2. Mai 1972 - John Edgar Hoover stirbt in Washington

Edgar Hoover, FBI-Chef

Stichtag

2. Mai 1972 - John Edgar Hoover stirbt in Washington

"Mir ist egal, wer unter mir Präsident ist", soll John Edgar Hoover einmal gesagt haben - acht Präsidenten hat der FBI-Chef im Amt überlebt. Fast ein halbes Jahrhundert lang, von 1924 bis zu seinem Tod am 2. Mai 1972 in Washington ist er wohl der mächtigste Mann der Vereinigten Staaten. Unter seiner Führung wird die kleine Bundes-Polizeibehörde in Washington zum "Federal Bureau of Investigation" (FBI). Hoover führt wissenschaftlicher Ermittlungsmethoden ein, wie etwa die systematische Erfassung von Fingerabdrücken, und baut eine schlagfertige Polizei-Truppe auf.

"Aber Hoover war auch verantwortlich für einige der schlimmsten und ungeheuerlichsten Machtmissbräuche", sagt der Washingtoner Hoover-Biograph Ken Ackerman. "Er glaubte, er dürfe einfach die Regeln brechen, um Leuten habhaft zu werden, die er als Staatsfeinde betrachtete." Sein größtes Misstrauen richtet sich gegen Linke: "Kommunisten waren, sind und werden immer eine Bedrohung für den Frieden bleiben, für demokratische Ideale, für die Verehrung Gottes und für den American Way of Life!"

"Angst vor der roten Gefahr"

Der am 1. Januar 1895 in Washington geborene Hoover ist, wie Biograph Ackerman sagt, von klein auf ein Überflieger: "Er war ein guter Schüler, war bei seinen Freunden beliebt, studierte Jura und begann 1917 im Justizministerium - gerade als Amerika in den Ersten Weltkrieg eintrat." Es ist die Zeit der "Red Scare" ("Angst vor der roten Gefahr"). Am Ende des Ersten Weltkriegs werden 10.000 vermeintliche Kommunisten festgesetzt, oft aufgrund fragwürdiger Beweise. Hauptorganisator der Razzien ist der junge, aufstrebende Jurist Hoover. Im Nachhinein gelingt es Hoover, damit nicht in Verbindung gebracht zu werden - und als 29-Jähriger Direktor des "Bureau of Investigation" zu werden.

Gangstergrößen der 1930er Jahre wie "Baby Face" Nelson, Ma Baker oder "Machine Gun" Kelly gehen der neu strukturierten Bundesbehörde ins Netz. "The War on Crime" ("Der Krieg gegen das Verbrechen") begründet den legendären Ruf Hoovers. Er setzt die Medien geschickt für seine Zwecke ein. "Er drängte Hollywood, Filme zu produzieren, in denen FBI-Agenten als Helden gezeigt wurden", sagt Ackerman. "Eine der beliebtesten Fernsehserien in den 1950er und 1960er Jahren in den USA heißt "Das FBI". Hoover überwacht persönlich die Drehbücher.

"Besser, ihn im Zelt zu haben"

Hoovers schärfste Waffe sind die FBI-Akten, ein ausgeklügeltstes Karteikartensystem, in dem jede Spur mit jedem Täter schnell zusammengebracht werden kann. Er besitzt nicht nur Akten über potenzielle Kriminelle, sondern auch über Regierungsangestellte, Filmstars, Wissenschaftler, in- und ausländische Politiker. Die Aufzeichnungen benutzt Hoover häufig, um Leute einzuschüchtern. Von Frank Sinatra über Charlie Chaplin, Martin Luther King und Vietnamkriegsgegner bis Albert Einstein - Hoovers Sammelwut kein kaum Grenzen. Auch vor illegalen Abhöraktionen und Sabotage schreckt er nicht zurück.

Fast alle US-Präsidenten spielen mit dem Gedanken, Hoover zu feuern. Doch keine traut sich. Als der FBI-Chef das Rentenalter erreicht, unterschreibt Präsident Lyndon B. Johnson ein Gesetz, das es Hoover ermöglicht, im Amt zu bleiben: "Auf jeden Fall ist es besser, ihn im Zelt zu haben und er pinkelt raus - als vor dem Zelt und er pinkelt rein." Erst nach Hoovers Tod im Alter von 77 Jahren werden nach und nach Details über die Schattenseiten seiner Herrschaft bekannt. Das FBI-Hauptquartiert trägt bis heute seinen Namen: Hoover Building.

Stand: 02.05.2012

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