25. November 1884 - Todestag der Frauenrechtlerin Mathilde Anneke

Stichtag

25. November 1884 - Todestag der Frauenrechtlerin Mathilde Anneke

"Auf denn, ihr Schwestern! Werft den hohlen Flitter des Putzes und der Eitelkeit ab und schafft, dass Euch der Mann um dessentwillen liebt, was ihr seid!", sagt Mathilde Franziska Anneke 1852 auf einer Tagung in New York. Die schöne Frau hinter dem Rednerpult, mit schwarzem Haar und blauen Augen, fordert die Gleichberechtigung der Geschlechter. "Erst mit der Befreiung des Weibes kann die soziale Frage gelöst werden!", ruft sie den Männern im Saal zu. Mit Reden wie diesen geht die Deutsche, die erst seit drei Jahren in den USA lebt, in die Geschichte der US-amerikanischen Frauenbewegung ein.

Der erste Mann entpuppt sich als Alkoholiker

In ihrer Heimatstadt Sprockhövel am Südrand des Ruhrgebiets ist sie längst vergessen. "Die Kenntnis über Mathilde Anneke war hier völlig verschüttet", erzählt Karin Hochkamp, Stadtarchivarin in Sprockhövel. "Ins Bewusstsein der Stadt geriet sie erst durch Maria Wagner, einer Professorin aus den USA, die in den 1970er-Jahren eine Biographie über Anneke schrieb und das Geburtshaus sehen wollte."

In Sprockhövel wurde Mathilde Anneke 1817 geboren. Doch die wohlhabende Familie verarmt durch Fehlspekulationen des Vaters. Dass Mathilde einen reichen Weinhändler heiratet, sieht zunächst nach einer glücklichen Fügung aus. Doch ihr Mann entpuppt sich als gewalttätiger Alkoholiker. Sie verlässt ihn, geht nach Münster und versucht den Unterhalt für sich und ihre kleine Tochter allein zu verdienen - mit Gedichten, Gebetbüchern, Reiseberichten, Theaterstücken und Zeitungsartikeln. "Sie hat sehr produktiv gearbeitet, aber ihre Beiträge wurden schlecht bezahlt. Immer wieder klagte sie darüber, wie entwürdigend es sei, von den Almosen der Freunde zu leben und den eigenen Lebensunterhalt nicht bestreiten zu können", erklärt Karin Hochkamp.

"Ich habe auf dieser Erde schon viele Leben ausgelebt"

Beim Demokratischen Verein trifft sie ihren zweiten Ehemann, Fritz Anneke, einen ehemaligen Offizier, der wegen seiner liberalen Gesinnung aus dem Militärdienst entlassen wurde. In Köln machen sie ihre Wohnung zu einem Treffpunkt für Revolutionäre. Und Mathilde Anneke verfasst ihre erste frauenrechtlerische Schrift: "Das Weib in Conflict mit den socialen Verhältnissen". Sie schreibt darin: "Warum auch sollte das Weib überhaupt die schweigsame Dulderin sein? Warum noch länger die demütige Magd, die ihrem Herrn die Füße wäscht?"

Nach dem Scheitern der deutschen Demokratiebewegung fliehen die Annekes 1849 wie Tausende andere in die USA. Dort kämpft Mathilde weiter, für das Frauenwahlrecht, gegen die Sklaverei und für den Schutz der Indianer. Als sie am 25. November 1884 im Alter von 67 Jahren in Milwaukee stirbt, erscheinen zahlreiche Nachrufe. Sie würdigen eine Frau, die von sich sagen konnte: "Ich habe auf dieser Erde schon viele Leben ausgelebt."

Stand: 25.11.2014

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