4. Januar 1968 – Premiere von "Zur Sache, Schätzchen"

"Zur Sache Schätzchen" (Archivfoto vom August 1967)

Stichtag

4. Januar 1968 – Premiere von "Zur Sache, Schätzchen"

Die Revolution ist eine ernste Angelegenheit. Davon ist die deutsche Studentenbewegung Mitte der 60er Jahre überzeugt. Für eine bessere Gesellschaft und den Aufbruch überkommener politischer Strukturen demonstrieren zehntausende Jugendliche auf der Straße, diskutieren engagiert über Marx und den Vietnamkrieg und erproben die außerparlamentarische Opposition.

Es ist die junge Regisseurin May Spils, die in ihrem Spielfilm "Zur Sache, Schätzchen" versucht, das Lebensgefühl der Zeit in der - laut Trailer - "abenteuerlichen, aufregenden, spannenden und dramatischen Geschichte eines Fummlers" unter komischen Gesichtspunkten einzufangen. "Wir haben die ernste politische Situation vergagt", sagt Spils, "und haben eine fröhliche Anarchie gemacht."

Nach Karl May May Spils

Viel passiert nicht in "Zur Sache, Schätzchen". Zwei arbeitsscheue Lebenskünstler vertreiben sich in Münchens Künstlerviertel Schwabing die Zeit mit Geldschnorren und Mädchenflirts – und geraten mit dem Gesetz in Konflikt. Eine der beiden Hauptfiguren spielt Werner Enke, der auch das Drehbuch schreibt.  Seine coolen Sprüche tragen maßgeblich zum Erfolg des Filmes bei.

Um ihren Film mit einem eher kleinen Budget von 350.000 D-Mark zu realisieren, muss Spils eine Hypothek auf den elterlichen Bauernhof aufnehmen. Danach kann sie den Produzenten Peter Schamoni ebenso für Enkes Drehbuch gewinnen wie Uschi Glas, die wegen ihrer Rollen in Karl-May- und Edgar-Wallace-Verfilmungen für das Kinopublikum keine Unbekannte mehr ist. Glas' abgebrochener Striptease auf einer Polizeiwache gehört für viele zu den Höhepunkten des Films. Das Bild von Uschi Glas im Mieder gehört zu den Ikonen des neuen deutschen Films.

"Dieses Mistding"

Emke kann und will an einen Erfolg nicht glauben. Monate vor der Premiere betrinkt er sich in den Kneipen Münchens. "Wir haben einen fürchterlichen Film gedreht", sagt er der Erinnerung von Regisseurin Spils gemäß: "Ich will mit diesem Mistding nichts zu tun haben." Am 4. Januar 1968 geht er trotzdem ins Kino und versteckt sich beinahe im Kinosessel.

Als der Vorhang aufgeht und "Zur Sache, Schätzchen" anläuft, traut Enke zunächst seinen Ohren nicht. Statt der erwarteten Buhrufe krümmt sich das Publikum bei seinen Gags vor Lachen. Über vier Millionen Zuschauer sehen den "Gammlerfilm", selbst die Kritik überschlägt sich mit Lob. In der eigens geschaffenen Kategorie "Dialoge" erhält der Film das Filmband in Gold.

Enkes lässig vorgetragene Sprüche ("Es wird böse enden!") werden Allgemeingut, auch seine Wortneuschöpfungen wie "fummeln" oder "abgeschlafft", die es sogar in den Duden schaffen. Noch heute gilt "Zur Sache, Schätzchen" vielen Kritikern als bester Spiegel der damaligen Zeit.

Stand: 04.01.2013

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