabei explizit zwei Anwältinnen, die den WDR bisher in arbeitsrechtlichen Fragen nicht vertreten haben. Inzwischen hat der WDR eine weitere Kanzlei beauftragt, aktuellen Hinweisen auf mögliche Fälle sexueller Belästigung nachzugehen.

An diese haben sich bereits eine ganze Reihe von Frauen gewandt.

Ist es richtig, dass es bereits früher Vorwürfe gegen einen WDR-Mitarbeiter, konkret einen Korrespondenten, gab?

Nach den Presseveröffentlichungen Anfang April 2018 gab es intern Hinweise auf die Zeit Anfang der 90er Jahre. Mögliche Beschwerden sind nach unserer Kenntnis nicht aktenkundig. Die Hinweise werden in die Aufklärung einbezogen.

Jörg Schönenborn kannte als Chefredakteur Gerüchte aus der Zeit um 1990, denen er nach seinem Amtsantritt unter Einbeziehung der Personalabteilung  nachgegangen ist. Diese Prüfung konnte jedoch keinen Nachweis für die Gerüchte erbringen.

Erst 2016 gab es konkrete Vorwürfe gegen den betreffenden Mitarbeiter, denen die amtierende Chefredakteurin Sonia Mikich in enger Abstimmung mit dem Fernsehdirektor über Monate nachgegangen ist. In der Folge wurde für den Fall weiterer Vorwürfe die Kündigung angedroht.

Fernsehdirektor Jörg Schönenborn hat zu diesem Fall gesagt:

„Ich habe damals Personalentscheidungen auf der Grundlage der mir vorliegenden Fakten getroffen. Ich hätte mir gewünscht, dass ich die Informationen, die uns heute vorliegen, schon damals gehabt hätte. Denn mit dem Wissen von heute hätte man damals andere Entscheidungen getroffen.“

Inzwischen wurde diesem Mitarbeiter gekündigt.

Ist der WDR Vorwürfen sexueller Belästigung in der Vergangenheit nicht ausreichend nachgegangen?

Auch in der Vergangenheit hat der WDR entsprechende Vorwürfe verfolgt. So hat etwa im Jahr 2010 die damalige Geschäftsleitung eine intensive und sorgfältige Prüfung angestoßen. Der WDR hatte in diesem Fall u.a. einen zusätzlichen Weg der Beschwerde geschaffen, indem eine Ombudsperson benannt wurde. Alle möglicherweise Betroffenen wollten allerdings ausdrücklich anonym bleiben. Auch ließen sich etwaige Vorfälle nicht konkretisieren. Insofern konnten die damaligen Anschuldigungen weder entkräftet noch belegt und somit nicht abschließend aufgeklärt werden.

In der Presse wird in diesem Zusammenhang auch über frühere Anschuldigungen berichtet, die dem damaligen Chefredakteur Jörg Schönenborn bekannt gewesen sein sollen. Es ist falsch, dass es sich dabei um Vorwürfe sexueller Belästigung handelte. Richtig ist, dass er ca. 2002 über Dritte einen Hinweis bekommen hat. Dabei ging es nicht um sexuelle Belästigung, sondern um unangemessenes Führungsverhalten, konkret eine Einladung in die Betriebskantine. Diesen Hinweis hat der damalige Chefredakteur verfolgt. Mit dem betreffenden Mitarbeiter wurde über sein Führungsverhalten gesprochen.

Wie gingen die damaligen Vorgesetzten 2010 mit dem abschließenden Bericht der Ombudsperson um?

Jörg Schönenborn kannte als Chefredakteur das Ergebnis der Untersuchung unmittelbar nach deren Abschluss im Juni 2010 und hat sich darüber sowohl mit der zuständigen Abteilungsleiterin Tina Hassel als auch mit der Ombudsperson ausgetauscht. Die Empfehlung der mit dem Vorgang betrauten Ombudsperson, die generelle Problematik in der Abteilung zu thematisieren und für solche Gefahren zu sensibilisieren, hat die damalige Abteilungsleiterin zeitnah umgesetzt, beispielsweise in Konferenzen.

Ist es richtig, dass ausgerechnet gegen den Mitarbeiter, der 2010 auf mögliche sexuelle Belästigung hingewiesen hat, eine Ermahnung ausgesprochen wurde?

Der WDR hatte den Kollegen 2010 keinesfalls wegen seiner Hinweise auf mögliche sexuelle Belästigung ermahnt. Vielmehr führte die Untersuchung zu keinen verwertbaren Ergebnissen. Es gab weder konkrete Vorwürfe noch namentlich Betroffene. Zu diesem Zeitpunkt war es notwendig, deutlich zu machen, dass entsprechende Anschuldigungen gegenüber Dritten nicht weiter erhoben werden sollten.

Richtig ist aber auch: Der WDR hat dem Mitarbeiter gegenüber bis ins Jahr 2015 mehrfach eingeräumt, dass im damaligen Verfahren unklar kommuniziert wurde, welche Rolle der Mitarbeiter nach seinen Hinweisen bei der weiteren Aufklärung übernehmen sollte. Im Ergebnis ist die Ermahnung für den WDR seither gegenstandslos.

Warum heißt es bei bestimmten Fragen in den Medien: "Der WDR will sich zu diesem Thema nicht äußern"?

Der WDR hat Anfragen, die er zu diesem Themenkomplex erhalten hat, so ausführlich wie möglich beantwortet. Fragen zu den konkreten Vorwürfen, die gegen Mitarbeiter des WDR erhoben wurden, konnten und können aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes, der Fürsorgepflicht als Arbeitgeber und aus arbeitsrechtlichen Erwägungen nicht beantwortet werden. Antworten des WDR zu anderen Aspekten wurden teilweise von den Medien nicht in ihre Berichterstattung übernommen.

Stimmt es, dass führende WDR-Mitarbeiter sexuelle Belästigung „gedeckt“ hätten?

Nein! Nachdem der Spiegel berichtete, WDR-Verantwortliche hätten die Brisanz des Themas möglicherweise unterschätzt, machte die BILD daraus: Führungskräfte des WDR hätten sexuelle Belästigung "gedeckt". Die Belege dafür habe der Spiegel. Das ist faktisch falsch, und das hat der Spiegel selbst auch nie behauptet.

Was tut der WDR jetzt, wo weitere Details zu den Vorwürfen bekannt geworden sind?

Der WDR geht allen Hinweisen derzeit mit der gebotenen Sorgfalt nach. Die frühere ÖTV-Vorsitzende und Mitglied der EU-Kommission a.D. Monika Wulf-Mathies prüft auf Bitte von WDR-Intendant Tom Buhrow derzeit, wie der WDR mit Hinweisen auf sexuelle Belästigung in der Vergangenheit umgegangen ist. Für ihre unabhängige Prüfung erhält Monika Wulf-Mathies uneingeschränkten Zugang zu allen Informationen, Vorgängen sowie Gesprächspartnern. Die Ergebnisse werden nach Abschluss der Untersuchung veröffentlicht. Darüber hinaus hat der WDR zwei Kanzleien beauftragt, aktuellen Hinweisen auf weitere mögliche Fälle sexueller Belästigung nachzugehen.

Die Geschäftsleitung hat darüber hinaus ein Paket von Sofortmaßnahmen zur besseren Prävention sexueller Belästigung im WDR verabschiedet. Die Senderspitze will damit nicht nur ein klares Zeichen setzen, sondern auch handeln und erste Verbesserungen schnell umsetzen.

Demnach wurden und werden aktive Führungskräfte in diesem Themenfeld zusätzlich geschult und sensibilisiert. Das Thema ist auch immer noch Gegenstand mehrerer Dialogveranstaltungen, sowohl unter Führungskräften als z.B. auch mit freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Weitere Termine haben sowohl in der Zentrale in Köln als auch in der Region und mit Blick auf die Auslandsstudios stattgefunden.

Darüber hinaus wird es mehr Informationen zum Thema sexuelle Belästigung geben. Allen aktiven und künftigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wird schriftlich mitgeteilt, dass der Sender sexuelle Belästigung nicht duldet und welche konkreten Beschwerdestellen es gibt. Dies gilt insbesondere auch für Freie, Auszubildende und Aushilfen.

Seit Mitte April können zudem alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über eine eigens eingerichtete E-Mail-Adresse der Geschäftsleitung Vorschläge machen, wie der WDR seine Prävention in diesem Bereich weiter verbessern kann. Zum Teil wurden diese Vorschläge bereits umgesetzt.

Der WDR beabsichtigt außerdem, dauerhaft eine externe Ombudsstelle einzurichten, an die sich Betroffene wenden können. Das Vorgehen wird mit dem Personalrat abgestimmt.

Stand: 14.06.2018, 14:00