22. Februar 1879 – Woolworth eröffnet den ersten "Five-Cent Store"

Woolworth-Store

Stichtag

22. Februar 1879 – Woolworth eröffnet den ersten "Five-Cent Store"

Mit nicht einmal 16 Jahren steht der junge Kaufmann Frank Winfield Woolworth mit seiner Ware auf einer Kirmes. Aber die Farmer, die hierher gekommen sind, um sich mit Haushaltsprodukten einzudecken, sind weniger in Kauflaune als erwartet. Woolworth muss erkennen, dass er sich verkalkuliert hat: An einem Tag ist die Warenmenge kaum zu verkaufen.

Da kommt Woolworth eine einfache, aber geniale Idee: Er wirft seine Waren zum Einheitspreis von einem Nickel, umgerechnet fünf Cent, auf den Markt. Der psychologische Effekt ist enorm. Auf der Suche nach Schnäppchen kommen die Kunden scharenweise. Und kaufen die Bestände leer.

Die erste Pleite

Geboren wird Woolworth 1852 als Sohn eines Kartoffelbauern in Rodman im US-Bundesstaat New York. Eine Lehre als Einzelhandelskaufmann eröffnet ihm den Weg zur Unternehmerkarriere. 1879 leiht er sich 300 Dollar und eröffnet am 22. Februar 1879 in der Kleinstadt Utica seinen ersten Five-Cent-Store. Schon damals gibt es eine Kundin, die die ganze Nacht über in der eisigen Kälte ausharrt, um als erste ihr Schnäppchen zu machen. "Hätte ich geahnt, was in den darauf folgenden Jahren geschah, dann hätte ich mir sicherlich ihren Namen gemerkt und das Geld aufbewahrt", wird sich Woolworth später erinnern. "So weiß ich nicht einmal, wer sie war."

Ohnehin hat Woolworth selbst zunächst keinen Grund, an den Erfolg seines Geschäfts zu glauben. Trotz Handzettelwerbung verirren sich zu wenig Kunden in die abgelegene Gegend. Der erste Tagesumsatz beträgt neun Dollar, nach einer Woche sind es 244: nicht einmal genug, um die Kosten zu decken. Woolworth geht pleite – und macht weiter. 1879 eröffnet er in Toplage einen neuen Laden in Lancaster, Pennsylvania. Diesmal ist die Ware für fünf und zehn Cent zu haben.

Napoleon als Vorbild

Die Rechnung geht auf: Jetzt floriert das Geschäft. Zur Jahrhundertwende gibt es amerikaweit bereits 54 Läden, die nach ihrem Besitzer benannt sind. Der Jahresumsatz beträgt fünf Millionen Dollar. 1905 geht Woolworth an die Börse. Seine Aktien verkauft er selbst per Haustürgeschäft. Unter den nächsten 100 Jahren wird keines ohne Dividendenausschüttung sein.

Seinen Reichtum stellt Woolworth gern zur Schau. In Europa kauft er alles an Antiquitäten auf, was mit seinem großen Vorbild Napoleon und dessen Zeit zusammenhängt. Damit wird er später seinen schlossähnlichen 56-Zimmer-Landsitz Winfield Hall bestücken. 1913 lässt der Unternehmer mit dem Woolworth Building am New Yorker Broadway eine 260 Meter hohe Kathedrale des Konsums im neogotischen Stil errichten. Das damals höchste Gebäude der Welt, dessen Kaufpreis von 13,5 Millionen Dollar Woolworth wie üblich in bar bezahlt, wird von US-Präsident Woodraw Wilson eröffnet: Als er im Weißen Haus auf einen Knopf drückt, gehen im Woolworth Building 80.000 Lichter an.

1927 eröffnet in Berlin die erste deutsche Woolworth-Filiale. Der Gründervater erlebt das Ereignis nicht mehr mit. Er stirbt 1919 in Glen Cove. Sein Firmenvermögen vererbt er seinen Mitarbeitern. Mit dem Barvermögen von 50 Millionen Dollar kann sich seine Enkelin Barbara Hutton immerhin noch einen aufwändigen Lebensstil und sieben teuere Scheidungen finanzieren. Als sie stirbt, sind vom Woolworths Geld auf ihrem Konto gerade noch einmal 69 Dollar übrig.

Stand: 22.02.2014

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