Die Beauftragte für Integration und kulturelle Vielfalt des WDR

Die neue Integrationsbeauftragte des WDR IVA Krtalic

Vielfalt ist gelebter Alltag

Die Beauftragte für Integration und kulturelle Vielfalt des WDR

Als größter öffentlich-rechtlicher Sender in Deutschland ist es unser Ziel, die vielfältige Gesellschaft in NRW in unseren Programmen und in unserer Belegschaft zu spiegeln und zu fördern.

Die Gesellschaft in unserem Sendegebiet ist von Einwanderung und interkulturellem Kontakt in allen Lebensbereichen geprägt. Deshalb hat der WDR als erster Sender die "Charta der Vielfalt" unterzeichnet und Integration und kulturelle Vielfalt zur zentralen Aufgabe für die Entwicklung eines Programms für alle erklärt.

Die Beauftragte für Integration und interkulturelle Vielfalt, Dr. Iva Krtalic verantwortet diese Aufgabe mit der WDR-Vielfaltsstrategie. Diese fußt auf zwei Säulen: Zum einen wird der WDR als Unternehmen stetig zu einem kulturell vielfältigen Medienhaus weiterentwickelt. Hierzu gehört beispielsweise die Personalentwicklung. Zum anderen sollen die journalistischen Produkte und die WDR-Programme die Vielfalt in NRW abbilden und begleiten – und zwar sowohl in ihren Reibungen als auch in ihrer geradezu unspektakulären Alltäglichkeit. Dies geschieht durch eine Sensibilisierung der Redaktionen, ein Beispiel hierfür sind Module in der Aus- und Fortbildung.

Darüber hinaus ist Dr. Iva Krtalic Ansprechpartnerin für WDR-Mitarbeiter*innen bei interkulturellen Fragen und sie übernimmt außerdem die Zusammenarbeit auf der Ebene der ARD und der EBU in diesem Bereich. Zu ihrer Arbeit gehört die Vernetzung mit gesellschaftlichen Akteur*innen und die Teilnahme an Fachkonferenzen, wo sie als Expertin für den Themenbereich kulturelle Vielfalt und Medien spricht. Dr. Iva Krtalic vertritt den WDR im "Dialogforum Medien und Integration" des Nationalen Aktionsplans Integration, im Beirat für Teilhabe und Integration des Landes NRW und in der Landesinitiative "Vielfalt verbindet – Interkulturelle Öffnung als Erfolgsfaktor". Sie promovierte dazu, wie Mediendiskurse mit den Begriffen der Einwanderungsgesellschaft umgehen und war bereits langjährige WDR-Redakteurin u.a. bei WDR COSMO.

Eine Auswahl der aktuellen Projekte:

Medienforschung: Wie nutzen junge Menschen mit Zuwanderungsgeschichte die Medien?

Um diese Frage zu beantworten, haben die WDR-Medienforschung und die Integrationsbeauftragte 2019/20 ein zweistufiges Forschungsprojekt durchgeführt. Im ersten Teil kamen junge Menschen aus NRW im Alter zwischen 20 und 40 Jahren mit internationalen Biografien zum WDR-Publikumsgespräch, um mit Programmkolleg*innen verschiedener Bereiche über ihre Mediennutzung und Wünsche an die Medien und speziell die Angebote von WDR/ARD zu diskutieren. Die besonders relevanten Fragestellungen wurden anschließend in einer großen Online-Umfrage erhoben. Eins der zentralen Ergebnisse: der Wunsch nach Sichtbarkeit von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte als Protagonist*innen und Medienschaffende in den Programmen.

Offene Diskussion über die Medienarbeit: Impulsgespräche der Integrationsbeauftragten

Integration und Interkulturalität gehören zu den Themen, die im Redaktionsalltag immer wieder für Fragen sorgen: vom journalistischen Umgang mit Rassismus, über die Auswirkungen vom Hass auf die publizistische Arbeit, bis hin zur Berichterstattung über bestimmte gesellschaftliche Gruppen. Die Integrationsbeauftragte bietet mit einer Reihe von WDR-internen Impulsgesprächen ein Forum zur Selbstreflexion und zum Austausch. Unter den Gästen der Impulsgespräche waren bereits der Soziologe Aladin El-Mafaalani, der Beauftragte der Bundesregierung für den Kampf gegen den Antisemitismus Felix Klein, der Terrorismus-Experte Peter Neumann oder der NSU-Opferanwalt Mehmet Daimagüler.

WDR grenzenlos: Junge Talente mit internationalen Biografien

Die Talentwerkstatt WDR grenzenlos professionalisiert seit 2005 junge Journalist*innen mit internationaler Herkunft. Alle zwei Jahre startet das Format, zunächst festigt eine Seminarphase die journalistischen Grundlagen, eine anschließende Hospitanz in verschiedenen WDR-Redaktionen gibt praktische Erfahrung und den Einblick in die Arbeitsabläufe. Über hundert Teilnehmende konnten so professionalisiert werden. Viele davon haben sich anschließend beim Auswahlverfahren für das WDR-Programmvolontariat durchgesetzt und einige sind heute programmprägende Persönlichkeiten im WDR. Im September 2019 kamen erstmals ehemalige Teilnehmende von WDR grenzenlos zu einem Alumni-Treffen zusammen. Die zentralen Fragen im Austausch waren: Was muss getan werden, um den Weg von journalistischem Nachwuchs mit internationalem Hintergrund in die Medienhäuser einfacher zu gestalten?

Orientierungshilfe: Nennung der Herkunft in der Berichterstattung

Die "Kölner Silvesternacht" 2015/16 markierte einen Paradigmenwechsel in der Diskussion um den medialen Umgang mit ausländischen Straftäter*innen oder tatverdächtigen Personen. In welchen Fällen sollte ihre Herkunft genannt werden? Die Entscheidung fällt Journalist*innen oft schwer, eine eindeutige Ja- oder Nein-Antwort gibt es meistens nicht. Um bei dieser schwierigen Entscheidungsfindung zu helfen, hat eine Arbeitsgruppe mit Redakteur*innen einen Fragenkatalog entwickelt, der bei der Einzelfallentscheidung helfen kann.

Die Zahlen: Wie sieht es mit der Belegschaft aus?

Seit 2014 erhebt die WDR-Hauptabteilung Personal gemeinsam mit dem Büro der Integrationsbeauftragten Daten zum Migrationshintergrund bei Neueinstellungen. Bei dieser Umfrage machen die neu eingestellten Mitarbeiter*innen, Volontär*innen, Auszubildenden und Trainees freiwillig und anonym Angaben. Die Daten, die auch zwischen journalistischen und nicht-journalistischen Arbeitsbereichen unterscheiden, zeigen einen Trend hin zu einer noch vielfältigeren Belegschaft, was vor allem bei den Volontär*innen sichtbar ist.

Aus- und Fortbildung: Die journalistische Arbeit in der pluralen Gesellschaft

Der WDR führt seit vielen Jahren das zweitägige Modul "Interkulturelle Berichterstattung" als festen Bestandteil der Ausbildung von Volontär*innen durch. Darin werden Fragen rund um die Einwanderungsgesellschaft und interkulturelles Leben im Kontext der journalistischen Praxis diskutiert. In praktischen Übungen geht es darum, die "Brille der eigenen Biografie" in der Arbeit zu erkennen und daraus resultierende Stereotype auch unter Zeitdruck zu vermeiden. Dieses Angebot wurde ausgeweitet und als Teil eines Gesamtpakets der Aus- und Fortbildung zum Thema Umgang mit der pluralen Gesellschaft angeboten. In kombinierbaren Modulen werden hier Kenntnisse über die Einwanderungsgesellschaft, rassismuskritisches Denken und Arbeiten sowie Raum zur Reflektion unterschiedlicher Perspektiven für verschiedene Zielgruppen angeboten.

Aktuelles zum Thema interkulturelle Vielfalt: Newsletter der Integrationsbeauftragten

In ihrem monatlich erscheinenden Newsletter informiert die Integrationsbeauftragte über neue Entwicklungen in der Diskussion rund um Einwanderung, Integration, (Anti-)Rassismus, Interkultur. Der Newsletter stellt Menschen und Projekte im WDR vor, gibt Empfehlungen über Neuerscheinungen und schlägt Gesprächspartner*innen zu aktuellen Themen vor.