28. Januar 1988 - Klaus Fuchs stirbt in Berlin

Klaus Fuchs, Atomphysiker und Spion

Stichtag

28. Januar 1988 - Klaus Fuchs stirbt in Berlin

Er ist dabei, als im Juli 1945 im US-Bundesstaat New Mexico zu Testzwecken die sogenannte Trinity-Bombe gezündet wird - die weltweit erste Atomwaffe. Der deutsche Kernphysiker Klaus Fuchs arbeitet beim Manhattan-Projekt mit, wie die Tarnbezeichnung für das US-Atombomben-Programm lautet. Zu diesem Zeitpunkt ist er längst ein Spion, der sein Wissen an die Sowjetunion verrät. Noch aber schöpft niemand Verdacht.

Geboren wird Klaus Emil Julius Fuchs am 29. Dezember 1911 in Rüsselsheim am Main als Sohn eines Arbeiterpfarrers der deutschen Quäkergemeinde. Im thüringischen Eisenach besucht er ein humanistisches Gymnasium, wo sein mathematisches Talent auffällt. In Leipzig und später in Kiel studiert Fuchs Mathematik. 1930 tritt er in die SPD ein, wechselt aber zwei Jahre später in die KPD - weil die Sozialdemokraten bei der Reichstagswahl 1932 den konservativen Paul von Hindenburg unterstützen, statt einen eigenen Kandidaten aufzustellen. Als die Nazis 1933 an die Macht kommen, flüchtet Fuchs zunächst nach Paris, dann nach England. Dort studiert er weiter, diesmal Physik. Sein Doktorvater sagt ihm eine große Karriere voraus.

Vernichtungspotenzial für alle

1939 schreckt eine Nachricht aus Deutschland die Welt auf: Wissenschaftler am Berliner Kaiser-Wilhelm-Institut ist es gelungen, Uran-Atome zu spalten und Materie in Energie zu verwandeln. Das bedeutet die Entdeckung der Kernspaltung. Die Nazis könnten also bald die Fähigkeit haben, eine Atombombe zu bauen. Die Briten beschließen deshalb ein eigenes Atomforschungsprogramm. Fuchs, der bei Kriegsausbruch zunächst als feindlicher Ausländer interniert wird, kommt nach einem halben Jahr frei und beteiligt sich an der Forschung.

Nach dem Einmarsch der Wehrmacht in der Sowjetunion 1941 kommt Fuchs zur Einschätzung, die westlichen Alliierten würden ihren Verbündeten im Osten ausbluten lassen. Er nimmt deshalb Kontakt zur Berliner Kommunistin Ruth Werner auf, die damals Agentin des sowjetischen Militärnachrichtendienstes ist. Fuchs, der 1942 britischer Staatsbürger wird, übergibt ihr geheime Dokumente aus den Forschungslaboren, die sie nach Moskau übermittelt. Ein Jahr später geht er in die USA, um dort am Atomprogramm mitzuarbeiten und weitere Informationen zu liefern. Sein Motiv dafür ist nicht Geld, sondern sein Gerechtigkeitsempfinden: "Ich war der Ansicht, dass etwas mit einem so ungeheuren Vernichtungspotenzial den Großmächten in gleichem Maße zugänglich sein musste", sagt Fuchs später. "Ich habe mich nie als Spion gesehen."

Sich selbst verraten

Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrt Fuchs nach Großbritannien zurück. Dort gerät er bald ins Visier des britischen Geheimdienstes MI 5. Seit Jahren schon versuchen die Behörden Verräter in ihren Laboratorien zu aufzuspüren und überprüfen dabei auch Fuchs. Doch ihm ist nichts nachzuweisen. Erst als der stellvertretende Direktor des MI 5 - der mit Fuchs eng befreundet ist - auf ihn angesetzt wird, verrät er sich. Denn Fuchs will seinen Freund nicht belügen, als dieser ihn fragt, ob die Vorwürfe zutreffen.

Fuchs wird 1950 verhaftet, vor Gericht gestellt und zu einer Freiheitsstrafe von 14 Jahren verurteilt - wegen Geheimnisverrats an eine befreundete Nation, wie die Sowjetunion damals bezeichnet wird. Nach neun Jahren und vier Monaten Haft wird Fuchs 1959 begnadigt. Er wandert in die DDR aus und wird in Dresden-Rossendorf stellvertretender Direktor des Zentralinstituts für Kernforschung. Später wird er Professor an der TU Dresden und Mitglied des SED-Zentralkomitees. Einen offiziellen Dank der Sowjetunion für seine Leistungen erhält er allerdings nicht. Fuchs stirbt Fuchs am 28. Januar 1988 im Alter von 76 Jahren in Ost-Berlin.

Stand: 28.01.2013

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