26. September 1913 - Geburtstag von Berthold Beitz

Berthold Beitz

Stichtag

26. September 1913 - Geburtstag von Berthold Beitz

1951 wird Alfried Krupp von Bohlen und Halbach vorzeitig aus der Haft entlassen. Zuvor war der alleinige Inhaber des Rüstungskonzerns Krupp wegen seiner Tätigkeit zur Zeit des Nationalsozialismus während der Nürnberger Prozesse zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden.

1957 holt Krupp seinen 19-jährigen Sohn Arndt von seiner geschiedenen Mutter zu sich, um ihn zu seinem Nachfolger aufzubauen. Menschlich finden die beiden ungleichen Charaktere nie einen Draht zueinander. Krupps persönlicher Vertrauter Berthold Beitz erhält den Auftrag, sich um Arndt zu kümmern.

Bald schon muss Krupp feststellen, dass sein Sohn weder willens noch in der Lage ist, den Konzern zu führen. Alfried Krupp entscheidet, dass Beitz nach seinem Tod sein Nachfolger werden soll – und erteilt ihm den Auftrag, seinen Sohn zum Verzicht auf die Unternehmensleitung zu überreden.

Agieren wie der Eigentümer

Geboren wird Beitz am 26. September 1913 als Sohn einer Kinderfrau und eines Wachtmeisters im pommerschen Dorf Zemmin. 1938 geht er nach Hamburg, um dort für ein Tochterunternehmen der Ölfirma Shell zu arbeiten; dort avanciert er schließlich zum kaufmännischen Leiter. In dieser Funktion rettet er Hunderten von Juden das Leben, indem er sie mit seiner selbstsicheren Art als unverzichtbar für die Arbeit deklariert. Nicht zuletzt wegen dieser Tat wird Beitz 1946 in Hamburg zum Vizepräsidenten des britischen Zonenamtes für das Versicherungswesen ernannt. Drei Jahre später wird er Generaldirektor der dortigen Versicherungsgesellschaft Iduna-Germania.

1952 treffen sich Beitz und Alfried Krupp durch Zufall im Atelier eines Essener Bildhauers. Offenbar macht der lebenslustige, extravertierte Versicherungschef einen bleibenden Eindruck auf den verschlossenen, in sich gekehrten Industriellen, denn bereits wenige Monate später bietet Krupp Beitz die Position eines Generalbevollmächtigten des Konzerns an. Bis zu Krupps Tod 1967 übt Beitz das Amt aus, das ihn neben Krupp wie einen Eigentümer agieren lässt.

Mit eiserner Hand

Beitz krempelt den Konzern, der nach Alfried Krupps Tod in eine Stiftung verwandelt wird, rigoros um. Das Management tauscht er aus, dem Unternehmen gibt er ein ziviles Gepräge. Bei Bundeskanzler Konrad Adenauer eckt er an, weil er auch während des Kalten Kriegs mit dem Osten Geschäfte macht, aber er geht unbeirrt seinen Weg.

Überhaupt führt er den Stahlkonzern mit eiserner Hand: Wer sich seinem Willen widersetzt, muss gehen. Trotz vieler Fehlentscheidungen und Krisen behält er über 60 Jahre lang das letzte Wort. Auch als das Unternehmen kriselt, bleibt er die leitende Kraft.

Bei einem Aktionärstreffen Anfang 2013 bekommt Beitz die geballte Kritik der Aktionäre zu spüren. Stundenlang hört er mit regungsloser Mine zu, dann steht er einfach auf und geht. Als letzte große Entscheidung entlässt er Aufsichtsratschef Gerhard Cromme. "Mister Krupp" stirbt im Sommer 2013 in Kampen auf Sylt.

Stand:26.09.2013

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