19. Juni 1910 - Erster Vatertag in den USA

In den USA wird zum 1.Mal ein Vatertag gefeiert

Stichtag

19. Juni 1910 - Erster Vatertag in den USA

Wenn grölende Männer mit merkwürdiger Gewandung und Bier im Bollerwagen betrunken durch die Straßen ziehen, dann ist in Deutschland Vatertag. Dabei stammt die Mutter aller Vatertage aus den USA. Und findet dort auch nicht an Christi Himmelfahrt statt, sondern an jedem dritten Sonntag im Juni.

Dem US-Präsidenten jedenfalls ist der "Father’s Day" alljährlich eine Ansprache wert. "Wer noch kein Geschenk hat: Es ist noch Zeit genug!", mahnt Barack Obama aus gegebenem Anlass einmal in einer solchen. Und: "Die Wahrheit ist: Was auch immer wir unseren Vätern geben, kann nie das aufwiegen, was unsere Väter uns geben." In den USA nämlich feiert Papi nicht wie in Deutschland mit Kumpels sich selbst. In den USA wird Papi gefeiert von seinen Kindern.

Idee im Geist es Muttertags

Die Idee zum Vatertag hat Anfang des 20. Jahrhunderts eine junge Frau namens Sonora Smart Dodd. Ihr Vater William hat den amerikanischen Bürgerkrieg überlebt, geheiratet und sechs Kinder gezeugt. Bei der Geburt des letzten ist seine Frau gestorben. Danach hat der Kriegsveteran die Kinder auf einer Farm im Osten des US-Bundesstaates Washington alleine großgezogen. 1909 ist Tochter Sonora Smart Dodd 28 Jahre alt und sitzt im Sonntagsgottesdienst, in dem der Pfarrer die Gemeinde auf den Muttertag einschwört. Wer aber, fragt sich Dodd, ehrt Väter wie den ihren für ihre Tapferkeit und die Entbehrungen im Dienste der Familie? Und: Wann?

Dodd wendet sich an offizielle Stellen. Sie sucht die Redaktionen der regionalen Zeitungen auf und wirbt bei jeder Gelegenheit für ihre Idee eines "Father’s Day". Mit Erfolg: Am 19. Juni 1910 begeht die Stadt Spokane nahe der Farm ihrer Kindheit den ersten offiziellen Vatertag. 1924 macht US-Präsident Calvin Coolidge daraus eine nationale Angelegenheit, die Präsident Lyndon B. Johnson 1966 per Proklamation auf den dritten Sonntag im Juni legt. In den Rang eines nationalen Feiertags kommt der "Father’s Day" dann 1974 unter Richard Nixon.

Alkohol statt Weihwasser?

Der deutsche Vatertag kann sich auf andere Traditionen berufen. Hier sind Herrentouren als Teil der industriellen Freizeitkultur bereits seit der Mitte des 19. Jahrhunderts belegt. An Christi Himmelfahrt wird das Fest vielleicht verortet, weil damit auf feuchtfröhliche Weise an die Prozession der elf Jünger zu einem Berg in Galiläa erinnert werden sollte, wo die Apostel ihren Missionsauftrag zur Christianisierung der Menschheit erhielten.

Davon jedenfalls ist Manfred Becker-Huberti überzeugt. Schon im Mittelalter habe man "das Weihwasser ersetzt durch Alkohol", sagt der Kölner Theologe: Die Apostelprozession jedenfalls habe damals "nicht gerade vor Frömmigkeit getrieft".

Stand: 19.06.2015

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