13. März 1979 - Europäisches Währungssystem tritt in Kraft

15 europäische Währungen liegen auf einer EU-Flagge

Stichtag

13. März 1979 - Europäisches Währungssystem tritt in Kraft

Es ist ein Lieblingsprojekt von Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD). Er hat gemeinsam mit dem französischen Staatspräsidenten Giscard d'Estaing jahrelang dafür gekämpft. Am 13. März 1979 ist es so weit: Das angestrebte Europäische Währungssystem (EWS) tritt in Kraft. Es soll mit festen, aber anpassungsfähigen Wechselkursen für die EG-Länder eine stabile Währungszone schaffen. Der Vorteil: Feste Wechselkurse bieten Planungssicherheit, wenn Unternehmen ihre Produkte im Ausland produzieren oder verkaufen wollen. Das fördert den Handel und kommt im Idealfall auch den Verbrauchern zugute.

Das EWS soll für Europa das Bretton-Woods-System von 1945 ersetzen, das nach dem Zweiten Weltkrieg für die ganze westliche Welt feste Wechselkurse garantierte. Mit dem Dollar als Leitwährung sorgte es fast 30 Jahre lang für Stabilität und Wachstum. Doch Anfang der 1970er Jahre ist Bretton Woods am Ende. Der wichtigste Grund: Die USA haben zur Finanzierung des Vietnamkriegs so viele Dollar gedruckt, dass das Vertrauen in die Leitwährung ausgehöhlt ist. Deshalb will West-Europa ein eigenes Wechselkurs-System etablieren.

ECU als Vorstufe für gemeinsame Währung

Helmut Schmidt und Giscard d'Estaing entwerfen für das EWS feste Regeln, um feste Wechselkurse besser als bisher abzusichern. So darf zum Beispiel jede Mitgliedswährung nur um 2,25 Prozent nach oben oder unten schwanken. Sonst muss die jeweilige Zentralbank mit Stützungskäufen oder -verkäufen einschreiten. Um die Kurse gegen Spekulationen verteidigen zu können, zahlt außerdem jedes Mitgliedsland 20 Prozent seiner Gold- und Devisenreserven in einen sogenannten Währungspool ein. Als interne Verrechnungseinheit wird eine Kunstwährung geschaffen: die "European Currency Unit" (ECU). Sie soll die Vorstufe für eine spätere gemeinsame Währung sein.

Wie das Bretton-Woods-System erlaubt auch das EWS eine gewisse Flexibilität: Gehen die Kurse der Mitgliedswährungen trotz allem zu weit auseinander, ist es möglich, gemeinsam Auf- und Abwertungen zu vereinbaren. In den 1980er Jahren ist das System relativ erfolgreich, es entsteht ein gemeinsamer europäischer Markt. Allerdings setzt sich in dieser Zeit auch der Neoliberalismus durch. Die damit verbundene Deregulierung der Finanzmärkte ermöglicht Währungsspekulationen im großen Stil - und zeigt die Schwächen des EWS. Der Währungspool ist zu klein. Spekulanten wetten auf Abwertungen und sorgen mit hohem Einsatz dafür, dass es auch so kommt. 1993 ist das System am Ende. Offiziell bleibt es zwar erhalten, doch die Regierungen müssen die Schwankungsbreite auf 15 Prozent nach oben und unten erweitern. Feste Wechselkurse existieren nur noch auf dem Papier.

Wirtschaftshistoriker: "Euro ist unflexibler"

Die Krise des EWS führt dazu, dass in den Maastrichter Verträgen das alte Ziel einer gemeinsamen Währung aufgegriffen wird: 1999 wird der Euro eingeführt. "Letztlich ist der Euro im Vergleich zum EWS-System ein wesentlich unflexibleres System, das keine Auf- und Abwertung von Währungen zulässt - was ein großes Problem ist in Zeiten der Krise", sagt Max Bank, Wirtschaftshistoriker an der Universität Köln. Das zeigt sich beispielsweise an den Auswirkungen des Verhaltens der Bundesrepublik, die nach der Euro-Einführung einseitig ihre Wettbewerbsfähigkeit erhöht: Sie unterbietet jahrelang das vereinbarte Inflationsziel von zwei Prozent und etabliert dazu mit den Hartz-Gesetzen einen Niedriglohn-Sektor.

Die Folge: Die Reallöhne in Deutschland stagnieren für viele Jahre und deutsche Produkte werden billiger. Andere Euroländer werden dadurch unterboten und fallen zurück, ohne wie früher mit einer Abwertung gegensteuern zu können. Nur so hat die Bundesrepublik ihre Exporte in die Euroländer massiv ankurbeln können. Unter anderem deshalb übersteht Deutschland auch die Weltwirtschafts- und Finanzkrise ab 2008 vergleichsweise glimpflich. Hierzulande wird das von manchen als Erfolg gefeiert. Doch in Europa sorgt es für schlechte Stimmung. Denn mindestens zum Teil geht dieser Vorteil Deutschlands zulasten der europäischen Nachbarn.

Stand: 13.03.2014

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