25. März 1924 - Griechenland proklamiert die Republik

Stichtag

25. März 1924 - Griechenland proklamiert die Republik

"Entthronung des Königs durch die Nationalversammlung", meldet die Deutsche Allgemeine Zeitung im März 1924 euphorisch aus Athen. "Artilleriesalven verkünden das historische Ereignis, das von der Nationalversammlung und der Stadt mit unbeschreiblicher Begeisterung aufgenommen wurde."

Heutige Historiker sehen die Proklamation der Republik Griechenland bedeutend nüchterner. Denn bereits elf Jahre nach der Ausrufung ist das Abenteuer Republik nur ein weiteres Kapitel in der wechselvollen jüngeren Geschichte Griechenlands. "Im Endeffekt", urteilt etwa der Gräzist Heinz Richter, "hat die Ausrufung der Republik null Bedeutung."

Verhängnisvoller Traum von Großgriechenland

Das Datum der Proklamation hat für die Griechen symbolische Bedeutung: Es ist ihr Nationalfeiertag. Am 25. März 1821 beginnt der Unabhängigkeitskampf gegen das Osmanische Reich, der 1830 zur Gründung des Königreichs durch die Schutzmächte Griechenlands – Großbritannien, Russland und Frankreich – führt. Sie importieren als Herrscher Otto I., den Sohn von Bayern-König Ludwig I. 1862 ersetzt Großbritannien ihn durch Georg I. aus dem schleswigschen Haus Glücksburg und schreibt die Wandlung zur parlamentarischen Monarchie vor. "Von da an", so der Historiker Richter, "ist der König ein britischer Vizekönig und sein Land eine verkappte Kolonie."

Georg I. wird 1913 von einem Attentäter erschossen. Sein Sohn Konstantin I. plädiert für Griechenlands Neutralität im heraufziehenden Weltkrieg und wird deshalb 1917 von Regierungschef Eleftherios Venizelos zur Abdankung gezwungen. Venizelos führt das Land an der Seite von Deutschlands Gegnern in den Krieg gegen die Türkei, beseelt vom Traum eines Großgriechenlands in den Grenzen des einstigen Oströmischen Reichs von Byzanz. Doch die "megali idea", die Große Idee, endet im Desaster. 1922 wird Griechenland von den Türken unter Mustafa Kemal Atatürk vernichtend geschlagen.

Rolle rückwarts zur Monarchie

Mit dem Frieden von Lausanne kommt es zu einem Bevölkerungsaustausch: 500.000 Türken müssen Griechenland verlassen, das im Gegenzug von 1,5 Millionen Griechen aus Kleinasien überflutet wird. Unterdessen hat König Konstantin I. seinen Thron per Volksabstimmung zurückerhalten, nachdem der von Venizelos 1917 installierte Alexandros I. einem Affenbiss erlegen war. Nach dem verlorenen Krieg muss Konstantin allerdings auf Druck der Offiziere erneut abdanken. Seinem Sohn und Nachfolger Georg II. hinterlässt er ein ausgeblutetes und tief gespaltenes Land. Nur wenige Monate bleiben dem König, bis er der Republik weichen muss.

Im Dezember 1923 flieht Georg II. außer Landes, denn monarchiefeindliche Offiziere drohen mit Putsch, sollte das Parlament nicht der Umwandlung in eine Republik zustimmen. Am 25. März 1924 gibt die Nationalversammlung dem Druck nach und beendet die Monarchie. Doch die neue Staatsform bringt Griechenland keine nennenswerte Zäsur. Ein Jahr später setzt General Theodoras Pangalos die Verfassung außer Kraft, wird aber 1928 vom alten und neuen Premierminister Venizelos entmachtet. 1935 dann erzwingen dieselben Offiziere, die elf Jahre zuvor die Republik durchdrückten, die Restauration der Monarchie. Sie holen Georg II. zurück auf den Thron und errichten eine Militärdiktatur. Die kurze Ära der Republik bleibt eine Randnotiz der Geschichte.

Stand: 25.03.2014

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