14. April 1912 – Untergang der Titanic

HANDZEICHNUNG Der Untergang der Titanic

Stichtag

14. April 1912 – Untergang der Titanic

Am 14. April 1912 ist der als unsinkbar geltende Luxusdampfer "Titanic" auf seiner Jungfernfahrt von Southampton nach New York. Die Nacht ist schneidend kalt und der Himmel sternenklar. Mit 22,5 Knoten gleitet das 269 Meter lange, 53 Meter hohe und 28 Meter breite Schiff durch die ruhige See.

Kurz vor Mitternacht spüren die Passagiere eine leichte Erschütterung, der sie keine weitere Bedeutung beimessen. "Als ich die Türklinke runterdrückte, gab es einen zweiten Bumms", wird sich die Passagierin Edith Russell später erinnern. "Und als ich ins Zimmer trat war da der dritte. Ich dachte: Was soll all das?"

Ursache für die kaum beachteten Erschütterungen ist ein 300.000 Tonnen schwerer Eisberg, den die "Titanic" 300 Seemeilen südöstlich von Neufundland so unglücklich rammt, dass sie nach nur vier Tagen auf hoher See innerhalb von knapp drei Stunden in den eisigen Fluten versinkt. Der Funkspruch "Sinken Bug zuerst. Kommt schnell" erreicht potenzielle Rettungsschiffe in der Umgebung zu spät.

Zu wenig Rettungsboote

Die "Titanic" ist eines von zwei Flaggschiffen der "White Star Line". Mit ihnen will die britische Reederei auf dem heiß umkämpften Markt für Atlantiküberquerungen punkten. Dabei setzt sie statt auf Schnelligkeit auf Luxus. Die "Titanic" verfügt über ein riesiges Promenadendeck und ein prunkvolles, mit Eichenholz vertäfeltes Treppenhaus, verschiedene Salons, ein beheizbares Schwimmbad. Ein Squashcourt erstreckt sich über zwei Decks. Von den Annehmlichkeiten haben allerdings nur die oben wohnenden Multimillionäre, Eisenbahnmagnaten, Schriftsteller und Politiker etwas. Ein Gutteil der Passagiere sind Auswanderer, die tief unten im Bauch des Schiffs in der 3. Klasse hocken.  

Die Freuden der Reichen währen allerdings nur bis zur Kollision mit dem Eisberg, durch die ein riesiges Loch in der Schiffswand entsteht. In der ersten Stunde laufen 22.000 Tonnen Wasser in den Bauch des Schiffs. Schnell wird klar, dass der Dampfer nicht zu retten ist – auch wenn oben zur Beruhigung der Passagiere die Bordkapelle bis zum Untergang tapfer weiterspielt. 

Da die zeitgenössischen Sicherheitsvorschriften für kleinere Passagierschiffe erlassen wurden, die gerade einmal ein Viertel der Größe der "Titanic" umfassen, sind nicht genügend Rettungsboote an Bord des riesigen Luxusdampfers. Und die vorhandenen Boote werden teils sogar nur halb gefüllt - sei es, weil die Damen der Ersten Klasse befürchten, sich ihre schönen Kleider zu ruinieren, sei es, weil der Backbord verantwortliche Offizier grundsätzlich allen Männern den Zutritt verweigert. Am Ende entkommen nur rund 700 von 2.200 Menschen dem Unglück.

Die Katastrophe wird zum Mythos

Der Mythos der "Titanic" beginnt schon unmittelbar nach ihrem Untergang: Bereits einen Monat nach der Kollision hat der Stummfilm "Saved from the Titanic" mit der Schauspielerin und "Titanic"-Überlebenden Dorothy Gibson Premiere. Zeitungen stürzen sich auf die Augenzeugen. Hochstapler, wie der angebliche "Titanic"-Offizier Max Dittmar-Pitman, verdienen mit falschen Erlebnisschilderungen gutes Geld. Dittmar-Pitman gibt durch seine Schilderungen dem Schriftsteller Josef Pelz von Felinau Stoff für seinen Bestsellerroman "Titanic. Die Tragödie eines Ozeanriesen" (1936). Fast religiöse Züge erhält der Kult um die "Titanic" schließlich mit James Camerons gleichnamiger Hollywoodschnulze (1997) um die Liebe zweier Passagiere der Ersten und Dritten Klasse.

Dass die "Titanic" im Bewusstsein der Öffentlichkeit bis heute existiert, ist wohl vor allem ihrem Untergang geschuldet. Denn das fast baugleiche Schwesterschiff "Olympic" – damals das größte seiner Art weltweit – ist das eigentliche Wunder im Hinblick auf Technik und Luxus. Als es 1911, wenige Monate vor der "Titanic", zur Jungfernfahrt startet, säumen Tausende von Schaulustigen und Journalisten die Kais. Später werden aus Mangel an Bildern von der "Titanic" Fotos der "Olympic" als Dokumente des Katastrophenschiffs verkauft.

Die "Olympic" versieht ihren Dienst über mehr als drei Jahrzehnte nahezu unbeschadet: Vier Millionen Kilometer legt sie zurück und überquert rund 500 Mal den Atlantik. Heute ist sie nahezu vergessen.

Stand: 14.04.2012

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