11. Juli 2013 - Irland lockert sein Abtreibungsverbot

Demonstranten vor dem Parlamentshaus

11. Juli 2013 - Irland lockert sein Abtreibungsverbot

In Irland hat die römisch-katholische Kirche eine gewaltige Macht. Seit dem Unabhängigkeitskrieg gegen Großbritannien und dem anschließenden Bürgerkrieg in den 1920er Jahren gilt sie letztendlich als die einzige moralische Autorität. Die Kirche nutzt dies, um der Gesellschaft den Stempel aufzudrücken. Selbst Krankenhäuser und Schulen werden von Nonnen und Priestern dominiert. Die irische Verfassung von 1937 wird von Eamon de Valera als konservativem Präsidenten des Exekutivrates des Irischen Freistaats in enger Abstimmung mit dem Erzbischof von Dublin formuliert – bevor dieser den Entwurf dem Parlament zur Abstimmung vorlegt, holt er sich das Placet des Vatikan.  

Irland lockert Abtreibungsverbot (am 11.07.2013)

WDR 2 Stichtag | 11.07.2018 | 04:14 Min.

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Frauen müssen den Tod riskieren 

Die Verfassung sieht vor, außerhalb der Ehe schwanger gewordene Frauen auch gegen ihren Willen in "Mother and Baby Homes" zu stecken; Kinder, die nicht sterben, werden unter anderem in die USA verkauft, ihre Mütter enden rechtelos und nahezu eingekerkert in klostereigenen Wäschereien, die von 1765 bis 1996 existieren. Bis 1979 ist die Anti-Baby-Pille verboten, noch 1986 lehnen zwei Drittel der Bevölkerung die zivile Ehescheidung in einem Referendum ab. Abtreibung ist ohnehin streng verboten – selbst bei Vergewaltigungsopfern und Frauen mit psychischen Problemen. Noch 1983 wird ein Gesetz dahingehend verschärft, dass das ungeborene Leben genauso schützenswert sei wie das der Frau. 

14 Jahre Gefängnis für eine Pille 

2012 stirbt die Inderin Savita Halappanavar an einer Fehlgeburt – weil die Ärzte ihr aus Angst vor den scharfen Abtreibungsgesetzen nicht helfen wollen. Die 31-jahrige Zahnärztin liegt schon im Koma, aber weil das Herz ihres Babys noch schlägt, weigert sich das Krankenhaus, sie zu behandeln. In der Folge gehen viele Irinnen auf die Straße. Am 11. Juli 2013 erreichen die Demonstranten zumindest, dass das Parlament ein Gesetz verabschiedet, dass einen Schwangerschaftsabbruch vorsieht, wenn das Leben der Mutter in Gefahr ist.  

Im Mai 2016 stimmen die Iren mit der großen Mehrheit von 66,4 Prozent für eine Verfassungsänderung, die es unter anderem erlaubt, auch im eigenen Land Abtreibungen vornehmen zu lassen.

Anmerkung: In der ersten Fassung endete der Text mit den strafrechtlichen Konsequenzen für abtreibungswillige Irinnen vor dem Referendum 2016.

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Stand: 11.07.2018, 00:00