3. September 1939 - Vivi Bach wird geboren

Stichtag

3. September 1939 - Vivi Bach wird geboren

Freche Blondinen aus Skandinavien bringen Pep ins deutsche Schnulzenkino der Wirtschaftswunderjahre. Ende der Fünfziger sitzen deshalb einige Herren der Constantin-Film in einem Kopenhagener Theater. Ihr Interesse gilt einer auffallend hübschen jungen Schauspielerin, die in Dänemark schon in drei Filmen Talent bewiesen hat.

Vivi Bach, als Bäckerstochter Vivienne Bak 1939 in Kopenhagen geboren, hat gerade ihre Schauspiel- und Gesangsausbildung absolviert. Die Herren der Constantin sind begeistert von ihrem frischen Kindfrau-Charme und bieten Probeaufnahmen an. Ein allzu verlockendes Angebot für die junge Dänin: "Ich wollte die Welt doch auch einmal ohne Smörrebröd sehen."

Kein Hit als Schlagersängerin

In "Immer die Mädchen" wirbelt Vivi Bach 1959 zum ersten Mal über deutsche Leinwände, als kesses Töchterchen von Hans-Joachim Kulenkampff. Die "dänische Bardot" bezaubert das Publikum nicht nur durch ihr niedliches Sprachproblem mit dem deutschen "sch" und dreht ein Lustspiel nach dem anderen. "Ich ging immer irgendwie jodelnd durch Niederbayern oder Oberbayern oder Österreich und war sehr fröhlich – jahrelang", erinnert sich Vivi Bach an ihre goldenen Filmstar-Zeiten.

Daheim hatte sie als Jazz-Sängerin bereits einigen Erfolg, nun singt sie Schlager im Duett mit Rex Gildo. Solo kann sie anders als die Skandinavien-Importen Siw Malmquist und Gitte keine Hits verbuchen. Auch der Versuch, sich als Filmproduzentin zu verwirklichen, wird ein Reinfall. Aber beim Dreh zu ihrem Flop "Das Geheimnis der roten Quaste" lernt Vivi Bach 1963 den drahtigen Dietmar Schönherr kennen, den Mann ihres Lebens. "Wir haben uns angeguckt und am nächsten Tag waren wir schon ein Paar." 1966 sind sie verheiratet.

Mit "Wünsch dir was" in die TV-Geschichte

Obwohl der leicht aufbrausende Schönherr bei seiner Frau schnell den Spitznamen "Adrenalino" weghat, wird die Star-Ehe 47 Jahre halten. Mehrere Male stehen sie gemeinsam vor der Filmkamera. Doch während Schönherr als "Orion"-Commander McLane mit der "Raumpatrouille" einen TV-Klassiker landet, werden die Rollenangebote für Vivi Bach immer seltener. 1967 brilliert das telegene Paar live als Entertainer-Doppel. Mit Witz und Charme präsentieren die beiden die Eröffnungs-Gala der Berliner Funkausstellung - zum ersten Mal in Farbe. Als Moderatoren der innovativen ZDF-Familienshow "Wünsch dir was" schreiben Vivi Bach und Dietmar Schönherr von 1969 bis 1972 Fernsehgeschichte.

Rund 30 Millionen Bundesbürger schauen regelmäßig zu, und nicht wenige empören sich über die stets provokanten Spielaufgaben für die Kandidaten. Nach "Wünsch dir was" ist Vivi Bach immer seltener auf dem Bildschirm zu sehen. Ihre Musiksendung "Vivat Vivi" fällt durch und wird schnell abgesetzt. 1976 besingt sie im Duett mit Dietmar Schönherr ihre letzte Platte, danach verschwindet sie aus der Öffentlichkeit. Vom Showgeschäft ausrangiert, beginnt Vivi Bach zu malen und zu schreiben. Doch Osteoporose, Magersucht und Herzprobleme machen ihr mehr und mehr zu schaffen. Am 22. April 2013 erliegt Vivi Bach mit 73 Jahren im Schlaf einem Herzstillstand. Keine 15 Monate später stirbt auch Dietmar Schönherr.

Stand: 03.09.2014

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