13. August 1961 - Beginn des Baus der Berliner Mauer

Die amerikanische Militärpolizei verstärkt ihre Präsenz an der Sektorgrenze zu Ostberlin

Stichtag

13. August 1961 - Beginn des Baus der Berliner Mauer

Am frühen Morgen des 13. August liegt West-Berlins Regierender Bürgermeister Willy Brandt im Schlafwagen auf dem Weg nach Kiel. Bundeskanzler Konrad Adenauer entspannt sich daheim in Rhöndorf, US-Präsident John F. Kennedy erholt sich beim Segeln und der britische Premier Harold Macmillan geht auf die Jagd. Niemand im Westen scheint an diesem Sonntag mit einem weltbewegenden Ereignis zu rechnen.

In Ost-Berlin aber beginnt die Verwirklichung eines seit neun Jahren streng geheim verfolgten Plans: Die SED-Spitze um Parteichef Walter Ulbricht will die Hauptstadt der DDR von den West-Sektoren hermetisch abriegeln. Lange ist der Bau einer Mauer entlang der 45 Kilometer langen Stadtgrenze am Veto aus Moskau gescheitert. Noch am 15. Juni 1961 hat Ulbricht auf einer Pressekonferenz vor westlichen Journalisten erklärt: "Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten."

Schlupfloch Sektorengrenze

Doch dem selbsternannten Arbeiter- und Bauernstaat droht die Ausblutung. Obwohl die Kontrollen an der innerdeutschen Grenze seit Gründung der DDR immer dichter wurden, sind bis zum Sommer 1961 knapp vier Millionen DDR-Bürger in den Westen geflohen. Vor allem die kaum zu kontrollierende innerstädtische Berliner Sektorengrenze wird von "Republikflüchtlingen" zunehmend als Schlupfloch in die Freiheit genutzt. Außerdem pendeln täglich rund 50.000 Menschen, die ihr Geld im Westteil der Stadt verdienen, aber im billigen Osten wohnen.

Diese die Existenz der DDR bedrohende Situation führt nicht nur in der UdSSR zu einer Neubewertung von Ulbrichts Mauerplänen. Selbst der mächtige US-Senator und Vorsitzende des Außenpolitischen Ausschusses, William Fulbright, erklärt am 30. Juli 1961 im amerikanischen Fernsehen: "Ich verstehe nicht, warum die Ostdeutschen nicht ihre Grenzen schließen. Ich glaube, sie hätten ein Recht dazu."

Brandenburger Tor wird blockiert

Am 7. August vereinbaren die West-Alliierten und die Bundesrepublik vorbereitende Maßnahmen für den Fall einer "drastischen Abriegelung" Ost-Berlins. Zwei Tage später informiert der Bundesnachrichtendienst BND Adenauer über einen Besuch Ulbrichts in Moskau, um die Genehmigung für den Bau einer Mauer einzufordern. Am gleichen Tag beginnen die Ost-Berliner Behörden mit der Aufnahme der Personalien aller im Westen arbeitenden Grenzgänger. Sie werden über die politische Notwendigkeit belehrt, ihre Arbeit beim Klassenfeind aufzugeben, und müssen ab sofort Mieten, Abgaben und öffentlichen Gebühren in harter D-Mark bezahlen.

Am Samstag, dem 12. August, meldet der BND, dass die DDR-Spitze die Abriegelung Ost-Berlins beschlossen hat – ohne allerdings den genauen Tag der Ausführung zu kennen. In der Nacht zum Sonntag, gegen 4 Uhr morgens, beginnt ein Heer aus Volkspolizisten, Soldaten der Nationalen Volksarmee, paramilitärischen Kampfgruppen und der Stasi mit der Schließung der Sektorengrenze. Als die Berliner erwachen, ist der Status quo für die kommenden 28 Jahre festgeschrieben: Überall ziehen sich Stacheldrahtbarrieren quer durch die Stadt. Zwischen dem Potsdamer Platz und dem Brandenburger Tor steht bereits eine Mauer aus Betonplatten und Hohlbausteinen.

Stand: 13.08.2011

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