7. August 1965 - Beginn der Hippie-Bewegung in La Honda

leicht bekleidete junge Leute auf Wiese beim Musizieren

Stichtag

7. August 1965 - Beginn der Hippie-Bewegung in La Honda

Was ein Hippie ist, weiß Ronald Reagan ganz genau. "Ein Hippie ist jemand, der aussieht wie Tarzan, geht wie Jane und riecht wie ihr Schimpanse Cheetah", verkündet der einstige TV-Cowboy und Gouverneur von Kalifornien seinen vorwiegend besorgten Landsleuten Mitte der 60er Jahre in einer Rede. Das beruhigte Gelächter des Establishments ist ihm gewiss.

Wovor Reagans Zuhörer Angst haben, sind ihre eigenen Kinder. "Tausende von jungen Menschen werden diese amerikanische Gesellschaft mit ihrer Verlogenheit, ihrem billigen Schein und ihrer Fernsehkultur einfach nicht mehr mitansehen können“, prophezeit der Autor und Ur-Hippie aus der "Beat Generation" Allen Ginsberg der alten und der neuen Generation von US-Bürgern. Für kurze Zeit behält er recht.

Gelebte Utopie

Skandalautor Ginsberg ist einer der Gäste, die am 7. August 1965 von Los Angeles aus auf der Route 1 die Küste entlangbrausen, um bei San Gregorio zum Haus von Ken Kesey in La Honda abzubiegen. In seinem Buch "Einer flog über das Kuckucksnest" hat sich Kesey vor drei Jahren mit dem menschenverachtenden Psychiatriesystem der USA auseinandergesetzt. Jetzt hat der bekennende LSD-Konsument zu einer rauschenden Party geladen. Vor Ort überrascht Kesey seine bewusstseinserweiterten Gäste mit einer Lichtershow und Ginsberg jault stundenlang Hindugesänge ins Mikro, danach wollen alle die Welt verbessern. Aber zunächst einmal wird der Trupp von lauernden Polizisten abgefangen und gefilzt.

Neben Ginsberg, seinem Dichterkollegen Hunter S. Thompson und Mitgliedern der Motorradgang "Hells Angels" sind auch die Aktionskünstler der Gruppe "Merry Prankers" auf Keseys Fete. In einem bunt bemalten Tourbus reisen sie fortan durchs Land, um ihre Mission von unendlicher Freiheit zu verkünden – bevor sie 1967 nach Los Angeles zurückkehren. Dort haben sich nach der Initialzündung von La Honda bereits andere Hippies angesiedelt. Es ist der "Summer of Love": mit Konzerten, Festivals und Lesungen, kostenlosen Mittagsessen, freier Liebe und freier medizinischer Versorgung im Hippie-Viertel Haight-Ashbury. Eine gelebte Utopie.

Teuflisches Ende

Im Spätsommer 1967 sieht die Lage schon anders aus. Dem Ansturm der Jugend aus aller Welt sind die Ur-Hippies nicht gewachsen. Harte Drogen haben in die Szene ebenso Einzug gehalten wie Gewalt. Auf einer symbolischen Beerdigung tragen die Väter der Bewegung den angesagten Begriff des "Hippies" zu Grabe. Am Beginn des Trauerzugs marschiert Allen Ginsberg, der schon bei der legendären Party in La Honda ganz vorne mit dabei war.

Ebenso wie die Rocker der "Hells Angels", die dem Flower-Power-Gedanken 1969 bei einem als Gegenstück zu Woodstock geplanten Konzert der Rolling Stones auf dem Altamont Speedway bei Livermore in Kalifornien endgültig den Garaus machen. Als Ordner engagiert, prügeln sie sich ausgerechnet zum Song "Sympathy For the Devil" durch die Ränge. Und erstechen den Schwarzen Meredith Hunter direkt vor der Bühne.

Stand: 07.08.2015

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Stand: 07.08.2015, 00:00