5. April 1877 - Gründung der Schiffswerft Blohm & Voss

Frachter "Polytrader" in Dock 17 der Werft Blohm + Voss (Foto s/w)

Stichtag

5. April 1877 - Gründung der Schiffswerft Blohm & Voss

Blohm + Voss (bis 1965 Blohm & Voss) gehört zu Hamburg wie Krupp zu Essen. Die wechselvolle Geschichte der Werft beginnt vor 135 Jahren, als die Ära der hölzernen Großsegler zu Ende geht und Rümpfe aus Eisen im Schiffbau Einzug halten. Zu dieser Zeit haben englische Werften in Europa die Nase vorn. Auch Hamburgs Reedereien geben neue Schiffe fast ausschließlich jenseits des Kanals in Auftrag.

Hermann Blohm und Ernst Voss wagen das Abenteuer, die Vormachtstellung der Briten anzugreifen und in der Hansestadt an der Elbe eine Großwerft zu gründen. Anfangs droht ihnen ein teurer Fehlschlag. Doch binnen weniger Jahre gelingt es den Jungunternehmern, die ausländische Konkurrenz zu überflügeln.

Firmengründung auf einer Kuhweide

Der 29-jährige Lübecker Kaufmannsspross Hermann Blohm bringt nicht nur das Kapital von 500.000 Goldmark mit. Nach einer Ingenieursausbildung hat er in kleineren Reedereien Erfahrungen gesammelt und dabei unternehmerische Begabung bewiesen. Das größere technische Talent ist der 35 Jahre alte Hufschmied-Sohn und Diplomingenieur Ernst Voss, der unter anderem in England wertvolle Kenntnisse im Maschinenbau erworben hat. Nach ersten misslungenen Versuchen, im Alleingang eine Werft zu gründen, lernen sich Hermann Blohm und Ernst Voss in Hamburg kennen. Sie wissen: Die Zukunft der Seefahrt gehört Schiffen aus Eisen und Stahl.

Doch auf ihren Plan, eine Großwerft mit kombiniertem Maschinen- und Schiffsbau zu errichten, reagiert Hamburgs Senat äußerst skeptisch. Als Baugrund wird den Newcomern lediglich eine sumpfige Kuhweide auf der Elbinsel Steinwerder zugewiesen. Dort, gegenüber den heutigen St. Pauli Landungsbrücken, gründen Blohm und Voss am 5. April 1877 ihre Schiffswerft und Maschinenfabrik. Mit rund 100 Fachleuten aus England machen sie sich ans Werk. Auf Bestellungen Hamburger Reedereien warten Blohm & Voss anfangs aber vergebens. Erst nach knapp zwei Jahren und dem Bau kleiner Schiffe auf eigene Rechnung füllen sich die Auftragsbücher.

Havarie in der Werftenkrise

Die Schiffe werden größer und Blohm & Voss wächst unaufhörlich. Nach zehn Jahren arbeiten fast 3.000 Menschen auf der Werft, deren Qualität inzwischen Weltgeltung genießt. Legendäre Viermaster wie "Pamir" und "Passat" laufen für die Reederei Laeisz vom Stapel. Mit seinen imperialen Marine-Phantasien leitet Kaiser Wilhelm II. die Blüte von Blohm & Voss ein. Ein Schlachtschiff nach dem anderen lässt Admiral Alfred von Tirpitz auf Kiel legen. Für die Hapag entsteht die "Vaterland", das größte Passagierschiff der Welt, gebaut im größten Schwimmdock der Welt. Nach dem Ersten Weltkrieg, in dem Blohm & Voss vornehmlich U-Boote baut, kooperiert der gnadenlos reaktionäre Hermann Blohm früh mit den aufstrebenden Nazis.

Nach seinem Tod 1930 – Voss ist bereits 1920 gestorben – übernehmen die Söhne Rudolf und Walter Blohm das Ruder. Wie zuvor Wilhelm II. wird nun Adolf Hitler Hauptauftraggeber bei Blohm & Voss. Während des Zweiten Weltkriegs schuften mehr als 13.000 Arbeiter auf der Werft, viele von ihnen Zwangsarbeiter und Häftlinge aus dem KZ Neuengamme. Durch Bombardements weitgehend zerstört, werden die noch erhaltenen Anlagen nach Kriegsende von den Engländern demontiert oder gesprengt.

Rudolf Blohm leitet erfolgreich den Wiederaufbau, muss zur Finanzierung allerdings im Lauf der Jahre immer mehr Beteiligungen abgeben, vor allem an den Thyssen-Konzern. Mit Einsetzen der Werften-Krise in den 70er Jahren gerät auch die traditionsreiche Großwerft in dauernde Existenznot und wird in drei Einzelunternehmen aufgegliedert. Nach schier endlosen Verhandlungen werden große Teile von Blohm + Voss im Februar 2012 vom Finanzinvestor Star Capital übernommen. Der hat seinen Sitz – Ironie der Geschichte – in England.

Stand: 05.04.2012

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