25. November 1953 – Ungarn gewinnt in Wembley

Erste Heimniederlage für britische Nationalmannschaft

Stichtag

25. November 1953 – Ungarn gewinnt in Wembley

"Die Ungarn werden wie ihre fetten Gänse aus der Puszta geschlachtet." Davon ist der Daily Mirror überzeugt. Besonders gewagt ist die Prognose des britischen Boulevardblattes nicht. Als die ungarische Fußballnationalmannschaft auf der Insel eintrifft, sind die Engländer in Spielen gegen Kicker vom Kontinent auf heimischem Felde noch unbesiegt.

Am 25. November 1953 treten die Ungarn bei einem Freundschaftsspiel zum 90-jährigen Bestehen des englischen Fußballverbandes im Wembleystadion gegen England an. Nach 90 Minuten verlassen sie als souveräne Sieger im Mutterland des Fußballs den Platz. Mit einem sensationellen 6:3 deklassieren sie vor 105.000 verdutzten Zuschauern den Goliath des runden Leders – und definieren mit nur einem Spiel den Fußball neu.

Der "hängende Mittelstürmer"

Eigentlich hätte England gewarnt sein müssen. Denn die Ungarn kommen als Olympiasieger und sind seit immerhin drei Jahren ebenfalls ohne Niederlage. Und sie haben eine vollkommen andere Spielkultur im Gepäck. Auf die aber sind die arroganten Engländer überhaupt nicht vorbereitet. Mit ständigen Positionswechseln, schnellem Kurzpassspiel und frühem Pressing verwirren sie den eher statisch auftretenden Gegner.

Nur fünf Pässe brauchen die Ungarn, dann hat ihr Mittelstürmer Nándor Hidegkuti, der aus der Tiefe des Raumes kommt, freie Bahn zum Tor. Bereits nach 40 Sekunden steht es 1:0. Vor allem dieser bisher unbekannte "hängende Mittelstürmer" macht den Engländern den Garaus. "Es ist", sagt Fußballhistoriker Christian Eichler, "die Demonstration der Überlegenheit einer neuen Spielidee." Die Zukunft des Fußballs hat begonnen.

"Jupp, ich weiß, wie es geht."

Der Sieg der Ungarn ist für die Deutschen ein Jahr später ein Segen. Denn die bejubelten Bezwinger der Fußballgroßmacht ruhen sich auf ihren Lorbeeren aus, statt sich weiter zu entwickeln. Auf die Engländer hat sich das Team noch akribisch vorbereitet. Als die Kicker am 4. Juli 1954 im Endspiel zur Fußballweltmeisterschaft in Bern auf Deutschland treffen, interessiert sich niemand in der Mannschaft für den krassen Außenseiter.

Das 3:2 der deutschen Mannschaft geht als "Wunder von Bern" in die Fußballgeschichte ein. Zu verdanken ist es ihrem Trainer Sepp Herberger, der 1953 beim Sieg der Ungarn gegen die Engländer gemeinsam mit seinem Spieler Jupp Posipal im Stadion von Wembley sitzt. Auch Herberger ist stark beeindruckt. Dann aber geht er in sich, analysiert die Spielzüge und sagt der Überlieferung zufolge schon wenige Stunden nach dem epochalen Ereignis siegessicher zu Posipal: "Jupp, ich weiß, wie es geht."

Stand: 25.11.2013

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