27. Oktober 1981 - Urho Kekkonen tritt zurück

Urho Kekkonen, finnischer Staatspräsident

Stichtag

27. Oktober 1981 - Urho Kekkonen tritt zurück

Er ist ein Vierteljahrhundert an der Macht: Urho Kekkonen wird vier Mal als finnischer Staatspräsident bestätigt. "Es ist mein Lebenswerk, die finnische Politik der Neutralität in die Tat umzusetzen, für die Erhaltung und Stärkung dieser Politik bis zu meinem letzten Atemzug zu kämpfen", sagt er kurz nach seinem Amtsantritt im Februar 1956. Diese Neutralität ist die Lebensversicherung der Finnen, denn der Kalte Krieg hat das Land mit vier Millionen Einwohnern in eine heikle Lage gebracht. Das kapitalistische Finnland teilt sich eine 1.300 Kilometer lange Grenze mit der kommunistischen Großmacht UdSSR. Das verlangt einen politischen Balanceakt.

Der konservative Kekkonen setzt sich für die Souveränität Finnlands auch körperlich ein - und schwitzt dabei gehörig: Er macht seine Privat-Sauna zum Platz für vertrauensbildende Gespräche und sitzt dort mit wichtigen Männern aus Moskau zusammen. "Gemeinsam mit Kossygin in der Sauna von 20.30 bis 02.15 Uhr", schreibt Kekkonen in sein Tagebuch. Darin notiert er auch: "Chruschtschow sagte mir mehrfach, was die Beziehung zu uns angeht, sind Sie ein richtiger Magier."

Gewiefter Stratege und Netzwerker

Der am 3. September 1900 in der kleinen Gemeinde Pielavesi als Sohn eines Waldarbeiters geborene Kekkonen gilt als gewiefter Stratege. "Er hat sich über die Jahre hinweg - bevor er noch politisch aktiv wurde - ein weitreichendes persönliches Netzwerk aufgebaut als Jurist und Sprecher von verschiedenen Verbänden", sagt Historiker Jan Hecker-Stampehl vom Nordeuropa Institut der Berliner Humboldt-Universität. Kekkonen erlebt als junger Mann, wie Finnland nach der Oktoberrevolution 1917 von Russland unabhängig wird. Im anschließenden finnischen Bürgerkrieg zwischen Kommunisten und Bürgerlichen kämpft er als 18-Jähriger auf der bürgerlichen Seite. Danach studiert Kekkonen Jura, wird Parlamentsabgeordneter für den konservativen Landbund und später Justiz- und Innenminister. Von 1950 bis 1956 ist er Regierungschef.

Als Kekkonen finnischer Präsident wird, beobachtet der Westen seine Sauna-Diplomatie mit großer Skepsis. Immer wieder tauchen Gerüchte auf, er werde vom sowjetischen Geheimdienst KGB bezahlt. Kekkonen kamen solche Verdächtigungen gelegen: "Für mich ist diese Meinung des Westens nützlich, ich muss den Sowjets irgendwie vermitteln, dass ich im Westen als rätselhaft und sogar verdächtig gelte, das stärkt meine Position gegenüber den Sowjets", notiert er in seinem Tagebuch.

Vermittler bei den KSZE-Verhandlungen

Kekkonens Taktieren zahlt sich aus. Als sich beim Bau der Berliner Mauer 1961 die internationale Lage zuspitzt, will Moskau in Finnland Truppen stationieren. Kekkonen überzeugt Chruschtschow, dass dies nur die Kriegsängste anheizen würde. Kekkonen betätigt sich 1975 auch als einflussreicher Vermittler während der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) in Helsinki, die mit ihrer Schlussakte zur Entspannung im Ost-West-Verhältnis beiträgt. Finnlands Beziehung zur Bundesrepublik bleibt allerdings belastet. Dort soll der Begriff "Finnlandisierung", der von konservativen Politikern und Medien benutzt wird, all diejenigen treffen, die - wie Kekkonen - im Verdacht stehen, den Ausverkauf westlicher Interessen zu betreiben.

Die Wähler Finnlands hingegen honorieren Kekkonens Politik der Neutralität. Bei der letzten Wiederwahl votieren 80 Prozent für den Mann, der inzwischen als Vater der Nation gilt. Am 27. Oktober 1981 muss Kekkonen aus gesundheitlichen Gründen zurücktreten. Er stirbt am 31. August 1986 in Helsinki.

Stand: 27.10.2011

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