30. Oktober 1947: Brecht wird in den USA verhört

Stichtag

30. Oktober 1947: Brecht wird in den USA verhört

Bertolt Brecht ist in guter Gesellschaft. Die Liste all jener, die vor den Kongressausschuss für "unamerikanische Umtriebe" geladen werden, liest sich wie ein Who is Who der zeitgenössischen Kultur. Charlie Chaplin ist darunter, Gary Cooper, Arthur Miller, Leonard Bernstein und Thomas Mann. Sie alle eint, dass sie verdächtigt werden, dem Kommunismus nahe zu stehen - und damit als feindliche Spione die USA untergraben zu wollen.

Brecht ist am Tag des Reichstagsbrands 1933 aus dem nationalsozialistischen Deutschland geflohen. Dann beginnt eine Odyssee im Exil. In einem seiner Gedichte wird er später schreiben, dass er "das Land häufiger als die Schuhe" wechsle. Über Dänemark, Schweden und Finnland gelangt er 1941 in die USA. Im kapitalistischen, von ihm als bigott und kleinbürgerlich empfundenen Amerika fühlt sich Brecht verlassen, als "Lehrer ohne Schüler". Aber er ist nicht allein: Von Beginn an steht er wegen Kommunismus-Verdachts unter Beobachtung. Sein Telefon wird abgehört, seine Akte umfasst schließlich über tausend Seiten. Obwohl sich darunter nichts politisch Belastendes findet, bittet FBI-Chef J. Edgar Hoover das Justizministerium im Oktober 1945 um eine Verlängerung der Abhöraktion: "Durch diese technische Überwachung zeigte sich, dass Brecht in regelmäßigem Kontakt steht mit Personen, die unter Verdacht stehen, für die Sowjetunion zu spionieren."

Am 30. Oktober 1947 muss Brecht vor dem Ausschuss für unamerikanische Umtriebe aussagen, um zu beweisen, dass er kein Staatsfeind ist. Auf Nachfrage gibt er zu, "revolutionäre Gedichte, Theaterstücke und andere Schriften" verfasst zu haben - "im Kampf gegen Hitler", wie er betont. Drei Stunden dauert das Verhör, dann muss Brecht entlassen werden. Der französische Schriftsteller Vladimir Pozner wird über die Veranstaltung schreiben, auf ihn habe es so gewirkt, als sei "ein Zoologe Gefangener von Affen" gewesen. In seiner ironischen Art fällt Brecht später ein milderes Urteil. "Sie waren nicht so schlimm wie die Nazis", wird er sagen. "Die Nazis hätten mich nie rauchen lassen."

Stand: 30.10.07