15. Dezember 1939 - Premiere des Films "Vom Winde verweht"

Rhett Butler (Clark Gable) umarmt in dem Filmklassiker Vom Winde verweht von 1939 Scarlett O'Hara (Vivien Leigh).

Stichtag

15. Dezember 1939 - Premiere des Films "Vom Winde verweht"

Ein Traumpaar sind sie nicht, weder auf der Leinwand, noch bei den Dreharbeiten. Im Film verfehlen sich Rhett Butler und Scarlett O'Hara in ihrer ungleichzeitigen Liebe. Am Set können sich die beiden Hauptdarsteller Vivien Leigh und Clark Gable nicht leiden. Die disziplinierte Engländerin findet Gable faul und ekelt sich vor seinem Mundgeruch. Er ist genervt von ihrem Perfektionismus. Und die Dreharbeiten unter dem besessenen Produzenten David O. Selznick verlaufen so dramatisch wie die Liebesgeschichte des Films.

Erst nach 1.400 Frauen findet der Produzent die perfekte Scarlett

Der 34-jährige Selznick hat sich kurz zuvor mit einem eigenen Studio selbstständig gemacht. Er gilt als ehrgeizig und risikobereit – und hat die Rechte an dem unbekannten Buch einer Margaret Mitchell gekauft. Je erfolgreicher der Roman wird, desto wahnwitziger werden Selznicks Ambitionen: Sein Film soll der größte aller Zeiten werden. Allein die Suche nach einer Scarlett-Darstellerin beschäftigt ihn über Monate: 1.400 Frauen sprechen vor, 90 kommen zu Probeaufnahmen.

Obwohl sämtliche Hollywood-Diven Schlange stehen, kann sich Selznick für keine erwärmen. Ohne Hauptdarstellerin beginnt er im Dezember 1938 mit den Dreharbeiten: Für den Brand von Atlanta lässt er die alten King-Kong-Kulissen abfackeln. Ausgerechnet an diesem Abend, so will es die Legende, präsentiert ihm sein Bruder die junge Engländerin Vivien Leigh. Selznick schickt sie sofort zu Testaufnahmen.

Kühle Atmosphäre bei den Dreharbeiten

Die 25-Jährige wirkt zerbrechlich wie ein Porzellanpüppchen, spielt aber zugleich mit einer ungeheuren Leidenschaft. Für Selznick ist sie die perfekte Scarlett. Für die Figur des Rhett Butler, da ist sich Hollywood längst einig, kommt kein anderer in Frage als Clark Gable. Der Film soll eine Fabel werden über die Ungleichzeitigkeit der Liebe bei zwei Menschen ähnlich starken Charakters. "Und wenn auch du und ich und rings um die ganze Welt in Stücke gehen, ich liebe dich. Weil wir gleich sind. Außenseiter beide, selbstsüchtig, gerissen, aber wir sehen den Dingen ins Auge und nennen sie beim Namen", sagt Rhett Butler im Film. Doch Rhett und Scarlett verfehlen sich letztendlich.

Höhen und Tiefen erlebt auch die Crew bei den Dreharbeiten. Das Skript wird ständig umgeschrieben. Nach nur zehn Drehtagen feuert Selznick den Regisseur George Cukor und ersetzt ihn durch Victor Fleming. Als Drehbuch-Doktor wird Ben Hecht engagiert. "Um Zeit zu sparen, beschlossen Fleming und Selznick, mir die Rollen vorzuspielen. Selznick übernahm die Rolle der Scarlett O’Hara. Die Veranstaltung begann jeden Morgen um sieben Uhr und dauerte bis zwei Uhr in der Früh", erinnert sich Hecht.

Vom Backfisch zur Geschäftsfrau

Selznick schläft kaum noch und schluckt ständig Aufputschmittel. Als Kontrollfreak überschüttet er seine Crew mit tausenden von Memos, in denen er noch die winzigsten Kleinigkeiten festlegt. Ähnlich besessen ist Vivien Leigh, die bis zu 18 Stunden am Tag arbeitet und in 22 Wochen nur vier Tage Pause hat. Überzeugend meistert sie Scarletts Entwicklung vom kapriziösen Backfisch zur harten Geschäftsfrau. "Ich habe begriffen, dass Geld nun mal das Wichtigste in der Welt ist und ohne Geld will ich nie wieder sein, und wie ich's verdiene, soll mir vollkommen gleich sein", sagt sie im Film.

Gegen Ende der Dreharbeiten sind Heulkrämpfe und Tobsuchtsanfälle an der Tagesordnung. Nach einem heftigen Streit mit Vivien Leigh bekommt der Regisseur Victor Fleming einen Nervenzusammenbruch und muss durch Sam Wood ersetzt werden.

Doch "Vom Winde verweht", uraufgeführt am 15. Dezember 1939 in Atlanta, wird ein gigantischer Erfolg. Noch heute führt Selznicks Meisterstück, inflationsbereinigt, die Liste der kommerziell erfolgreichsten Filme aller Zeiten an. Dabei gibt es nicht einmal ein Happy End: Rhett verlässt Scarlett, der nur ein Fünkchen Hoffnung bleibt, dass sie ihn doch noch zurückzuerobern kann. "Ich werde einen Weg zu ihm finden. Aber nicht heute, verschieben wir's auf morgen!"

Stand: 15.12.2014

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