15. Februar 1959 - Erste mobile Radarmessung in NRW

1. deutsche Radarfalle in Düsseldorf

Stichtag

15. Februar 1959 - Erste mobile Radarmessung in NRW

Wenn die Polizei in NRW zum 24-Stunden-Blitzmarathon gegen Raser ausrückt, kommt modernste Radartechnik zum Einsatz. Am Straßenrand unauffällig postiert lauert dann ein länglicher grauer Kasten mit fünf lichtempfindlichen Sensoren. Eine Messstrecke von 50 Zentimetern reicht dem Gerät, um aus den Helligkeitsprofilen der vorbeirasenden Autos deren Geschwindigkeit exakt errechnen zu können.

Fährt ein Auto zu schnell, schießen zwei Kameras Fotos vom Kennzeichen, vom Fahrer und von der Rückfront. Schwer, sich da später herauszureden. Ende der 50er-Jahre dagegen haben Temposünder oft gute Chancen für einen Widerspruch. Als 1957 innerorts das Tempolimit von 50 km/h eingeführt wird, sind die Messmethoden noch simpel und die Gerätschaften meist nicht einmal amtlich geeicht.

16.000 Verkehrstote jährlich

Über das damalige Funk-Stopp-Verfahren muss Polizeihauptkommissar Bernd Störmer aus Wesel heute selbst schmunzeln: "Da waren drei Kollegen eingesetzt. Der erste sagte an, wenn ein zu schnelles Fahrzeug kommt: 'Jetzt, 3-2-1-0'. Dann haben alle gleichzeitig die Zeit gestoppt und am Ende wurde das schlechteste Ergebnis genommen, um die Geschwindigkeit festzustellen." Auch die Verfolgung eines Rasers im Auto, bei der die Tacho-Anzeige des Polizeiwagens als einzige Referenz dient, liefert kaum verlässliche Daten.

Doch jährlich mehr als 16.000 Tote auf deutschen Straßen, Tendenz steigend, zwingen Politik und Polizei zur technischen Aufrüstung, um Raser durch einen empfindlichen Griff ins Portemonnaie bestrafen zu können. Deshalb kauft das Land NRW 18 moderne Radarmessgeräte der Firma Telefunken, die in Zivil- und Streifenwagen eingebaut werden. Am 15. Februar 1959 kommen die neuen Apparate im Raum Düsseldorf erstmals zum Einsatz.

"Wegelagerer in Uniform"

Die Radarfallen in Tischfernseher-Größe senden einen gebündelten Funkstrahl, der von vorbeifahrenden Wagen reflektiert wird. Aus den auftretenden Frequenzverschiebungen errechnen die Geräte die Geschwindigkeit. Die Beamten in den noch unbekannten Radarwagen schreiben Strafzettel wie am Fließband und haben bald ihren Ruf als "Wegelagerer in Uniform" weg. "Die stehen wie die Huren auf der Straße zum Geldanschaffen", schimpft ein Geblitzter damals in einer "Hier und Heute"-Reportage des WDR. "Das ist 'ne Katastrophe. Überall dasselbe!"

Unter idealen Bedingungen liefern die Radargeräte fehlerfreie Tempowerte. Doch nicht immer stehen sie wie erforderlich exakt parallel zur Fahrbahn. Auch Eisenzäune oder andere Verkehrsteilnehmer können das Funksignal ablenken und die Messergebnisse verfälschen. Noch jahrelang leiden mobile Radaranlagen unter solchen Kinderkrankheiten. Sie führen zu teils abstrusen Foto-Beweisen, wenn etwa eine Mutter mit Kinderwagen oder ein Pferdefuhrwerk jenseits der 100-Stundenkilometermarke geblitzt wird.

Heutzutage müssen Autofahrer ständig mit mobilen oder stationären Radarfallen rechnen. Michael Frücht vom NRW-Innenministerium verteidigt die Überwachung  - nicht nur als Waffe gegen Extrem-Raser, sondern auch wegen ihrer erzieherischen Wirkung auf alle Fahrer: "Die Wissenschaft sagt uns: Wenn wir es schaffen, die Durchschnittsgeschwindigkeit nur um 2 Stundenkilometer zu senken, können wir 15 Prozent mehr Menschenleben im Straßenverkehr retten."

Stand: 15.02.2014

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