3. Oktober 1988 - Franz Josef Strauß stirbt in Regensburg

Franz Josef Strauß.

Stichtag

3. Oktober 1988 - Franz Josef Strauß stirbt in Regensburg

"Er hat wie eine Eiche gelebt. Und er wurde wie eine Eiche gefällt", sagt der damalige Kardinal Josef Ratzinger 1988 bei der Beisetzung von Franz Josef Strauß. Der ehemalige bayerische Ministerpräsident ist einer der umstrittensten Politiker der deutschen Nachkriegsgeschichte. "Er war oft unbeherrscht", sagt Strauß-Biograf Werner Biermann. Er sei "eine barocke Gestalt" gewesen: "Sinnlich, impulsiv, gefühlsbezogen, komplex, widersprüchlich". Trotz seine "Hyperintelligenz" sei er oft "über seine eigene Emotionalität" gestolpert.

Geboren wird Strauß am 6. September 1915 in München als Sohn eines Metzgermeisters. Der begabte Franz Josef fällt einem Priester auf, der die Eltern überredet, ihr Kind auf ein Elitegymnasium zu schicken. Nach einem ausgezeichneten Abitur studiert Strauß in München Geschichte, Germanistik, Latein, Griechisch, Archäologie und Volkswirtschaft. 1939 wird er zum Kriegsdienst eingezogen und steht bis 1942 als Artillerist an der Front. Nach schweren Erfrierungen unterrichtet er an der Flakschule Altenstadt bei Schongau. Da ihn die Alliierten nach Kriegsende als "unbelastet" einstufen, wird er von der US-Militärregierung in Schongau als stellvertretender Landrat eingesetzt. Damit beginnt seine politische Karriere.

Mehrfacher Minister in Bonn

Strauß ist Gründungsmitglied der CSU, wird Mitglied im Landesvorstand und Generalsekretär der Partei. 1953 wird er unter Kanzler Konrad Adenauer (CDU) Bundesminister für besondere Aufgaben, zwei Jahre später übernimmt er das Atomministerium. 1956 wird er Bundesminister für Verteidigung. Schon bald gibt es allerdings Gerüchte über Geldgeschäfte, die Freunde und Vertraute aus dem Umfeld des Verteidigungsministers bei Aufbau der Bundeswehr machen. 1962 veröffentlicht der "Spiegel" eine Titelgeschichte über den Zustand der Bundeswehr. Verteidigungsminister Strauß geht massiv dagegen vor. "Spiegel"-Chef Rudolf Augstein muss wegen angeblichen Landesverrats dreieinhalb Monate ins Gefängnis. Doch dann gerät Strauß selbst in den Fokus: Er streitet jegliche Verantwortung für die Verhaftung von Augstein ab. Doch das erweist sich als Lüge.

Strauß zieht sich nach Bayern zurück. Doch bereits vier Jahre später wird er in der Großen Koalition Finanzminister. Zusammen mit Wirtschaftsminister Karl Schiller bildet er ein ökonomisches Traumpaar der Wirtschaftswunderzeit. "Plisch und Plum" werden die beiden genannt, in Anlehnung an Wilhelm Buschs freches Hundepaar. Sein Ruf als "ungesichertes Kraftwerk", "Problemfigur" und "Kommunistenfresser" begleitet ihn weiter. Seine wohl größte Unterstützung erhält Strauß von seiner Frau Marianne, mit der er seit 1957 verheiratet ist und mit der er drei Kinder hat. Sie ist auch loyal, als ihr Mann CSU-Vorsitzende in den späten 1960er Jahren eine Affäre mit einer Abiturientin hat.

Elastische Grundsätze

1978 wird Strauß bayerischer Ministerpräsident. Seinen Regierungsstil bezeichnet er ironisch als "eine Mischung aus Heinrich VIII. und Ludwig XIV." Tatsächlich wird er von manchen wie ein König verehrt. 1980 wird Strauß Kanzlerkandidat der Unionsparteien und tritt erfolglos gegen Helmut Schmidt (SPD) an. Daraufhin zieht er sich nach Bayern zurück. 1983 vermittelt er einen Milliardenkredit an die DDR - zur Überraschung der Öffentlichkeit und der eigenen Partei. "Man muss einige wenige Grundsätze haben und diese elastisch handhaben", so Strauß.

In seinen letzten Lebensjahren ist der Politiker gesundheitlich angeschlagen. Der Unfalltod seiner Frau 1984, seine Alkoholkrankheit und sein hektisches Leben haben Spuren hinterlassen. Auf einer Jagdgesellschaft des Fürsten Thurn und Taxis bricht Strauß zusammen und wird in Regensburg in Krankenhaus eingeliefert. Dort stirbt er am 3. Oktober 1988, ohne das Bewusstsein wiedererlangt zu haben.

Stand: 03.10.2013

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Stand: 03.10.2013, 00:00