4. November 1964 - "Fantomas" kommt ins Kino

"Fantomas"-Darsteller Jean Marais mit Fantomas-Maske

Stichtag

4. November 1964 - "Fantomas" kommt ins Kino

Seit ein gewissenloses Verbrechergenie ganz Frankreich terrorisiert, findet der cholerische Kommissar Juve keine Ruhe mehr: "Vorne Fantomas, hinten Fantomas! Von morgens bis abends nur Fantomas!"

Juves größtes Problem: Niemand kennt das Gesicht des dämonischen Schurken, der in vielerlei Masken auftritt und für den es keine Grenzen zu geben scheint. Auch der Journalist Fandor gerät in die Fänge von Fantomas - und bei Juve in Verdacht, selbst Fantomas zu sein. Der verwirrte Kommissar triumphiert, und tobt doch wieder nur in einer Falle, die er selbst dem Erzfeind gestellt hat.

Verrat am finsteren Original

Regisseur André Hunebelle verfilmt die Jagd auf den Schurken Fantomas als actionreiche Krimikomödie mit halsbrecherischen Stunts und aberwitzigen Spezialeffekten. Am 4. November 1964 wird "Fantomas" mit Mantel- und Degenstar Jean Marais und Komiker Louis de Funès in den Hauptrollen uraufgeführt. Der irre Mix aus Kinder-Grusel, Science-Fiction und Klamauk trifft den Publikumsgeschmack voll. Viereinhalb Millionen Franzosen strömen in die Kinos und machen "Fantomas" zu einem der größten Kassenschlager. Als der Film 1966 in der Bundesrepublik startet, sorgt Louis de Funès' Mimikakrobatik auch hier für Lachsalven.

Cineasten aber verachten Hunebelles überdrehte Komödie als Verrat am finsteren Original. Für sie gehört Fantomas zum Pantheon der düsteren Finsterlinge wie Dr. Caligari, Dr. Mabuse und Nosferatu. Als "König des Verbrechens" haben die Autoren Pierre Souvestre und Marcel Allain 1911 ihren Maskenmann Fantomas erdacht. Als skrupellosen Anarcho-Terroristen, der Angst und Schrecken verbreitet, indem er Schwefelsäure in Kaufhaus-Parfums gießt, pestverseuchte Ratten aussetzt und seine Opfer mit dem Gesicht nach oben unter die Guillotine schnallt.

Umgestylt zum Sci-Fi-Unhold

Die Veröffentlichung des Horror-Romans wird in Frankreich zum nationalen Ereignis. In ganz kurzer Zeit gehen mehr als 800.000 Fantomas-Exemplare über den Ladentisch. Das Duo Souvestre/Allain schreibt in zwei Jahren 31 Fortsetzungen, die von den Franzosen millionenfach verschlungen werden. Jeden Monat müssen die Autoren einen kompletten 400-Seiten-Roman abliefern. Um Zeit zu sparen, schreiben Souvestre und Allain nicht selbst, sondern diktieren auf Wachswalzen, die von Stenotypistinnen in 24-Stunden-Schichten abgetippt werden. Als Souvestre 1914 mit 39 Jahren an einer Lungenkrankheit stirbt, setzt Allain die Fantomas-Serie alleine fort.

Stummfilm-Pionier Louis Feuillard erkennt schon 1913 das Kassenpotenzial der Fantomas-Stories. Mit René Navarre in der Titelrolle dreht er in schneller Folge eine Serie von fünf Filmen und landet den sensationellsten Erfolg des noch jungen Kinos. In den nächsten Jahrzehnten versuchen sich immer wieder Regisseure an dem Stoff. Doch mit den Schrecken der Weltkriege verliert der Bösewicht, der mit Bomben, Flammenwerfer und Giftgas Terror verbreitet, seine Magie. Erst umgestylt zum grotesken Sci-Fi-Unhold in einer Slapstick-Komödie feiert Fantomas 1964 sein großes Comeback. Zwei Fortsetzungen spielen ebenfalls Millionen ein. Fantomas alias Jean Marais gerät darin etwas in den Hintergrund. Die Show gehört Louis de Funès, der als Dauer hyperventilierender Kommissar Juve die Rolle seines Lebens findet.

Stand: 04.11.2014

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